Überraschend war weniger der Rücktritt. Überraschend war die Begründung: Er trete wegen «zunehmender Ratsunverträglichkeit» zurück, hielt der Bellacher Grünen-Politiker Felix Glatz-Böni am Mittwochmorgen in seinem Demissionsschreiben fest - und hob gleich zur Grundsatzkritik am Parlament an. Er wolle sich vom Parlamentsbetrieb befreien und nicht mehr «Teil des Systems» sein, so der Bellacher, der oft mit kritischen Voten aufgefallen war.

Künftig will er nur noch im Gemeinderat den Dialog üben. Dort könne man noch «parteiübergreifende Beziehungen durch gemeinsames Ringen» pflegen. Im Kantonsrat dagegen habe er «ein echtes Suchgespräch oft vermisst», ebenso das «unvoreingenommene fragende Zuhören».

Er habe schon längere Zeit ein «eher zwiespältiges Verhältnis» zum Ratsbetrieb gehabt, setzte Glatz-Böni seine Grundsatzkritik fort. «Dann kam die Steuerreform.» Sie war für den Bellacher offenbar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. «Wie Steuersenkungsprofiteure gar als edle Wohltäter dargestellt werden, ist ein absolutes No Go», so Glatz-Böni.

Zuletzt dankte er seiner Fraktion und der Geschäftsprüfungskommission, in der die Zusammenarbeit gut gewesen sei. Glatz-Böni schloss sein Rücktrittsschreiben mit dem Aufruf, bei Entscheiden an die kommenden Generationen zu denken. Und der 60-Jährige zitierte die Präambel der Bundesverfassung: «Die Stärke des Volkes misst sich am Wohle der Schwachen».

Kantonsratspräsidentin Verena Meyer Burkhard, die das Demissionsschreiben verlesen hatte, dankte Glatz-Böni für seine Arbeit. Er habe im Rat mehrfach «den Funken kritischen Hinterfragens» anzünden können.

Nun gibt es ein Grünen-Ehepaar im Kantonsrat

Für Glatz-Böni rückt Heinz Flück nach. Der Stadtsolothurner ist nicht nur der erste Ersatz auf der Grünen-Liste. Er ist auch der Ehemann von Barbara Wyss Flück, Grünen-Kantonsrätin und Fraktionschefin. Damit sitzt erstmals seit 2005 wieder ein Ehepaar im Rat. Damals waren Monika Hug-Portmann und Stefan Hug (aktuell Biberister Gemeindepräsident) gemeinsam im Parlament. «Wir trauen uns zu, die damit verbundenen Rollen weiterhin auseinander halten zu können», sagt Heinz Flück.

Zu verwandtschaftlichen Banden im Kantonsrat kommt es immer wieder: So waren die Brüder Stefan und Jürg Liechti bis 2005 gemeinsam im Rat. Und: Kantonsrat Simon Gomm, im Frühling 2017 gewählt, sass einige Monate im Ratssaal, während sein Vater, Regierungsrat Peter Gomm, bis zum Rücktritt im Sommer 2017 vorne auf der Regierungsbank sass.