Mit zwei Rollkoffern und einem Hotdog in der Hand trifft der neue Solothurner SVP-Nationalrat auf dem Gleis 8 in Olten ein. Zeit für eine Mittagspause blieb Christian Imark an diesem Tag nicht. «Ich wollte am Morgen ja noch arbeiten, am Schluss klingelte ständig das Telefon und ich habe fast nur Interviews gegeben», sagt er.

Sein Arbeitgeber, die Von Roll in Breitenbach, wird verkraften müssen, dass Imark nun öfters nach Bern reist. Denn in eineinhalb Stunden beginnt die neue Legislatur und die neuen Nationalräte werden vereidigt. Sein Pensum als Mitarbeiter im Aussendienst will Imark reduzieren. Er wird nun einige Kunden an einen Kollegen abgeben müssen. Aber: «Einen Nationalrat zu haben, ist für eine Firma ja auch eine Ehre.»

Er will sein Pensum reduzieren

Nervös oder angespannt wirkt der Schwarzbube an seinem ersten Tag als Bundesparlamentarier nicht. Als Politiker ist der 33-Jährige auf kantonaler Ebene ein alter Hase. Mit 16 trat er der SVP bei, bereits drei Jahre später wird er in den Kantonsrat gewählt – als jüngstes Mitglied in der Geschichte des Kantons Solothurn. Doch damit nicht genug der Rekorde: 2012 wird er auch zum jüngsten Präsidenten des Kantonsrats gewählt. Und nach 15 Jahren verlässt er nun als Fraktionspräsident der SVP die kantonale Politik. Am kommenden Mittwochabend entscheidet die Partei, wer sein Amt übernehmen wird.

Das Gleis 8 in Olten wird Imark künftig wohl häufiger betreten. Denn von hier aus geht es weiter nach Bern. Eineinhalb Stunden braucht er von seinem Wohnort aus. Für einen Weg.

In Fehren, dem 600-Seelen-Dorf im Schwarzbubenland, nimmt er den Bus nach Laufen, von dort gehts mit dem Zug nach Basel, dann in die Bundesstadt. Im Zug trifft er heute auf seine Parlamentskollegen aus dem Aargau. Es werden Hände geschüttelt, kollegiale Begrüssungen fallen. Fast wirkt es, als ginge man auf einen gemeinsamen Ausflug.

Anspannung? Fehlanzeige. Einige der Aargauer Kollegen kennt Imark bereits. Etwa die ebenfalls neu gewählten Nationalräte Andreas Glarner (SVP) und Thierry Burkart (FDP). Mit Burkart habe er in Baden am Oktoberfest Bekanntschaft geschlossen. «Ob wir uns dann auch noch auf politischen Parkett gut verstehen, wird sich zeigen», sagt Imark und lacht.

«Ich schwöre es»: Einführungstag für die neuen Nationalräte aus dem Aargau und dem Kanton Solothurn

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Die Fragen machen nervös

Auf der halbstündigen Zugfahrt nach Bern bleibt kaum Zeit für Fragen. Kurz nach der Begrüssung klingelt Imarks Handy. Diesmal geht es aber nicht um ein Interview, sondern um Parteiinternes. Während auf der linken Seite bereits die Lyssacher Shoppingmeile vorbeizieht, gibt es doch noch Gelegenheit für ein paar Fragen. Wie nervös er denn sei?

«Am Morgen war ich überhaupt nicht nervös. Aber wegen den ganzen Fragen werde ich es doch langsam», sagts und setzt ein verschmitztes Lächeln auf.

Und was möchte er im Nationalrat erreichen? Da müsse er zuerst abwarten, bis ihm die Kommission zugeteilt würde. Erst dann könne er sich inhaltlich fokussieren. Nur: «Als Neuer kann man ja kaum auswählen.» Zumindest drei Präferenzen hat er angegeben: die Wirtschaftskommission, die Verkehrskommission und die Umwelt-, Raumplanungs- und Energiekommission Urek. Wirtschaft, Verkehr und Energie sind denn auch Themen, die ihn bereits als Kantonsrat umtrieben.

Imark fühlt sich als Solothurner

Mit Christian Imark hat nach 24 Jahren erstmals wieder ein Schwarzbube den Sprung in die grosse Kammer geschafft. Ein Glücksfall für die Region? Wird er sich speziell fürs Schwarzbubenland starkmachen? «In erster Linie werde ich für den ganzen Kanton politisieren.» Fürs Schwarzbubenland seien ihm aber besonders Verkehrsthemen wichtig. Etwa die Aufnahme der kantonalen Autobahn A 18 ins Nationalstrassennetz. Oder auch die S-Bahnen nach Basel.

In der «Basler Zeitung» sagte er kurz nach den Wahlen im Oktober: Er wolle sich als Lobbyist fürs Schwarzbubenland einbringen. «Wir sind eine Randregion, hier hält man mehr zusammen.» Man sei vom Kanton topografisch abgeschottet, eher auf Basel ausgerichtet. Und dennoch. Er fühle sich als Solothurner, bekräftigt er auf der Zugfahrt nach Bern. Auch zur Kantonshauptstadt hat er eine gewisse Bindung. Er habe viele Kontakte in der Stadt Solothurn. Und: Er heiratete in der St.-Ursen-Kathedrale.

Ankunft im Bundeshaus

In Bern bricht die Sonne durch den Nebel. Christian Imark rollt seine beiden Koffer durch den Bahnhof. Da und dort stehen Kamerateams verschiedener Medienhäuser. Bei der Heiliggeistkirche kommt ein Mitarbeiter der Stiftung Terre des hommes auf ihn zu. Blonde Rastas, etwa gleiches Alter. «Was isch mit dir?», fragt er den Jungnationalrat in angriffigem Ton. Dieser bleibt aber gelassen, fragt zurück, was denn mit ihm sei, läuft weiter.

Imark hat es eilig. Bevor er ins Bundeshaus geht, will er im Hotel einchecken. Bis zum Freitag bleibt er in Bern. Es lohne sich nicht zu pendeln, sagt er. Und dann steht er endlich vor dem Bundeshaus. Die Sonne wirft ihre Strahlen über den Westflügel, von jeder Richtung her wird fotografiert. Hier trifft er nun auf seine Schwester und seine Frau, für die er zwei Plätze auf der Zuschauertribüne reserviert hat. «Es ist schon speziell, meinen Mann ins Bundeshaus zu begleiten», sagt sie. Das seien nochmals andere Dimensionen als im Kantonsrat.

Pünktlich um halb drei läutet im Nationalratssaal die Glocke. Nach und nach kehrt Ruhe ein. SVP-Nationalrat Luzi Stamm darf als Alterspräsident die 50. Legislatur eröffnen. Imark sitzt in der dritten Reihe. Neben ihm, am rechten Rand, hat Parteikollege Walter Wobmann Platz genommen. Fünf Sitze weiter links sitzt Roger Köppel. Nach einer Stunde kommt es zur Vereidigung. Die Nationalräte stehen, strecken drei Finger in die Luft. Imark scheint zu strahlen.