Weissenstein-Schwinget

«Im Kampf sind wir Gegner und sonst sind wir Freunde»

Am Weissenstein-Schwinget feiert man den Sport, die Tradition und das gesellige Zusammensein. Eingebettet zwischen Kurhaus und Wanderwegen geht das grosse Berfest dieses Jahr schon in die 68. Runde. Und es ist noch immer beliebt – die Sitzplätze sind restlos ausverkauft.

Schon vom Parkplatz aus riecht man den Bratwurstgeruch und hört die Älplermusik. Die Idylle auf dem Weissenstein scheint diesen Samstag noch perfekter als sonst: Der jährliche Weissenstein-Schwinget findet statt. Eingebettet zwischen Kurhaus und Wanderwegen geht das grosse Schwingfest dieses Jahr schon in die 68. Runde. Das Fest ist noch immer beliebt; die Sitzplätze sind restlos ausverkauft. Bei strahlendem Sonnenschein und der wunderschönen Landschaft könnten sich Schwing-Fans wohl auch keinen schöneren Ort wünschen. Der leichte Wind macht die Sommerhitze erträglich und passt perfekt zum typischen Schwingfest-Dresscode: Im Edelweisshemd mit Strohhut ist man ideal gekleidet. Sogar die kleinen Kinder, die munter zwischen den Festbänken und der Tribüne herumwuseln, stecken in Edelweisshemden.

Nicht nur ein Brauch, sondern Kultur

«1992 waren wir das erste Mal zusammen am Eidgenössischen Schwingfest in Olten. Seither gehen wir jedes Jahr zusammen hin», berichtet eine Gruppe munterer Herren. Ihre Gesichter sind etwas gerötet, ob von der Sonne oder dem Bier weiss man nicht – muss man auch nicht, denn heute dürften die Eidgenossen sich gehen lassen, meinen sie. Aber nicht nur «Eidgenossen», wie viele der Gäste sich stolz nennen, sind begeistert vom Schwingsport: Auch ein Deutscher erzählt fasziniert: «Das Schwingen ist ein ehrlicher Sport, das ist das Schöne daran. Es zählt nicht nur die Kraft, sondern auch Ausdauer und Koordination. Und es gibt keine Chaoten, wie beispielsweise beim Fussball, sondern alle sind friedlich.» Aus der ganzen Deutschschweiz sind die Zuschauer angereist: Luzerner, Berner, viele Innerschweizer haben sich auf dem Weissenstein versammelt. Eine Gruppe Appenzeller Bauern, ihre Ohren zieren goldene Kuhohrstecker, zählen auf, was ihnen am Schwingen gefällt: «Das echt Schweizerische, die Bodenständigkeit, der Kampf von Mann gegen Mann.»

Weissenstein-Schwinget: Sind unsere Trümpfe bereit fürs Eidgenössische?

Weissenstein-Schwinget: Sind unsere Trümpfe bereit fürs Eidgenössische?

Am Mittag strömen die Scharen ins Festzelt, Jodelgesang und Ziehharmonikamusik verkürzen die Wartezeiten. Junge Mädchen laufen zwischen den Festbänken hindurch und rufen munter: «Zwischenranglisten zu verkaufen!». Schwingen würden sie selber nicht, erzählen sie, sondern nur ihre Brüder. Ob sie später einmal damit anfangen möchten? «Lieber nicht, das Sägemehl beisst auf der Haut», grinsen sie. «Aber auf dem Trampolin mit dem Bruder macht es schon Spass. Und an Schwingfeste gehen wir auch gerne.»

Was Schwingfeste so schön macht, zählt eine Berner Oberländerin auf: «Das ist eine Tradition, ein Brauch! Die Bodenständigkeit, das Friedliche, die schönen, kräftigen Männer, die Stimmung, das alles macht es aus. Das ist Kultur!» Die Gäste, die in der Nähe auf den Festbänken sitzen, nicken zustimmend. Und was den Sport an sich so schön macht, weiss ein junger Schwinger. Dreizehnjährig ist er und schwingt bereits in seiner vierten Saison: «Das Eins-gegen-Eins gefällt mir. Im Kampf sind wir Gegner und sonst sind wir Freunde.»

Meistgesehen

Artboard 1