Ständeratswahlen

Gescheiterter Parteipräsident Nünlist: «Personalpolitik steht ganz zuoberst»

Ständeratskandidat Stefan Nünlist ist enttäuscht über das Wahlresultat

Ständeratskandidat Stefan Nünlist ist enttäuscht über das Wahlresultat

Päsident der FDP Kanton Solothurn Stefan Nünlist spricht über seine Niederlage in den Ständeratswahlen und über die möglichen Gründe dafür.

Er war gleichsam der selbsternannte Hoffnungsträger der Freisinnigen für die Ständeratswahlen. Doch Stefan Nünlist blieb weit unter den Erwartungen – am Ende sogar hinter seinem grünen Herausforderer. Ein Debakel.

Wie ist die persönliche Befindlichkeit nach diesem Wahltag, der für Sie enttäuschend war?

Stefan Nünlist: Ich bin selbstverständlich enttäuscht. Ich hätte mir ein besseres Resultat gewünscht. Konkret: Etwas näher bei SVP-Konkurrent Christian Imark und nicht auf dem letzten Platz, noch hinter dem grünen Mitbewerber Felix Wettstein.

Und was ist mit dem Abschneiden der Partei?

Wir haben verloren, was wir vor vier Jahren bei den Wahlen gewonnen hatten. Immerhin: Kurt Fluri ist als Nationalrat souverän wiedergewählt worden. Unter dem Strich bleibt aber ein leicht durchzogenes Resultat.

Um auf Ihr persönliches Resultat zurückzukommen: Es macht die Niederlage am Ende schon noch ein wenig bitterer, dass Sie schliesslich als Letzter über die Ziellinie liefen.

Ja, es macht die Sache noch etwas bitterer, als freisinniger Kandidat auf dem letzten Platz zu landen. Aber die Konkurrenz war auch stark mit den beiden bisherigen Ständeräten Pirmin Bischof und Roberto Zanetti, dem sehr gut wiedergewählten Nationalrat Christian Imark und dem im Kanton langjährig politisch tätigen Felix Wettstein. Das ist eine Realität.

Zu denken geben muss Ihnen darüber hinaus aber vor allem, dass Ihre eigene Partei, die FDP, nicht voll und ganz hinter ihrem Kandidaten stand.

Das stimmt. Ich bin nun seit zwei Jahren Parteipräsident der Freisinnigen. Vielleicht war die Zeit tatsächlich etwas zu knapp, um die ganz Partei für diese Ständeratskandidatur zu mobilisieren.

Heisst das umgekehrt, dass die Kandidatur zu früh kam?

Ja, das denke ich. Es wäre einfacher gewesen, in einem Jahr in einen Ständeratswahlkampf zu steigen. Es ist, wie es ist. Heute beginnen die Vorbereitungen für die Kantonsrats- und Regierungsratswahlen.

Bereuen Sie, dass Sie sich als Ständeratskandidat zur Verfügung gestellt haben?

Nein, in keiner Art und Weise. Der Ständeratswahlkampf war für den Freisinn die einzige Möglichkeit, sich thematisch zu positionieren. Ohne Ständeratskandidatur ist man im Wahlkampf nicht dort dabei, wo man dabei sein muss, um sich Gehör zu verschaffen. Deshalb war es richtig, zu kandidieren.

Es ist ja noch nicht vorbei: Werden Sie zum zweiten Wahlgang am 17. November antreten?

Das werden die Delegierten der FDP am Dienstag Abend entscheiden. Ich bin als Präsident Diener meiner Partei. Die Delegierteversammlung wird entscheiden, danach setzen wir um.

Es gibt taktische Überlegungen anzustellen bei den Bürgerlichen, wenn es um die Ständeratsvertretung geht. Stichwort «ungeteilte Standesstimme».

Wir Freisinnigen gehen gern mit offenem Visier nach vorn. Taktieren ist nicht so unsere Sache.

Was braucht es über den Tag hinaus, dass die FDP aus dem Jammertal und zu alter Stärke findet?

Es ist eine Frage der Mobilisierung und der guten Politik. Das Klimadossier war für die FDP insgesamt in den vergangenen Monaten sicher kein einfaches Thema. Ich erinnere aber daran, dass wir im Kanton die stärkste Fraktion stellen und auch auf Gemeindeebene sehr gut vertreten sind.

Schön und gut. Aber es gibt offensichtlich immer noch ein Vakuum an Köpfen in der Partei, die dem Souverän als wählbar erscheinen.

Das ist richtig. Wir haben ausserhalb von Nationalrat Kurt Fluri und Regierungsrat Remo Ankli wenig Köpfe, die im ganzen Kanton bekannt sind.

Böse Zungen behaupten, die Freisinnigen stünden sich manchmal auch selber etwas im Weg.

Es ist mein Ziel als Parteipräsident, dass wir über gewisse regionale und persönliche Befindlichkeiten hinwegkommen. Das Thema Personalpolitik steht bei mir ganz zuoberst.

Wird Stefan Nünlist in der Personalpolitik seiner Partei weiterhin eine Rolle spielen?

Da habe ich keine Ahnung im Moment. Ich bin in erster Linie Parteipräsident. Mein Ziel ist es, die Partei, das liberale Gedankengut in diesem Kanton zu verankern. Alles andere ist sekundär oder gar tertiär.

Aber der Präsident der FDP wird auf absehbare Zeit weiterhin Stefan Nünlist heissen.

An mir soll es nicht liegen. Aber am Ende entscheidet das die Partei.

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