Niederbipp
Kimberly-Clark hat Käufer für die «Tela»-Fabrik gefunden – Jobs werden wohl trotzdem teils verloren gehen

Anfang November wurde publik, dass der US-Konzern Kimberly-Clark die Hygienepapier-Fabrik in Niederbipp verkaufen oder schliessen will. Rund 265 Jobs waren in Gefahr. Die Besitzer der Cartaseta AG in Gretzenbach kaufen das einstige «Tela»-Werk.

Sébastian Lavoyer
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Bereits anfangs 2019 hielten sich Gerüchte, der US-Konzern wolle das einstige «Tela»-Werk in Niederbipp verkaufen, im Dezember 2020 ist der Verkauf jetzt also Tatsache. (Archivbild)

Bereits anfangs 2019 hielten sich Gerüchte, der US-Konzern wolle das einstige «Tela»-Werk in Niederbipp verkaufen, im Dezember 2020 ist der Verkauf jetzt also Tatsache. (Archivbild)

Bruno Kissling

265 Jobs bedroht - so war es vor etwas mehr als einem Monat in der «Solothurner Zeitung» zu lesen, als bekannt wurde, dass Kimberly-Clark das ehemalige «Tela»-Werk verkaufen will oder sonst schliesst. Von Gewerkschaftsseite wurde die Befürchtung geäussert, dass der US-Konzern zu unrealistische Vorstellungen bezüglich des Verkaufspreises habe. Gerade jetzt in der Corona-Krise.

Jetzt wird bekannt, dass Kimberly-Clark einen Käufer für das einstige «Tela»-Werk in Niederbipp gefunden hat. Es übernimmt die Unternehmerfamilie Queck, die bereits Eigentümerin der Cartaseta AG in Gretzenbach ist. Ebenfalls im Besitz der Familie befindet sich die Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KB im deutschen Miltenberg und die Fabryka Papieru Czerwonak in Czerwonak in Polen.

«Hakle» neu made in Italy – «Tela» bleibt in Niederbipp

Wie geplant wird Kimberly-Clark also per Ende April die Fabrik in Niederbipp aufgeben und das Toilettenpapier «Hakle» künftig in Norditalien produzieren. Per Anfang Mai übernehmen Quecks. Nicht nur die Fabrik in Niederbipp, sondern auch die Rechte an der Marke «Tela». Die Eigentümerfamilie besitzt laut Medienmitteilung jahrzehntelange Erfahrung und einen grossen Leistungsausweis in der Produktion und im Vertrieb von Hygienepapier.

«Wir freuen uns, das Werk in Niederbipp übernehmen zu können. Es passt sehr gut in unsere langfristige Strategie und ergänzt unsere anderen Werke ideal», sagt Verena Queck-Glimm, Vertreterin der neuen Eigentümer. Einerseits baue man mit dem «Tela»-Werk die Kapazität der Gruppe aus, andererseits könne man neue Kunden gewinnen und den bisherigen zusätzliche Liefersicherheit bieten.

Noch ist unklar, wie viele Arbeitsplätze abgebaut werden

Damit ist klar, dass die lange Papier-Geschichte in Niederbipp um ein weiteres Kapitel reicher wird. Das Werk bleibt erhalten. Allerdings wird das kaum gehen ohne einen Abbau. Es sei eine grosse Herausforderung, in der Schweiz eine Hygienepapier-Produktion aufrechtzuerhalten, die auch wettbewerbsfähig ist, schreiben die beiden Unternehmen in der Medienmitteilung. Es werde betriebliche Anpassungen und Veränderungen brauchen.

Wie viele Arbeitsplätze diesen Veränderungen zum Opfer fallen ist nicht bekannt. Genauso wenig wie der Preis, den die neuen Besitzer für die Fabrik bezahlt haben. Verena Queck-Glimm sagt: «Wir glauben an den Standort und sind bereit in das Werk zu investieren.» Bezüglich der nötigen Anpassungen sei man in Kontakt mit den Behörden und den Sozialpartnern, um diese so verantwortungsvoll wie zu gestalten.

Gemeindepräsidenten sind erfreut

Die Niederbipper Gemeindepräsidentin Sibylle Schönmann und der Oensinger Gemeindepräsident Fabian Gloor sowie die beiden Gemeinderäte sind froh, dass für die Papierfabrik eine passende Nachfolgeregelung gefunden wurde und ein Grossteil der Arbeitsplätze erhalten werden kann.

«Dank der stabilen und erfahrenen Eigentümerfamilie erhoffen sich beide Gemeindepräsidenten die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze und zusätzliche Investitionen vor Ort», heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung.