Einblicke
In Feststimmung, wenn auch anders: Wie Solothurner Familien in diesem Jahr Weihnachten feiern

An kaum einem anderen Fest lassen wir unsere Traditionen so hochleben wie an Weihnachten. Die Coronapandemie zwingt uns nun aber auch hier, Gewohntes loszulassen und zu verzichten.

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Soziale Kontakte hauptsächlich noch draussen im Garten: die Familie Zbinden.
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Schon immer das eigene Fondue-Pfännli dabei: die Zweiackers.
Dario Colucci, Freundin Joan Apicella, Schwester Ilenia und die Eltern Adriana und Salvatore (v.r.).

Soziale Kontakte hauptsächlich noch draussen im Garten: die Familie Zbinden.

Hanspeter Bärtschi

Wie feiern die Solothurnerinnen und Solothurner in diesem Jahr? Wir schauen am heutigen Heiligabend in drei Wohnstuben.

Zbindens: «Wir haben glücklicherweise einen sehr langen Tisch»

Es wird ein ganz besonderes Weihnachtsfest für Fabienne und Tom Zbinden. Nicht nur wegen Corona, sondern auch, weil das junge Paar aus Biberist sein erstes Kind erwartet. Fabienne Zbinden ist im vierten Monat schwanger. So gross wie die Vorfreude auf das Baby, so gross war auch die Unsicherheit in den vergangenen drei Monaten.

«Wir waren schon immer eher vorsichtig im Umgang mit Covid-19. Seit der Schwangerschaft haben wir unsere sozialen Kontakte aber noch stärker heruntergefahren. Die meisten Leute treffen wir draussen bei Spaziergängen oder bei uns im Garten am Feuer», so die Zbindens.

Ihre traditionellen Weihnachtsfeste haben die Ergotherapeutin und der Elektro-Projektleiter teilweise ganz über Bord geworfen oder umorganisiert. Gefeiert wird nur mit der engsten Familie – und auch da nicht mit allen: Fabienne Zbindens Bruder verzichtet auf das Fest, aus Rücksicht auf die Familie. Mit dabei ist aber der 92-jährige Grossvater, der den Weihnachtsabend am 25. Dezember nicht alleine im Altersheim verbringen soll.

Begleitet von Fabienne Zbindens Eltern wird er zu einem «feinen Stück Fleisch» und Kartoffelgratin in ihrem Haus in Biberist erwartet. «Wir haben glücklicherweise einen sehr langen Tisch und holen noch einen zweiten dazu, damit wir den nötigen Abstand gewähren können», erklärt Tom Zbinden. Ausserdem haben die beiden mit den Eltern abgemacht, dass sie eine Woche vor dem Fest niemanden mehr treffen, um das Risiko einer Ansteckung so gering wie möglich zu halten.

Es ist denn auch das einzige Weihnachtsfest, das die Biberister in der wohligen Wärme ihres Hauses abhalten. Am 26. Dezember sind Mütze, Schal und lange Unterhosen angesagt. Das Paar serviert im Garten Suppe mit Würsten und Schlangenbrot auf dem Feuer.

Tom Zbindens Eltern haben sich zum Mittagessen angemeldet. Später schaut dann noch Toms Bruder mit seiner Familie im Garten vorbei – zu Punsch und Lebkuchen. «Ich werde an den Büschen und Bäumen ein paar Weihnachtskugeln aufhängen, damit auch draussen etwas Weihnachtsstimmung aufkommt», sagt Fabienne Zbinden.

An Heiligabend bleiben die beiden zu Hause, statt wie üblich mit über 20 Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen und deren Kindern zu feiern. «Wir werden ein Fondue Chinoise machen und nur für uns zwei die Kerzen auf dem Tannenbaum anzünden», sagt Fabienne Zbinden und ihr Mann erklärt mit einem Schmunzeln: «Vielleicht läuft ja Aschenputtel im Fernsehen.»

Dario Colucci: «Normalerweise sind wir 30 Leute – jetzt feiern wir nur zu fünft»

Wäre es ein normales Jahr, dann würde Dario Colucci aus Olten mit dreissig Verwandten Weihnachten feiern. Und zwar so, wie viele sich eine traditionelle italienische Weihnachtsfeier vorstellen. Mit Grosseltern, die Karten spielen, mit Tanten, Onkeln und deren Kindern, die Weihnachtslieder singen und mit einem gemeinsamen Lottospiel. Vor allem aber: mit ganz viel Essen.

«Meine Mutter und meine Tanten kochen jeweils für drei Tage – wir feiern normalerweise vom 24. bis zum 26. Dezember jeden Abend zusammen», sagt der 19-jährige Italiener. Aufschnitt, Käse, Oliven, Pasta, Fisch, Fleisch, Salate und Desserts. Dario Colucci kann gar nicht alles aufzählen, was die Frauen der Familie jedes Jahr auf den Tisch zaubern.

