Endlich! Nach zehn Jahren Ideentüftelei, Versuchsphasen, Bauen, Investor- und Mitarbeitersuche konnte die Firma Swiss Shrimps die erste «Ernte» ihrer Schweizer Krustentiere der Öffentlichkeit zur Degustation reichen. Das geschah am Mittwochabend im Hotel Balsthal im Rahmen eines mehrgängigen Menüs. 90 Personen waren von Swiss Shrimp dazu eingeladen worden, die frischen Shrimps zu verkosten. Es waren samt und sonders Personen, welche die Firmeninhaber auf ihrem langen Weg unterstützt und begleitet hatten.

Das Hotel Balsthal wurde dabei zum «Austragungsort» auserkoren, weil das Besitzerpaar Walter Heutschi und Geraldine Philippe zu den Investoren der Swiss Shrimps zählen, erklärte der Geschäftsleiter der Firma, Raphael Waber. Er versammelte zunächst alle Gäste – unter ihnen auch Gemeindepräsident Pierino Menna – im Saal des Hotels zum Apéro. Derweil ging es in der Küche bereits hoch zu und her. Es wurde mit voller Konzentration gekocht – und gleichzeitig für die SRF-Sendung «Schweiz aktuell» gefilmt. Die Shrimps-Premiere flimmerte live in die Schweizer Wohnzimmer.

Aufziehen und töten

Basis des ursprünglich in Luterbach beheimateten Start-up ist die Zuchtanlage der Swiss Shrimps AG in Rheinfelden, «Sie verfügt insgesamt über 16 Becken», erläuterte Waber den Gästen und erklärte zusammen mit dem technischen Leiter Michael Siragusa, wie das Salzwasser für die Krustentiere aufbereitet wird. 46 Kilometer, von Rheinfelden nach Balsthal, hätten diese Tiere nun transportiert werden müssen – ein Bruchteil dessen, was die vielen Crevetten-Importe aus Vietnam oder Südamerika absolvieren. «Die nun zum Verzehr kommenden Tiere wurden am 12. Oktober 2018 eingesetzt und konnten so lange in einem idealen Klima wachsen.» Waber verschwieg dabei nicht, wie man die Tiere «erntet»: «Sie sind sehr kälteempfindlich und so tötet man sie im Eiswasserbad. Wir sind nicht romantisch und wollen alles transparent machen», erläuterte der Geschäftsleiter weiter. Dies geschehe im Einklang mit dem Tierschutz, betonte er, was die Aargauer Kantonstierärztin Barbara Thür im Fernseh-Interview bestätigte.

Dann nahte die grosse Stunde allmählich – was den zunehmend hungrigen Gästen durchaus recht war. Zunächst brachte die sechsköpfige Service-Crew im Eilzug den «Gruss aus der Küche» an die Tische: Shrimps-Tartar und Shrimps-Carpaccio auf dem Löffel – einfach köstlich. «Süppli in zwei Minuten», hallte es kurz danach von der Küche her. Sofort stellte sich das Personal wieder in einer Reihe auf, um die feine Kreation mit Einlage nach den Regeln der Kunst zu kredenzen.

«Ich liebe Krustentiere»

In der Folge gab es etwas Zeit zum Verschnaufen. Küchenchef Otto Steiner war für das Erste zufrieden. «Das Menü habe ich zusammengestellt. Es geht darum, den Shrimp in allen Kochtechniken zu präsentieren», erklärte er. Er liebe die Zubereitung von Krustentieren, das sei sogar seine Spezialität, meinte er und bekam ganz leuchtende Augen. Ob er denn den Unterschied dieser Shrimps zu den ausländischen erklären kann? «Wer diese Tiere in die Hand nimmt, spürt sofort, dass das etwas anderes ist». Weil sie so frisch sind, lassen sich sehr gut handhaben.»

Natürlich gebe es mehr Arbeit, da sie noch von ihrem Darm befreit werden müssen. Steiner: «Das erklärt natürlich auch den Preis. In der Gastronomie wird das Produkt wohl bis zu einem Drittel teurer angeboten als ein Import-Produkt». Dafür sei der Genuss um ein vielfaches höher und es kommt die Gewissheit hinzu, dass die Tiere artgerecht gehalten worden sind und keine langen Transportwege bis zum Verzehr hinter sich haben. «Das alles muss halt etwas wert sein», so der Küchenchef.

Die leeren Süppli-Schalen kommen zurück. «Ein Gast wollte wissen, wie die Suppe gemacht wurde», erzählt eine Kellnerin. «Das bleibt unser Geheimnis. Bei uns kann man sie bekommen», erwidert der Chef de Service darauf und lacht.

Swiss Shrimps am Märet

Der nächste Gang: Pochierte Shrimps mit Riso Venere (schwarzer Reis) und grünem Spargel. Wieder wird zügig serviert – die Gäste sind hell begeistert. «Die Shrimps sind sehr aromatisch und haben eine tolle Konsistenz», sagt ein Gast, der in die Küche schaut. Und schon folgt der letzte Shrimps-Gang: Gebratene Krustentiere, Reisnudeln mit Gemüsestreifen. Die stolze Bilanz: «Rund 10 Kilo Shrimps haben wir an diesem Abend verarbeitet», sagt Steiner. «Ab sofort sind die Tiere auf unserer Speisekarte zu finden.»

Und wer sich die Swiss Shrimps in der eigenen Pfanne brutzeln lassen will, der kann ab morgen Samstag am Solothurner Märet beim Siragusa-Stand einkaufen. Michael Siragusa ist selber vor Ort und gibt gerne Erklärungen und Tipps ab.