Tote Rinder in Boningen
Jetzt laufen auch gegen den Veterinärdienst interne Abklärungen

Der Boninger Landwirt, auf dessen Hof über ein Dutzend Kühe verendeten, darf keine Nutztiere mehr halten. So der Entscheid des Solothurner Veterinärdienstes. Dieses steht hingegen selbst im Verdacht, Fehler gemacht zu haben.

Deborah Onnis
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So sahen die Kühe auf dem Boninger Bauernhof aus.
12 Bilder
... alles andere als gesund.
Teilweise fehlt das Fell.
Der betroffene Bauernhof in Boningen
Die Beine sind verdreckt.

So sahen die Kühe auf dem Boninger Bauernhof aus.

zvg

Der Bauer von Boningen, der die 15 toten Rinder zu verantworten hat, darf sämtliche Nutztiere, genauer gesagt Klauen- und Huftiere sowie Geflügel, nicht mehr halten. Zu diesem Fazit kommt der kantonale Veterinärdienst und verfügt im Sinne einer verwaltungsrechtlichen Massnahme gegen den Bauern ein Tierhalteverbot auf unbestimmte Zeit, teilte die Behörde per Communiqué mit.

Wurden Hinweise übersehen?

Das Tierverbot findet Bauernsekretär Peter Brügger eine angemessene Strafe. «Beim Tierhalter sind massive Fehler passiert.» Klar habe der Bauer vermutlich persönliche Probleme gehabt, das entschuldige aber das Ausmass der Situation nicht. «Wenn man mit Tieren arbeitet, kann immer etwas passieren. Man muss aber richtig reagieren, sich Hilfe holen können. Das macht einen guten Tierhalter aus.»

Solch schlimme Fälle wie in Boningen seien aber Einzelfälle, sagt Brügger. «Es gibt überall schwarze Schafe.»

War die Tragödie vorhersehbar?

Bereits im 2014 fallen die Tiere des Bauern von Boningen Nachbarn auf. Diese melden Vernachlässigungszeichen, die in regelmässigem Abstand auftreten, mit Fotobeweisen dem Tierschutz und dem Veterinärdienst. Dieser geht vor Ort und reicht Strafanzeige ein. Der Bauer wird gebüsst, kann seine Tiere aber behalten. Im Juni 2015 fallen den Nachbarn bei den Tieren wieder Vernachlässigungszeichen auf. Für die Behörden nichts Aussergewöhnliches, wieder gibts eine Strafanzeige. Ende Mai 2016 werden auf dem Hof 15 tote Rinder gefunden. Ein weiteres muss später eingeschläfert werden. Zu wenig oder schlechtes Futter steht als Ursache im Vordergrund. Der Veterinärdienst untersucht den Fall und erstattet Anzeige gegen den Bauern. Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Tierquälerei gegen den Bauern. (do)

Welche Rolle spielte aber der Veterinärdienst in dieser Tiertragödie? Im Februar soll die letzte Kontrolle auf dem Hof durchgeführt worden sein. Zu diesem Zeitpunkt, so sagt die Kantonstierärztin Doris Bürgi Tschan, habe man an den Tieren keine Anzeichen von irgendwelchen Krankheiten oder von Vernachlässigung erkannt. Nur einige Monate später ist der Zustand der Tiere aber so schlimm, dass sie verenden.

Kann das so schnell gehen oder wurden Hinweise übersehen? Doris Bürgi Tschan will diesbezüglich keine Erklärungen abgeben. «Details sind Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Untersuchung» Der Veterinärdienst habe seinerseits alle Daten seiner Untersuchungen der Staatsanwaltschaft übergeben, die in einem Strafverfahren aktuell nur gegen den Bauern ermittelt.

Gegen den Veterinärdienst laufen derzeit hingegen intern Abklärungen. Dies bestätigt Peter Studer, Sekretär des Volkswirtschaftsdepartements Kanton Solothurn, auf Anfrage. «Wir untersuchen, ob der Veterinärdienst im Fall Boningen richtig gehandelt hat und ob beziehungsweise wie gegebenenfalls das Kontrollsystem verbessert werden kann.»

Schneller Gewichtsverlust möglich

Laut Adrian Steiner, Leiter der Nutztierklinik der Uni Bern, ist es durchaus möglich, dass Rinder bei deutlicher Fehl- und Unterernährung innerhalb nur weniger Monate so stark abmagern, dass sie schlussendlich daran sterben. Besonders wenn sie grosse Mengen an Milch geben. «Das kann dann relativ schnell gehen.»

Bekomme eine 700–Kilo-Milchkuh zum Beispiel zu wenig Nahrung, werde sie zwar weiterhin Milch geben können, gleichzeitig aber immer stärker ihre Energiereserven aufbrauchen und innert eines bis zweier Monate bis 100 Kilo Körpergewicht verlieren.

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