Kommentar
So machen die Solothurner Spitäler einen ersten Schritt auf dem Weg zur Zweiklassenmedizin

Die Solothurner Spitäler-AG ändert die Besuchszeiten: Wer teurer versichert ist, darf künftig länger Besucherinnen und Besucher empfangen als die Normalversicherten. Doch ist das für ein öffentliches Spital angemessen, das Dutzende Millionen vom Steuerzahler erhält?

Lucien Fluri
Lucien Fluri
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Das Kantonsspital Olten.

Das Kantonsspital Olten.

Bruno Kissling

Wer mehr Geld hat, lebt besser: Das ist auch bei den öffentlichen Spitälern des Kantons Solothurn so. Zusatzversicherte werden etwa im Neubau des Solothurner Bürgerspitals im obersten Stock untergebracht – mit bester Aussicht. Und auch das Parkett im Einzelzimmer ist schöner als bei den Otto-Normalpatienten, die sich in den unteren Stockwerken Zimmer teilen. So weit, so gut. Das sind Unterschiede, mit denen man leben kann. Denn sie betreffen den Service, nicht die medizinische Versorgung.

Anders ist es jetzt mit den Besuchszeiten. Wer allgemeinversichert ist, darf weniger lange Freunde und Verwandte empfangen. Das ist ein eklatanter Unterschied. Denn Angehörige zu sehen kann in einer Krankheits- und Genesungsphase wichtig sein. Dieser Unterschied hat nichts mehr mit Service zu tun. Das geht in Richtung medizinischer Zweiklassengesellschaft.

Klar: Die Spitäler stehen unter wirtschaftlichem Druck. Und weil es zunehmend auch für Allgemeinversicherte Zweibett-Zimmer gibt, ist die Distanz zur «first class» geringer geworden. Dass die Spitäler handeln, überrascht also nicht.

Dennoch sind solche Differenzierungen bei einem öffentlichen Spital stossend. Und besonders störend ist dies in Solothurn. Denn die Spitäler AG wurde – mit unser aller Geld – gerade erst mit Millionen für Covid-Verluste entschädigt.

Und am Standort Solothurn sind diese Öffnungszeiten nun an den Türen eines Neubaus zu lesen, für den die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler vor Kurzem 340 Millionen Franken ausgaben. Notabene auch für unnötige und unnötig teure Architekturwünsche, wie kürzlich selbst die scheidende Verwaltungsratspräsidentin der Solothurner Spitäler AG bemängelte.