In diesem Jahr ist aber alles anders. Anstatt mit 30 Verwandten feiert Dario Colucci mit seiner Freundin, seiner Schwester und seinen Eltern. Und das nur an einem Tag – am 25. Dezember. «Es ist schade, dass die dreitägige grosse Familienfeier nicht stattfinden kann, aber im kleinen Rahmen wird das sicher auch schön», sagt Dario Colucci.

Auch im kleinen Rahmen wird das Essen grossgeschrieben. Das obligate Fischgericht sowie die selber gemachte Pasta und der Panettone zum Dessert dürfen nicht fehlen. «Meine Mutter wird sicher schon einen Tag vor unserer Feier in der Küche stehen und mein Vater wird ihr helfen», sagt Dario Colucci. Er selber arbeitet vom 24. bis zum 27. Dezember durch. Der 19-Jährige ist Fachmann Gesundheit bei der Spitex Region Olten.

Aus Rücksicht gegenüber seinen Patientinnen und Patienten, welche teilweise zur Risikogruppe gehören, hat er seine sozialen Kontakte seit der Coronapandemie stark eingeschränkt. Früher war Dario Colucci jeden Abend unterwegs. «Mir fehlt es, in den Ausgang zu gehen, aber dafür habe ich jetzt mehr Zeit für meinen Hund und für mein neues Hobby – den 3D-Drucker.»

Angst, sich bei der Arbeit mit dem Coronavirus anzustecken, hat der Fachmann Gesundheit nicht. Die Spitex habe ein gutes Schutzkonzept. Und er merke, dass seine Arbeit wichtiger ist denn je. «Viele meiner Patienten fühlen sich einsam, weil ihre Angehörigen sie viel weniger besuchen. Sie sind froh, wenn die Spitex vorbeikommt. Ich nehme mir deshalb immer fünf Minuten mehr Zeit, um mit ihnen zu sprechen», sagt der 19-Jährige.

Sein schönstes Weihnachtsgeschenk sei denn auch, die Dankbarkeit seiner Patienten zu spüren und die Gewissheit zu haben, einen sinnvollen Beruf auszuüben.

Zweiackers: «Wir hoffen auf Schnee, damit wir schlitteln und im Schnee herumtoben können»

Eine wichtige Weihnachtstradition fällt bei Familie Zweiacker aus Derendingen dieses Jahr ins Wasser. Normalerweise fährt Beatrix Zweiacker mit ihrem Mann und den zwei kleinen Kindern in der Altjahreswoche nach Frankreich. Gleich nach der Grenze zum Waadtländer Jura treffen sie jeweils Beatrix Zweiackers Eltern in einem französischen Café zum Zvieri.

Wegen der Coronabestimmungen in Frankreich ist das Café derzeit geschlossen. «Ich bestelle dort jedes Jahr das gleiche: Eine Art Macarons aus Pistazienteig mit Himbeermousse und frischen Himbeeren – himmlisch! Das wird mir in diesem Jahr extrem fehlen», sagt die 37-Jährige und lacht.

Das Lachen ist der gebürtigen Waadtländerin auch in der Coronazeit nicht vergangen, auch wenn sie sich im Alltag manchmal ärgert. Zum Beispiel, wenn sie beim Einkaufen mit genügend Abstand in der Schlange steht und sich gewisse Leute dann in die Lücke drängeln.

Am 25. Dezember feiert die Familie wie immer in Thun bei den Schwiegereltern von Beatrix Zweiacker. «Sie sind vor kurzem in eine neue Wohnung gezogen und haben viel Platz.» Gegessen wird traditionell Fondue Chinoise mit Pommes frites, Nüsslisalat und Früchten. Und wie jedes Jahr werden zwei Chinoise-Caquelons auf dem Tisch stehen.

«Wir tun das nicht wegen Corona – wir haben schon immer unser eigenes Chinoise-Pfännli mitgenommen. Sonst gibt es doch immer so ein Durcheinander mit den Gabeln», erklärt Beatrix Zweiacker schmunzelnd. Ein Durcheinander soll auch an Heiligabend unter dem Tannenbaum vermieden werden, wenn die Familie zu viert mit Hund Charlie zu Hause in Derendingen feiert. Es gilt: Geschenke dürfen erst ausgepackt werden, wenn die erste Kerze erloschen ist. «Das ist eine Tradition aus der Familie meines Mannes, die wir mit unseren Kindern weiterführen.» Auf dem Menuplan stehen Kalbsbraten, Senfkartoffeln und dampfgegartes Gemüse.

In den Weihnachtsferien unternehmen Zweiackers üblicherweise viele Ausflüge – gehen in den Zoo oder ins Museum. Weil auch das in diesem Jahr gestrichen ist, hat Beatrix Zweiacker für die Ferien nun vor allem einen Wunsch: «Wir hoffen auf Schnee, damit wir schlitteln und im Schnee rumtoben können.»

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