«So nicht!», hiess es bei der Solothurner Spitäler AG. Man liess im Kantonsspital Olten Bilder des Künstlers Jörg Binz abhängen, auf denen Frauenkörper zu sehen waren. Sie könnten, so der Spital-Verwaltungsrat, bei verletzten Patienten oder bei Personen aus anderen Kulturkreisen Unbehagen auslösen.

Tatsächlich aber sind wir ständig mit nackten Tatsachen konfrontiert – im öffentlichen Raum. Ob in Olten, Solothurn oder in Grenchen: Der nackte Wahnsinn lauert überall, beschlossen von Behörden, unausweichlich für alle. Da stehen vor Schulhäusern nackte Männer, um die die Kinder nicht herumkommen. Nackte kreuzen muss auch, wer in Solothurn oder Olten über die Brücke zum Bahnhof will. Hasen kopulieren in Solothurn fröhlich neben einem Theatereingang. Und in Grenchen entledigte man sogar einen Bundesrat auf alle Ewigkeit seiner Kleider, als man ihn für die Nachwelt in Stein meisselte. Auch Solothurn zeigt beim Soldatendenkmal den Helden verletzlich, wie Gott ihn schuf.

Und niemand stört sich an der Nacktheit? Weil der katholische Kanton doch nicht prüde ist? Weil Nacktheit natürlich ist? Weil Kunst schon in der Antike nackte Götter zeigte? Oder weil wir uns so an die Figuren gewöhnt haben, dass wir sie gar nicht mehr sehen? Weil sie uns gefallen? (lfh)