Für die Bell AG verlief der Mittwoch komplett anders als üblich. Über Nacht sind 134 Aktivisten der Organisation «269 Libération Animale» in den Schlachthof in Oensingen eingestiegen. Sie sind in jenen Bereich eingedrungen, in dem die Rinder zum Schlachten angeliefert werden. Mit Ketten haben sie sich dort festgemacht und für gehörigen Lärm gesorgt.

Doch nicht nur das. Weil die Anlieferung blockiert war, konnte der Betrieb nicht weitergeführt werden. Welcher Bauer, wann seine Tiere zum Schlachten anliefert, ist nämlich genau koordiniert. Es konnten am Vormittag demzufolge keine Tiere entgegengenommen werden.

Die Aktivisten verbuchen dies als Erfolg, wie sie auf Facebook festhalten, wo sie ihre ganze Aktion minutiös und öffentlichkeitswirksam präsentieren. Zumindest am Mittwoch sei bei Bell kein Tier gestorben, triumphieren sie.

Die Firma musste den Arbeitstag neu organisieren. «Einem Teil der Mitarbeitenden wurde heute frei gegeben», teilt die Bell AG auf Anfrage mit. «Sobald das Ausmass der Situation feststand, wurden die Händler informiert.» Anders als auf den Schlachtbetrieb hatte die Tierschutzaktion auf die Auslieferung keinen Einfluss. «Die Belieferung der Kunden ist für heute sichergestellt», so der Fleischverarbeiter weiter.

Die Aktivisten werfen Bell «Tierausbeutung» und «Tötung» vor. Wie reagiert Bell darauf? Die Aktivisten würden sich generell gegen den Genuss von Fleisch aussprechen und ein anderes Verhalten der Politik, der Anbieter und der Konsumenten fordern, so der Fleischverarbeiter. «Ihre Forderungen sind generell gehalten. Vor diesem Hintergrund können wir aktuell dazu keine Stellung nehmen.»

Aktivisten hindern Bell beim Schlachten

Aktivisten hindern Bell beim Schlachten

Diverse Aktivisten belagern das Gelände der Bell Food Group in Oensingen (SO). Der Schlachtbetrieb ist eingestellt.

Zum entstandenen Schaden durch den teilweisen Betriebsunterbruch kann die Bell AG derzeit keine Angaben machen.

Gemäss Bell ist es in der Vergangenheit zu keinen vergleichbaren Vorfällen gekommen. Auch wurde die Firma im Vorfeld nicht von den Aktivisten bedroht. 

Wie haben es die Mitglieder von «269 Libération Animale» überhaupt ins Innere der Schlachterei geschafft? Bell will nach dem «Eindringen auf unerlaubte Art» das bestehende Sicherheitskonzept überprüfen. 

Das ist Bell

Die Bell Food Group ist eine Schweizer Fleisch- und Convenience-Verarbeiterin und hierzulande Marktführerin. Das Unternehmen erwirtschaftete 2017 in Europa einen Umsatz von 3,59 Milliarden Schweizer Franken und beschäftigte rund 10'000 Mitarbeiter. Die Firma wurde 1869 in Basel gegründet. Heute hält Coop eine Mehrheit der Aktien an Bell.