Kanton Solothurn
Energiekonzept 2022 des Kantons Solothurn: Solaranlagen sind neu Pflicht, fossile Heizungen werden (noch) nicht verboten

Mehr kantonale Förderung und mehr Eigenverantwortung: Das ist die Quintessenz des neuen Energiekonzeptes. Der Regierungsrat will damit einerseits erreichen, dass Öl- und Gasheizungen rascher ersetzt werden. Andererseits hofft er, so den Ausbau von Fotovoltaik und Fernwärme zu beschleunigen.

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Mit einer Pflicht für FV-Anlagen will der Kanton Solothurn erreichen, dass bei einem Neubau oder grösseren Umbauten direkt eine Anlage realisiert wird, sofern es sich um eine geeignete Dachfläche handelt.

Mit einer Pflicht für FV-Anlagen will der Kanton Solothurn erreichen, dass bei einem Neubau oder grösseren Umbauten direkt eine Anlage realisiert wird, sofern es sich um eine geeignete Dachfläche handelt.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Mit dem Energiekonzept 2022 soll der Kanton Solothurn insbesondere seine Verantwortung im Gebäudebereich wahrnehmen. Handlungsbedarf bestehe vor allem beim Ersatz von Öl- und Gasheizungen, bei der Fotovoltaik und bei der Sanierung von Dach und Fassade, wie der Kanton Solothurn am Dienstag mitteilt.

Mit zusätzlichen Massnahmen will der Regierungsrat den Anreiz für energetische Sanierungen, erneuerbare Heizungen und Fotovoltaikanlagen (FV-Anlagen) erhöhen. Zudem sollen auch die Massnahmen des Bundes bei der Stromerzeugung und Elektromobilität gezielt unterstützt werden.

Der Regierungsrat ist überzeugt, «dass Energieeffizienz und erneuerbare Energie die richtigen Massnahmen für eine längerfristig bezahlbare und sichere Energieversorgung sind». Das Energiekonzept leiste mit seinen wirkungsvollen, breit abgestützten und vor allem rasch umsetzbaren Massnahmen einen wichtigen Beitrag für die Erreichung der Schweizer Energie- und Klimaziele, schreibt die Kantonsregierung in ihrer Mitteilung.

Verbindliche CO2-Werte

Die Handlungsschwerpunkte im Gebäudebereich sind der Ersatz fossiler Heizungen, der Ausbau thermischer Netze und die Steigerung der Sanierungsrate. Mit mehr Fördermitteln für das Gebäudeprogramm und für den Ausbau thermischer Netze soll der Anreiz für erneuerbare Heizsysteme und die Sanierung der Gebäudehülle erhöht werden.

Mit einer Pflicht für FV-Anlagen für Neubauten werde erreicht, dass beim Bau eines neuen Gebäudes oder grösseren Umbauten direkt eine FV-Anlage realisiert werde, sofern es sich um eine geeignete Dachfläche handle.

Der Regierungsrat verzichtet jedoch auf ein Verbot von fossilen Heizungen. Damit die nationalen Ziele beim Ersatz von Öl- und Gasheizungen dennoch erreicht werden, sollen verbindliche CO2-Zielwerte in das kantonale Energiegesetz aufgenommen werden. Sie seien einzuhalten, wenn eine fossile Heizung neu installiert oder eine bestehende ersetzt werde.

Hier wird ein Öltank demontiert – der Solothurner Regierungsrat verzichtet aber vorerst auf ein Verbot von fossilen Heizungen.

Hier wird ein Öltank demontiert – der Solothurner Regierungsrat verzichtet aber vorerst auf ein Verbot von fossilen Heizungen.

Keystone / KEYSTONE

Damit bleibe es der Eigentümerschaft frei, mit welchen Einzelmassnahmen sie das Gebäude für 2050 fit machen. Die bestehende Vorschrift mit fossilem Höchstanteil beim Heizungsersatz wird abgelöst. Ebenso wird der Vollzug stark vereinfacht.

Unterstützung für Fotovoltaik und Elektromobilität

Weitere Handlungsschwerpunkte des Energiekonzepts sind der Ausbau der Fotovoltaik und der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität in Mehrfamilienhäusern. «Mit der wachsenden Bedeutung der Gebäude im Energiesystem werden wichtige Massnahmen, die in den Aufgabenbereich des Bundes fallen, damit zusätzlich unterstützt», schreibt der Solothurner Regierungsrat.

Mit ergänzenden Fördermassnahmen und einer Überarbeitung der Steuerpraxis soll der Anreiz für Fotovoltaikanlagen auf bestehenden Gebäuden verstärkt werden, insbesondere auch für Fassadenanlagen mit Winterstromerzeugung.

Neubauten mit geeignetem Potenzial sollen künftig auch im Kanton Solothurn mit einer Fotovoltaikanlage erstellt werden. Zudem will der Regierungsrat die Ladeinfrastruktur für Mehrparteienhäuser mit einem befristeten Förderprogramm unterstützen. Damit werde ein Anreiz geschaffen, Mieterinnen und Mietern den Umstieg auf die Elektromobilität zeitnah zu vereinfachen.

«Guter Kompromiss»

«Das kantonale Energiekonzept 2014 ist in die Jahre gekommen», hält der Regierungsrat fest. Die jüngsten Ziele der nationalen Energiestrategie 2050 und des Pariser Klimaabkommens waren dabei noch nicht vollständig aufgenommen.

Gemeinsam mit Vertretern der Gesellschaft, Wirtschaft, Politik wurde das Energiekonzept deshalb überarbeitet und an die aktuellen energie- und klimapolitischen Rahmenbedingungen angepasst. «Mit breit abgestützten Massnahmen konnte ein guter Kompromiss mit rasch umsetzbaren Lösungen erarbeitet werden.» (sks)

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