Berufs-Meisterschaft

Lärm, Stress und Stolz: So erlebten vier Solothurner Medaillengewinner die Swiss Skills

Die Swiss Skills 2018 bescherten acht Solothurnern eine Medaille.

Vergangene Woche gingen in Bern die Berufs-Schweizermeisterschaften, die «Swiss Skills», über die Bühne. Acht Solothurner brachte eine Medaille mit nach Hause. Vier davon erzählen, wie sie den Riesen-Event erlebt haben.

Adrian Büttler, Gipser, Silber

Der Mümliswiler Adrian Büttler ist eigentlich nur angetreten, um etwas Neues zu erleben, Freunde zu finden und Spass zu haben. Diese Ziele haben sich erfüllt, wie er selber sagt. Quasi obendrauf gab es dann noch die Silbermedaille für den Gipser. Dies erfüllt ihn dann doch etwas mit Stolz: «Das kann nicht jeder von sich behaupten, dass er die Silbermedaille an den Berufsmeisterschaften geholt hat.» Diese Auszeichnung berechtigt ihn zudem an der Teilnahme an den Berufs-Europameisterschaften. 

Die Gipser mussten unter Zeitdruck eine freistehende Trockenwand bauen. Eine schwierige Aufgabe, gerade weil die Zeitvorgabe sehr stressig war, wie Büttler sagt. Seine Zukunft hat er bereits geplant: Der Gipser-Lehre hat der Mümliswiler die Maler-Lehre angehängt, diese absolviert er im Moment. Anschliessend möchte er Weiterbildungen zum Vorarbeiter, Polier und schliesslich zum Meister absolvieren, um irgendwann das Geschäft seines Vaters – die R. Büttler Maler AG – zu übernehmen.

Gipser-Trockenbauer EFZ: Adrian Büttler gewinnt Silber

Gipser-Trockenbauer EFZ: Adrian Büttler gewinnt Silber

Samuel Dysli, Mechaniker, Silber

Der Mechaniker und Silbermedaillengewinner Samuel Dysli aus Luterbach kann sehr zufrieden auf die Swiss-Skills zurückblicken. «Es war sehr eindrücklich, eine riesige Sache, aber auch eine riesige Herausforderung», sagt Dysli. Um als Mechaniker überhaupt teilnehmen zu können, musste er eine der 15 besten Lehrabschlüsse des Landes vorweisen. Und am Event wurde er dann nochmals so richtig gefordert: In fünf Disziplinen wurden dem Mechaniker unter Zeitdruck verschiedene Aufgaben gestellt. Beispielsweise musste der Luterbacher bei einem Motor eine Fehlerdiagnose durchführen, das Ganze reparieren und austauschen. «Es war schon sehr stressig und ich kam an meine Leistungsgrenze», so Dyslis Fazit.

Dass er am Ende auf dem Podest stehen würde, damit hatte er nicht gerechnet. Umso mehr erfüllt ihn die Medaille mit Stolz. Daneben hat sie aber auch einen praktischen Nutzen: Am Samstagabend war die Medaillenübergabe, am Montagmittag hatte er bereits Jobangebote auf dem Tisch. Bis auf weiteres möchte er aber seinem Ausbildungsbetrieb – der Hutter Baumaschinen AG in Wangen an der Aare – treu bleiben. Im Moment arbeitet er dort, eine Weiterbildung zum Diagnosetechniker und die anschliessende Meisterausbildung sind bereits angedacht.

Samuel Dysli gewinnt an den Swiss Skills im Beruf Landmaschinen-Motorgeräte-, Baumaschinenmechaniker EFZ Silber

Samuel Dysli gewinnt an den Swiss Skills im Beruf Landmaschinen-Motorgeräte-, Baumaschinenmechaniker EFZ Silber

Nicole Brosi, Hotelfachfrau, Bronze

Nicole Brosi aus Balsthal war 2016 mit der Schule bereits zu Gast an den Swiss-Skills und konnte so erste Eindrücke sammeln. Dieses Jahr wurde sie von ihrem Chef gefragt, ob sie nicht selber teilnehmen möchte. Also hat sie sich beworben und durfte als eine von zwölf Hotelfachleuten schweizweit nach Bern reisen. Brosi sind vor allem die Dimensionen eingefahren: «Eindrücklich war besonders die Lautstärke. Teilweise haben vier Moderatoren gleichzeitig geredet, dazu kamen die vielen Zuschauer, man musste sich schon abschotten können.»

Die Hotelfachleute wurden mit 16 verschiedenen Aufgaben getestet. So mussten sie ein Gästezimmer einrichten, einen Kochhut bügeln – «Die sind heute aus Papier, deshalb muss man die gar nicht mehr bügeln. Die Aufgabe wurde nur gestellt, um uns zu prüfen», so Brosis Kommentar zu dieser Aufgabe – oder ein Tagesprogramm gestalten. Am schwierigsten sei jedoch gewesen, mit dem Druck umzugehen. «Wenn man eine Aufgabe abgeschlossen hatte, musste man diese auch loslassen können, denn nach nur zehn Minuten Pause ging es mit der Nächsten weiter», erzählt sie.

Das scheint ihr aber gelungen zu sein. Denn nach erfüllten Aufgaben hat die Balsthalerin am drittbesten abgeschnitten. Nebst der Bronzemedaille nimmt sie auch viele Erfahrungen an ein «unbeschreibliches Erlebnis», das, wie sie betont, nur dank der Unterstützung ihrer Familie überhaupt möglich war, mit nach Hause. Eine Stelle hat die drittbeste Hotelfachfrau des Landes noch keine.

Hotelfachfrau EFZ an den Swiss Skills: Nicole Brosi holt Bronze

Hotelfachfrau EFZ an den Swiss Skills: Nicole Brosi holt Bronze

Pascal Helfenfinger, Gebäudetechnikplaner, Bronze

Bereits vor den Swiss-Skills war Pascal Helfenfinger aus Zullwil einer der besten Gebäudetechnikplaner der Schweiz. Denn bei dieser Berufsgruppe war die Lehrabschluss-Note ausschlaggebend für die Teilnahme an den Swiss-Skills. Und gerade mal die besten fünf schweizweit durften nach Bern reisen. Den Event erlebte Helfenfinger dann vor allem als: Stress. In einem 16-stündigen Projekt musste er Pläne für eine Wärmepumpe anlegen. Mit Anlagebeschrieb, Kostenvergleich und allem was dazugehört. Und dies unter erschwerten Bedingungen: in einer Halle mit hohem Lärmpegel und unter den wachsamen Augen der Zuschauer.

Doch so schlecht kann es der Zullwiler nicht gemacht haben, sprang doch am Ende die bronzene Medaille raus. Neben der Auszeichnung, die, wie er selber sagt, noch keine konkreten Folgen hat, nimmt er viele Erfahrungen und neue Freundschaften mit nach Hause.
Dass Helfenfinger so gut abgeschlossen hat, hat auch damit zu tun, dass er von seinem Lehrbetrieb, der Regioplan Nordwestschweiz GmbH, Zeit bekam, sich auf den Event vorzubereiten. «Dafür bin ich sehr dankbar», betont er. Im Moment macht er noch die Berufsmatur, danach will er in Luzern Gebäudetechnik studieren.

Pascal Helfenfinger aus Zullwil holt Bronze bei den GebäudetechnikplanerIn Heizung EFZ

Pascal Helfenfinger aus Zullwil holt Bronze bei den GebäudetechnikplanerIn Heizung EFZ

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1