Das Gebiet Stelli in Kestenholz, Forstrevier Oberes Gäu: Hier zeigt sich das Ausmass der Schäden besonders eindrücklich, die der Sturm Burglind anrichtete: Wo vor dem 3. Januar 2018 so dichter Wald stand, dass auch bei strahlendem Sonnenschein Dämmerungsstimmung war, herrscht heute auf 16 Hektaren Kahlschlag. Es wird 20 bis 30 Jahre dauern, bis die fast 28'000 Bäume, die hier seither zur Wiederaufforstung gesetzt wurden, wieder nach richtigem Wald aussehen und wieder eine forstwirtschaftliche Nutzung stattfinden kann.

Einen weiteren Baum hat am Montag Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss in Kestenholz gepflanzt, eine Eiche. Symbolisch, versteht sich. Wyss ist ins Gäu gekommen, um über das Engagement des Kantons bei der Wiederherstellung der von «Burglind» verwüsteten Flächen zu informieren – auch und gerade im Licht des Klimawandels. Der Kanton Solothurn und hier insbesondere das Aaregäu und das Niederamt gehören zu den am stärksten vom Sturm geschädigten Regionen.

Der Wald bei Kestenholz nahm grosse Schäden. Dieses Foto stammt vom 6.Januar 2018.

Der Wald bei Kestenholz nahm grosse Schäden. Dieses Foto stammt vom 6.Januar 2018.

Die «Burglind»-Bilanz: Im ganzen Kanton wurden etwa 200 Hektaren Wald umgeworfen. Das sind 125'000 Kubikmeter Holz, etwa 70 Prozent einer üblichen jährlichen Nutzung. Im Forstrevier Oberes Gäu erstreckt sich die Schadenfläche über mehr als 90 Hektaren. Der Sturm riss hier das viereinhalbfache der Holzmenge zu Boden, die sonst in einem Jahr geschlagen wird.

Heli-Flug über "Burglind"-Schäden

Januar 2018: Heli-Flug über Burglind-Schäden

Nach dem Sturm, der grosse Waldstücke umgefegt hat, zeigt sich das wahre Ausmass der Zerstörung erst von oben.

Kanton unterstützt 84 Projekte

Revierförster Reto Müller erinnert sich, wie er an jenem Tag seine Frau anrief: Er komme zum Mittagessen nach Hause, der Sturm sei wohl nicht so schlimm wie prophezeit wurde. Eine Viertelstunde später ein zweiter Anruf: An ein gemütliches Mittagessen ist nicht zu denken. Das volle Ausmass habe er im ersten Moment nicht erahnt, aber binnen Minuten ist klar: Hier hat sich gerade etwas ganz Grosses ereignet. Von «purem Entsetzen» berichtet der Kestenholzer Bürgergemeindepräsident Viktor Meier, über dessen Land eine Wasserwalze rollte.

Der Kanton lässt die Waldbesitzer nicht im Stich. Das Amt für Wald, Jagd und Fischerei erarbeitete im Sommer 2018 zusammen mit den Forstbetrieben die Grundlagen für Wiederherstellungsprojekte, die der Kanton unterstützen würde. Bis Ende Oktober hatten die Waldbesitzer Zeit, ihre Projekte auszuarbeiten. Es wurden 84 Projekte mit Bepflanzungen auf einer Fläche von 127 Hektaren eingereicht.

Dazu kommen 28 Projekte für die Wiederherstellung von Waldwegen auf einer Länge von 15 Kilometern. Inzwischen hat der Regierungsrat die Projekte genehmigt und dafür Kantonsbeiträge von insgesamt 2,6 Millionen Franken zugesichert. Die Gesamtkosten für die Wiederaufforstungsprojekte belaufen sich auf rund 2,7 Millionen, die für die Waldwege auf 560'000 Franken.

Die Waldbesitzer haben also eine knappe Million oder etwa 30 Prozent selber zu tragen. Für sie immer noch ein happiger Betrag, denn es ist noch längst nicht für das ganze Fallholz ein Abnehmer gefunden und die Margen sind klein. Und ja: Auch im Kanton Solothurn wurden Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Das Fallholz lasse sich einfach nicht schnell genug aus dem Wald schaffen und der Verarbeitung zuführen, um es vor dem Borkenkäferbefall und damit der Entwertung zu schützen, sagt Rolf Manser, neuer Chef des Amts für Jagd, Wald und Fischerei.

Aus der Vogelperspektive – so sieht der Wald bei Kestenholz heute aus:

Drohnenflug: So sieht der Wald bei Kestenholz ein Jahr nach Sturm Burglind aus.

Wald soll «klimafitter» werden

Krisen sind immer auch als Chance zu nutzen. Bei der Wiederaufforstung hofft man die betroffenen Waldgebiete widerstandsfähiger gegen den Klimawandel machen zu können. Nach mehreren extrem warmen und trockenen Sommern beobachtet man, dass bisher eigentlich als klimafest geltende Weisstannen absterben und Buchen bereits im Sommer Laub abwerfen. Man wisse noch nicht genau, was das für das Ökosystem Wald bedeutet, aber man müsse auf jeden Fall einem Klumpenrisiko begegnen und auf mehr Vielfalt setzen, so Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss.

Die Pflanzungen für die Wiederherstellung der Burglind-Flächen dienen dabei als Beispiel für eine angepasste Waldbewirtschaftung. Wo vor dem Sturm hauptsächlich Fichten standen, wächst nun eine breite Palette von Baumarten. Das soll das Risiko von Ausfällen bei extremen Wetterereignissen reduzieren, und generell bevorzugt man dabei natürlich Arten, die gegenüber Trockenheit und Wärme möglichst resistent sind. Das (unvollständige) Baumarten-Portfolio der Burglind-Aufforstungen: 21 Prozent Eichen, 16 Prozent Tannen, 16 Prozent Lärchen, 14 Prozent Douglasien, 7 Prozent Linden, 4 Prozent Ahorne und 3 Prozent Kastanien.