Kanton Solothurn

Immer mehr Menschen wollen eine Schusswaffe – in über 99 Prozent sind es Männer

Immer noch primär Männersache: Bei den Anträgen auf Waffenerwerbsscheine steht die Zahl der Frauen im Verhältnis 1 zu 200.

Immer noch primär Männersache: Bei den Anträgen auf Waffenerwerbsscheine steht die Zahl der Frauen im Verhältnis 1 zu 200.

In den letzten sechs Jahren haben die Bewilligungen zum Kauf von Schusswaffen im Kanton Solothurn stark zugenommen. Das entspricht dem landesweiten Trend. Eine Suche nach den Hintergründen.

2012 wurden im Kanton 892 Waffenerwerbsscheine ausgestellt, 2017 waren es 1343 – ein Anstieg um die Hälfte. Sprunghaft zugenommen haben die Anträge zwischen 2014 und 2016. Seither scheint sich die Zahl der Bewilligungen auf diesem Niveau einzupendeln. Darauf würden auch die bisher bekannten Zahlen aus dem 2018 schliessen lassen, erklärt Polizeisprecherin Astrid Bucher auf Anfrage. Bis zu drei Waffen kann man mit einem Erwerbsschein kaufen.

Die Selbstdeklaration

Wer volljährig ist und im Strafregister eine weisse Weste vorweisen kann, bekommt die Bewilligung zum Kauf einer Schusswaffe meistens ohne Probleme. Nur rund fünf Prozent der Anträge auf einen Waffenerwerbsschein lehnt das Waffenbüro der Polizei Kanton Solothurn ab. Wofür der Antragssteller die Waffe verwenden will, basiert auf Selbstdeklaration. «In den allermeisten Fällen wird als Erwerbsgrund Sportschiessen und/oder Waffensammlung angegeben», sagt Astrid Bucher.

Anträge von Frauen seien ausgesprochen selten. Die Schätzung der Polizei geht von einem Verhältnis von einer Frau auf 200 Männer aus. Interessant in diesem Zusammenhang: Gut fünf Prozent der Schützenvereine im Kanton werden aktuell von Frauen präsidiert. Das sind um den Faktor zehn mehr als bei den Anträgen. Das Verhältnis zwischen Schweizern und Ausländern betrage rund 20 (Schweizer) zu eins (Ausländer – die meisten mit Niederlassungsbewilligung). Was die Altersverteilung angeht, so seien die meisten Antragssteller im erwerbstätigen Alter.

Dass nur wenige Gesuche abgelehnt werden, erklärt die Polizeisprecherin mit umfassender Vorinformation. Interessierte Personen würden vorgängig über die gesetzlichen Bestimmungen aufgeklärt – wovon man sich mit wenigen Klicks im Internet überzeugen kann. So vermeidet die Polizei administrativen Aufwand für die Prüfung von Gesuchen ohne Erfolgschancen. Kommt dennoch ein solcher Fall vor, «wird dem Gesuchsteller die Rechtslage persönlich erklärt», so Astrid Bucher.

Zufrieden mit der gängigen Praxis für den Waffenerwerb sowie mit dem geltenden Recht sind die Schützenvereine. «Ich habe nie gehört, dass ein aktiver Schütze Probleme hatte», sagt der Präsident des Solothurner Schiesssportverbands (SOSV), Heinz Hammer. Der Dachverband vertritt die Interessen der knapp 200 Schützenvereine im Kanton. Auch Sammlern würden keine Steine in den Weg gelegt, wobei die meisten von ihnen aktive Schützen seien.

Nur zwei- oder dreimal hätten sich Leute bei ihm beklagt, weil sie keinen Waffenerwerbsschein erhalten haben. «Einmal war das jemand mit einem pendenten Verfahren im Bereich ‹Strassenverkehr›. Einmal war es ein Mann, der zuvor Drohungen gegen ein Sozialamt ausgestossen hatte. Dass solch eine Person keinen Waffenerwerbsschein bekommt, ist absolut richtig», so Heinz Hammer. «Das sind zum Glück Einzelfälle.»

Offene Fragen

Die Zunahme der ausgestellten Waffenerwerbsscheine wird immer wieder mit einem gesteigerten Verteidigungswunsch in Verbindung gebracht – obwohl die Kategorie «Selbstschutz» zumindest im Kanton Solothurn als Erwerbsgrund der Waffe kaum je angekreuzt wird.

Gemessen an der Tatsache, dass die Schützenvereine ebenso wie viele andere Vereine mit Überalterung und Nachwuchssorgen kämpfen – und neue Schützen nicht etwa bei ihnen Schlange stehen –, stellt sich die Frage, wie ehrlich die Antragsteller bei der Angabe ihrer Motive sind. Lassen sie den Selbstschutz bei ihrer Antwort aussen vor, weil sie vermuten, dass sie damit ins Zwielicht geraten? Oder stammen die Anträge von lauter Habitués, die ihre Kollektion vergrössern? Beide Fragen lassen sich nicht anhand des Antrags auf den Waffenerwerbsschein beantworten.

«Falsche Sicherheit»

Die Tendenz, Waffen in der Zivilgesellschaft mit Selbstverteidigung in Verbindung zu bringen, sieht SOSV-Präsident Heinz Hammer kritisch: «Wer sich eine Waffe zum Selbstschutz kauft, wiegt sich in einer falschen Sicherheit. Im schlimmsten Fall leistet eine solche Person einer Gewalteskalation gar Vorschub. Ich betreibe das Schiessen als Sport, mit der ganzen Geselligkeit, mit dem Wunsch mich im Wettbewerb zu messen und dabei Fortschritte zu machen.» Aus diesem Grund versieht Heinz Hammer die Veranstaltung von Sicherheits- oder Selbstschutz-Schiesskursen, von denen er aus anderen Kantonen gehört hat, mit Fragezeichen.

Was dem SOSV-Präsident am Herzen liegt, ist der Nachwuchs. «Wir haben derzeit sehr schöne sportliche Erfolge bei den Junioren auf nationaler Ebene.» Für dieses Niveau benötige ein Jugendlicher drei bis vier Trainings pro Woche, wobei zum Schiessen auch Theorie, Technik und mentales Training kämen. Ebenso wichtig sei das Schiessen zum Plausch. Beim Gewehr biete besonders das 10-m-Schiessen (ab 8 Jahre) und das 50-m-Schiessen (ab 10 Jahre – wie auch bei 300 m) guten Zugang zum Schiesssport.

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