NiNa-Theater

In «Airbnb» wird ein Weg aus der Krise gesucht – schon vor der Premiere wird vor Publikum gespielt

Ueli Blum, Reto Baumgartner und Franziska Senn (v.l.) erarbeiten gemeinsam ihre Stücke.

Ueli Blum, Reto Baumgartner und Franziska Senn (v.l.) erarbeiten gemeinsam ihre Stücke.

Das NiNa-Theater arbeitet an seinem neuen Stück Airbnb – und lädt schon vor der Solothurner Premiere Publikum ein.

Müde von einer langen Fahrt freust du dich auf eine gemütliche Bleibe, über die Plattform Airbnb gebucht. Doch anstelle eines warmen Bettes findest du einen griesgrämigen Vermieter vor, der dich weder erwartet, noch aufgeräumt und geputzt hat und nun, durch dich aus seiner Wohnung verdrängt, widerwillig einen Ort für die Nacht sucht: Sein Sohn hat eine neue Flamme zu Besuch, und seine verflossene Liebe kanzelt ihn am Telefon ab. Das ist die Ausgangslage des Stücks Airbnb, dass das Theater «NiNa» aus Bätterkinden derzeit einstudiert.

Eine der Hauptrollen, Georg Zanetti, verkaterter ausgesteuerter Taxifahrer, würde sich buddhistisch nennen. Sein Luxus: der Blick seiner kleinen Wohnung über die Dächer der Altstadt und die Fütterung der streunenden Katzen. Um finanziell über die Runden zu kommen, vermietet er seine Wohnung an Fremde. Der Gast, die grundsätzlich lebenslustige, aber in einem Gemütstief steckende Miriam Buholzer, auf dem Weg ans esoterische Rainbow-Spirit-Festival, erhofft sich einen Weg aus ihrer Krise.

Mit der komödiantischen Spiellust von Franziska Senn und Reto Baumgartner weckt Regisseur Ueli Blum die Neugier des Publikums. Die körperbetonte Spielfreude und grosse Textsicherheit der beiden Darsteller beeindrucken. Sie jonglieren ihre witzigen Dialoge, ernten mit kleinen sprachlichen Kabinettstücken und grotesken Wendepunkten im Geschehen viele Lacher.

Das Stück erzählt in erster Linie von der Annäherung zweier sehr unterschiedlicher Menschen. Es gibt sich aber auch gesellschaftskritisch. Es beleuchtet das Leben in Armut, stellt die durch die sozialen Medien verwässerte Privatheit in Frage, es geht um Selbstoptimierung und Rollenverständnis.

Vor der Premiere: Spielen vor Testpublikum

Das NiNa Theater lädt nach vier Probewochen zu einem «Tryout» ins Hagerhus nach Bätterkinden. Das Kollektiv bietet dadurch interessierten Theaterveranstalterinnen die Möglichkeit, sich schon jetzt ein Bild vom neuen Stück zu machen. Ausserdem stellt sich Blum der Kritik der Gäste.

Ein Beispiel: Nach dieser Probe-Vorstellung diskutieren die Gäste, Blum stosse mit seinen Themen viele Gedanken an, die dann nicht wirklich tiefschichtig behandelt würden. Eine Konzentration auf weniger könne das Stück klarer, aber auch böser machen, so dass einem die Lacher wirklich im Hals stecken blieben.

Die Premiere ist im September in Solothurn geplant. Man darf gespannt sein.

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