Persönlich

Höhlenmensch allüberall

Wer über die Nebelgrenze will, muss sich in ein enges Gondel-Bähnli quengeln. (Archivbild)

Wer über die Nebelgrenze will, muss sich in ein enges Gondel-Bähnli quengeln. (Archivbild)

Die Sonne will hart verdient sein. Welchem Mittelländer, welcher Mittelländerin wäre das in den vergangenen Tagen nicht schmerzhaft bewusst geworden. Wobei: Von Verdienen kann nicht die Rede sein. Jene, die sich über die Nebelgrenze erheben, haben schliesslich auch nichts dafür getan, dass sie dem Himmel etwas näher sind, oder?

Item, wer die Sonne sehen wollte, musste eben doch etwas dafür tun. Sich zum Beispiel in enge Gondelbahn-Kabinen zwängen und mehr oder weniger gescheite Konversationen anhören. Sie sind, vor allem wenn es eng wird, immer von einer gewissen Peinlichkeit, weil sich insbesondere das männliche Geschlecht gern eindeutig zweideutig vernehmen lässt, wenn die Dichte stresst.

Einen wunderbaren Kontrapunkt setzten am Sonntag bei der Fahrt auf einen mittleren «Hoger» zwei Dreikäsehoche, denen die Eltern angaben, der Blick aus dem Gondelfenster sei wie Fernsehschauen. Und so kam es, dass die beiden während exakt 12 Minuten kommentierten, was sich ihnen aus der Höhe präsentierte.

Sie verständigten sich darauf, dass die Welt unter ihnen eine von Höhlenmenschen gemachte sei. Und sahen wilde Behausungen, wilde Kämpfe, wilde Jagden. «Wo die wilden Kerle wohnen» in den Alpen, sozusagen. Die «Neandertaler» in der Gondel waren fasziniert und schwiegen, gottlob.

balz.bruder@chmedia.ch

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Balz Bruder

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