Egerkinger Wald

Ist B507 verliebt? Zwei (Jung-)Luchse ziehen durch den Wald

Zwei junge Luchse am Sonntagnachmittag im Egerkinger Wald. Ist einer davon B507?

Zwei junge Luchse am Sonntagnachmittag im Egerkinger Wald. Ist einer davon B507?

Kürzlich wurde im Egerkinger Wald ein Luchs beim Fressen fotografiert. Jetzt ist klar: Es handelt sich um dasselbe Tier, welches schon an der Kantonsgrenze zum Aargau in die Fotofalle tappte. Im selben Wald wurden zwei Luchse gemeinsam abgelichtet. Ist einer davon B507?

Zwei Luchse ziehen am Sonntagnachmittag gemächlich durch den Wald oberhalb von Egerkingen – abgelichtet von einer Fotofalle. Ist da etwa der Luchs dabei, der erst kürzlich beim Fressen in eine ebensolche Falle tappte und nun von der schweizerischen Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (Kora) als B507 identifiziert wurde? Ist B507 etwa verliebt?

«Das sind wohl zwei Jungtiere», winkt Jäger Dieter Runkel ab. Er stellte die Kamera damals beim Rehriss auf und machte die eindrücklichen Fotos des männlichen Luchses oder «Kuders». Die schweizerische Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (Kora) hat ihn mittlerweile aufgrund der individuellen Tüpfelung als B507 identifiziert. Dasselbe Tier wurde Anfang Februar 2017 im Jagdrevier Lostorf-Wartenfels fotografiert.

Bekannt ist B507 seit dem 12. September 2015, heisst es bei der Kora. Keine Informationen bestehen zur Mutter und dem Jahrgang des Kuders – «obwohl er sicher in diesem Jahr die Geschlechtsreife erreichen dürfte», wie Fridolin Zimmermann von der Koordinationsstelle sagt. Nachweislich aufgehalten hat sich der Luchs in den Kantonen Baselland, Aargau, Bern und Solothurn. Während des Fotofallen-Monitorings der Kora im Winter 2015 und Frühjahr 2016 hat B507 grössere Distanzen zurückgelegt. «Er war damals auf der Suche nach einem Revier», erklärt Zimmermann.

Das Fotofallen-Monitoring zeigt, in welchem Gebiet sich die Luchse aufgehalten haben. B507 (hellgrün) hat sich als Einziger in keinem Revier aufgehalten.

Das Fotofallen-Monitoring zeigt, in welchem Gebiet sich die Luchse aufgehalten haben. B507 (hellgrün) hat sich als Einziger in keinem Revier aufgehalten.

Dieses hat er nun offenbar in der Region gefunden. Er bewegt sich auf der ersten Jurakette von Egerkingen bis an die Aargauer Kantonsgrenze und gegen Norden bis nach Holderbank und ins Baselbiet. In diesem Areal duldet B507 keine anderen männlichen Luchse.

Also zurück zu den beiden Luchsen, die in trauter Zweisamkeit durch den Egerkinger Wald ziehen. Sind es wirklich zwei Jungtiere? Grundsätzlich wären zu dieser Jahreszeit zwei junge Luchse unterwegs keine Seltenheit, meint Mark Struch vom kantonalen Amt für Jagd, Wald und Fischerei. «Die Mutter entwöhnt sie, weil sie auf der Ranz ist.» Spätestens wenn der nächste Wurf im Mai bis Juni da ist, würden die Jährigen dann von ihrer Mutter vertrieben und müssten auf eigenen Beinen stehen. 

Auf dem vorliegenden Foto sind die Wildkatzen offenbar schwer zu beurteilen – sie stehen frontal zur Kamera und sind ziemlich weit entfernt. «Zu dieser Jahreszeit wird es langsam schwierig zu sagen, ob es sich um ein Weibchen mit einem Jungtier oder um zwei erwachsene Luchse handelt», so Luchs-Experte Fridolin Zimmermann. Seiner Meinung nach könnte es sich wegen der Ranzzeit auch um ein Männchen und ein Weibchen handeln. Weil die Luchse nicht identifiziert werden können, kann auch nicht gesagt werden, ob B507 dabei ist. 

Laut der Experten kann es sein, dass die Wildkatze noch in der Gegend ist. Der «Kuder» kann aber genauso gut in eine andere Ecke seines Reviers aufgebrochen sein, um dort zu jagen. Hat er nämlich in einem Gebiet Beute gemacht, sind die Rehe, Gämsen oder andere Beutetiere alarmiert und besonders wachsam. 

Das Rätsel um die beiden Wildkatzen bleibt also ungelöst.

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