Chlorothalonil

Kanton kommuniziert Probleme mit der Wasserqualität nicht – nun übernehmen die Gemeinden

Die Wasserqualität entspricht in vielen Gemeinden im Kanton nicht den gesetzlichen Anforderungen. (Symbolbild)

Die Wasserqualität entspricht in vielen Gemeinden im Kanton nicht den gesetzlichen Anforderungen. (Symbolbild)

Seit diesem Frühling gelten neue Spielregeln in Sachen Wasserqualität: Chlorothalonil darf nur noch in einer bestimmten Konzentration im Trinkwasser nachgewiesen werden. In vielen Gemeinden wird dieser Grenzwert überschritten. Der Kanton informierte bisher nicht dazu, nun tun die Gemeinden dies selber.

Seit rund einem halben Jahr geistert ein Begriff durch die Schweizer Medienwelt: Chlorothalonil (siehe dazu ganz unten). Der Wirkstoff, der in Pestiziden vorkommt und vielerorts im Trinkwasser zu finden ist, könnte gefährlich sein, fanden Forscher heraus. Deshalb hat der Bund einen neuen Grenzwert eingeführt. Im Trinkwasser darf nur noch eine bestimmte Menge der gefährlichen Abbaustoffe von Chlorothalonil nachgewiesen werden, sonst müssen die Wasserversorger reagieren. Akute Gefahr besteht nicht: Das Wasser hat dieselbe Qualität wie in den vergangenen Jahrzehnten; auch dort, wo der neue gesetzliche Höchstwert überschritten wird, könne das Wasser weiter gefahrlos ab Hahn getrunken werden, so der Bund. Der Einsatz von Chlorothalonil auf den Feldern wurde in der Schweiz zudem bis heute nicht verboten.

Trotzdem sind sämtliche Wasserversorger im Kanton in der Pflicht. Sie müssen prüfen, ob ihr Wasser die neuen Anforderungen erfüllt. Und falls nicht, hätten sie dem Kanton bis Ende Oktober melden müssen, wie sie ihre Probleme lösen wollen. Von den rund 100 Wasserversorgern haben, Stand gestern, zwölf Versorger Grenzwertüberschreitungen gemeldet. Sieben von diesen zwölf haben zudem in umfassenden Stellungnahmen mögliche Lösungen angedacht. Von anderen betroffenen Wasserversorgern steht die Meldung noch aus – diesen hat der Kanton eine Nachfrist gesetzt.

Zum Ausmass des Problems schweigt der Kanton

Das genaue Ausmass des Problems ist mit dieser Zahl nicht zu erfassen. Denn Wasserversorger ist nicht gleich Wasserversorger. In manchen Dörfern ist die Gemeinde selber zuständig. Andernorts übernehmen Zweckverbände oder öffentlich rechtliche Unternehmungen diese Aufgaben, in einem solchen Fall kann ein Versorger gleich mehrere Dörfer beliefern. So versorgt die EWD (Elektrizitäts- und Wasserversorgung Derendingen), in deren Reservoir Überschreitungen gemessen wurden, gleich zwölf Gemeinden im Wasseramt.

Wie gross das Ausmass des Problems nun genau ist, kommuniziert der Kanton nicht. Das sei die Pflicht der Wasserversorger, wird argumentiert. Denn rechtlich werden diese wie Lebensmittelbetriebe behandelt. Zum Beispiel wie eine Burgerbude. Dort sind auch die Betreiber dafür verantwortlich, dass sämtliche gesetzlichen Auflagen eingehalten werden. Der Kanton hat einzig eine Aufsichtsfunktion, er kontrolliert und kann Verstösse zur Anzeige bringen. Ausserdem, argumentiert man bei der Lebensmittelkontrolle weiter, sei die Liste der Versorger, bei denen Höchstwertüberschreitungen festgestellt wurden, noch nicht komplett. Man wolle keine Namen nennen, solange man noch keine vollständige Übersicht habe.

Das kann es doch nicht sein, finden verschiedene Wasserversorger, darunter Gerlafingen. Deshalb haben sich einige zusammengeschlossen und planen nun eine gemeinsame Medienkonferenz, so Bauverwalter Ewald Kaiser. Man werde den Kanton über diese Absicht informieren und ihn einladen, ebenfalls an dieser Konferenz zu informieren. Dort wolle man hinstehen und sagen, was Sache sei. Gleichzeitig will man ein sofortiges Verbot von Chlorothalonil fordern. Denn, so Kaiser: «Auf uns wird Druck gemacht und gefordert, dass wir die Probleme umgehend und nachhaltig lösen, ohne gleichzeitig die Ursache zu unterbinden. Das verstehen wir nicht.»

Auch die Lösungssuche ist Sache der Versorger

Die Wasserversorger müssen die Probleme nicht nur selber kommunizieren, sie müssen sie auch selber lösen. So verlangt es das Gesetz. Unterstützung gibt es vom kantonalen Amt für Umwelt. Trotzdem:«Das ist nicht fair», so Kaiser. «Man kann doch nicht alles auf uns abschieben. Wenn nur eine Gemeinde betroffen wäre, wäre es etwas anderes. Aber alle haben dasselbe Problem.» Ihn stören vor allem die Fristen, die vom Kanton gesetzt wurden: In zwei Jahren müssten die Probleme gelöst sein.

«Völlig illusorisch», findet Kaiser. Denn die Stoffe einfach so aus dem Wasser herauszufiltern, ist momentan kaum möglich. Um die Grenzwerte einzuhalten, muss «sauberes» Wasser von einem anderen Ort bezogen und mit den eigenen Vorräten gemischt werden, bis die Grenzwerte eingehalten werden. Nur: Dafür müsste Gerlafingen täglich fast die Hälfte seines Gesamtbedarfs – dieser liegt bei rund 1'250'000 Litern – einkaufen. Das wird nicht nur teuer, sondern auch aufwendig: «Wir müssen zuerst die technische Machbarkeit überprüfen und unter Umständen mit grossen Investitionen rechnen. Das wird dauern.»

Für die Schwierigkeiten hat man beim Kanton zwar Verständnis. Kantonschemiker Martin Kohler sagt aber auch: «Die Konsumenten haben das Recht auf einwandfreies Trinkwasser.» Und weiter: «Wir verstehen, dass die Wasserversorgungen mit einem schwierigen Problem konfrontiert sind, dessen Lösung zeit- und kostenintensiv ist.» Doch die Lebensmittelkontrolle sei nur Aufsichtsbehörde und habe keine Ressourcen, um stärker zu helfen.

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