Jesuitenkirche
Erster Auftritt des neuen Chorleiters der Solothurner Singknaben endet mit stehenden Ovationen

Der neue Singknaben-Chorleiter Tobias Stückelberger setzte beim ersten Konzert in der Jesuitenkirche gleich eigene Akzente. Vom Publikum wurde das mit tosendem Applaus goutiert.

Gundi Klemm
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Das Konzert der Singknaben in der Jesuitenkirche.

Das Konzert der Singknaben in der Jesuitenkirche.

Carole Lauener

Bei seinem ersten öffentlichen Konzertauftritt leitete der neue Singknaben-Chorleiter Tobias Stückelberger das für den Solothurner Advent musikalischen Herzstück «Weihnachtsoratorium» von Johann Sebastian Bach. Was mag er anders machen als sein Vorgänger Andreas Reize?

Rein formal hatte er die Reihenfolge der Kantaten geändert. Nach I, dem prachtvoll-mitreissenden Anfangschor «Jauchzet, frohlocket» fügte er mit «Ehre sei Dir, Gott, gesungen» Teil V und danach erst Teil III an. Mit Pauken, Oboen und Trompeten des wie gewohnt universell mit historischen Instrumenten beteiligten Cantus firmus consort erfüllte mitreissende Festfreude die (dank Zertifikat) dicht besetzte Jesuitenkirche.

Es war der Chor, den Stückelberger mit geradezu tänzerischer Leichtigkeit, akzentuiert in fein abgewogener Tonstärke und deutlicher Aussprache wunderbare Klangwirkungen erzielen liess, die das Geschehen um die Christgeburt in Bethlehem so menschlich anteilnehmend interpretierten. Diese feinsinnig rhythmisch inspirierte Aufführung entsprach auch der Erinnerung an die coronabedingt letzte Aufführung vor zwei Jahren.

Beeindruckender Werdegang

Ergänzt wurde die diesjährige lyrisch-dramatische Erzählung durch die Solisten Jan Börner (Alt), den «Evangelisten» Hans Jörg Mammel (Tenor), Tobias Wicky (Bass), Sopranistin Mirjam Wernli und zwei bezaubernde Knabenstimmen aus dem Chor.

Mit der vorgezogenen Kantate V schuf Stückelberger eine thematische Verbindung, in der die Weisen aus dem Morgenland ihre Suche nach dem Heiland in liebevoll-beseelter Tonschöpfung und Poesie ausdrücken, die Dichter Picander nach dem neuen Testament geschaffen hat.

Mit berührenden Instrumentalsoli von Violine und Oboe kommt hier Bachs gestaltende Ideenfülle besonders zum Ausdruck. Teil III führt uns zu den Hirten aufs Feld, die das Kind in der Krippe anbeten. Text und Musik leiten über zu einem persönlichen Bekenntnis, das von glanzvollen Chorälen begleitet wird. Bach hatte diese für Zuhörende eingängigen Chorstücke mit veränderten Texten zum Teil aus eigenen anderen Werken entnommen, um sie besser für die Nachwelt zu erhalten.

Das erste Konzert mit Tobias Stückelberger endete mit jubelndem Beifall und stehenden Ovationen, womit er herzlich in Solothurn willkommen geheissen wurde. Er zeichnet sich durch einen beeindruckenden internationalen Ausbildungs- und Werdegang aus.

Impressionen des Konzerts.
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Impressionen des Konzerts.

Carole Lauener

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