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Horror-Verlies als intensiver Opernthriller: Aufführungen in Solothurn starten Ende Februar

Katerina Hebelkova als Judith und Mischa Schelomianski als Blaubart in der Neuinszenierung von «Herzog Blaubarts Burg».

Katerina Hebelkova als Judith und Mischa Schelomianski als Blaubart in der Neuinszenierung von «Herzog Blaubarts Burg».

Welturaufführung der Neuorchestrierung von Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» durch das Theater Biel-Solothurn.

Das Theater Biel-Solothurn ist immer für eine Überraschung gut: Intendant Dieter Kaegi realisiert als Regisseur gemeinsam mit Bühnenbildner Francis O’Connor und Kaspar Zehnder, Chefdirigent des Sinfonieorchesters Biel-Solothurn, die Welturaufführung der von Eberhard Kloke neu orchestrierten Béla-Bartók-Oper «Herzog Blaubarts Burg» – präsentiert einen kammermusikalischen Opern-Thriller voller Intensität und Klasse. Düstere Theaterkost und keine Oper im herkömmlichen Stil: Es gibt weder Arien noch Ensembles, anstelle der Ouvertüre stimmt ein gesprochener Prolog (Sprecher Christian Manuel Oliveira) auf das Kommende ein.

Sieben Türen verstecken viel Blutiges

Auf ein Horror-Szenario, das auf einer Märchen-Legende beruht: Judith liebt Blaubart, folgt ihm auf sein Schloss, welches sie mit ihrer Liebe erhellen will. Doch hinter sieben Türen offenbart sich Schreckliches. Eine Folterkammer, eine Waffenkammer und eine Schatzkammer mit blutverschmierten Juwelen. Hinter der vierten Türe verbirgt sich ein herrlicher Garten, doch die Blumenpracht wurzelt in blutgetränkter Erde. Eine wunderschöne Landschaft zeigt sich hinter der fünften Türe und ein See aus lauter Tränen hinter der sechsten. Die siebte will der Schlossherr für immer verschlossen halten, doch Judith verlangt den Schlüssel. So entdeckt sie Blaubarts tote Frauen: Die Geliebte seines Morgens, seines Mittags, seines Abends. Blaubart legt ihr den Sternenmantel der Nacht um und Judith gesellt sich zu ihren Vorgängerinnen, während Blaubart alleine zurückbleibt. So alleine, wie er immer war.

Inszeniert in einem trostlosen Keller

Dieter Kaegi und Ausstatter Francis O’Connor erinnern mit einem trostlosen Keller an den österreichischen Kriminalfall Fritzl, an das Martyrium der gefangenen Tochter. Eine Drehbühne erlaubt den Blick auf die Fassade bürgerlicher Wohnkultur, und mit dem hinter einem Büchergestell versteckten Verlies auf die Abgründe des Bewohners. Die Inszenierung verzichtet auf Türen, die sieben Räume und die imaginären Seelenkammern entfalten sich auch so. Ein geniales Konzept, das die innere und äussere Beklemmung der Protagonisten deutlich macht.

Katerina Hebelkova kommt ihnen entgegen: eine Sängerin von Format, stimmlich und interpretatorisch fulminant. Diese Judith klingt in empfindsamen Momenten wie ein junges Mädchen und entwickelt sich zur leidenschaftlichen Widersacherin Blaubarts. Nahtlos wechselt sie von der Opferrolle in den Part der fordernden Geliebten, identifiziert sich total mit der Figur. Wogegen Mischa Schelomianski weniger durch das vokale Fundament überzeugt, als vielmehr mit der Art, wie er die Psyche des Monsters ergründet. Der Bassist legt Blaubart als ältlichen Biedermann mit gespaltener Persönlichkeit an, der beim Öffnen der Türen und seinen Geheimnissen zwischen Resignation und Wut pendelt.

Auch sprachlich sehr vielfältig

Bewundernswert, wie der aus Moskau stammende Mischa Schelomianski, die in Tschechien geborene Katerina Hebelkova und der in Frankfurt aufgewachsene Christian Manuel Oliveira ungarisch singen und sprechen. Unterstützt vom federnden Sinfonieorchester Biel-Solothurn und Kaspar Zehnder, der die Klangfarben der entschlackten Partitur zum Leuchten bringt und die Nähe zum Impressionismus akzentuiert, gelingt dem Tobs-Ensemble ein fesselnder Theaterabend von brennender Intensität.


Aufführungen in Solothurn: Donnerstag, 20. Februar (Premiere); Mittwoch, 26. Februar, Freitag, 13. März und Samstag, 14. März.

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