Generalversammlung 
Gasverbund Mittelland sieht Gaskraftwerke als Chance

Die Branche sieht ihren Energieträger als Teil der Lösung für die Versorgungssicherheit.

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Erdgastanks bei der Regio Energie Zuchwil

Erdgastanks bei der Regio Energie Zuchwil

Oliver Menge

Im Rahmen der ausserordentlichen Lage fand die ordentliche Generalversammlung der Gasverbund Mittelland AG (GVM) «im kleinen Kreis» in Solothurn statt: Die Aktionäre gaben ihre Stimmrechte mit entsprechenden Stimmanweisungen an eine gemeinsame Vertreterin und genehmigten die Anträge.

Das Geschäftsjahr 2018/ 2019 wurde als zufriedenstellend bezeichnet. Netzbetrieb und Versorgung hätten anforderungsgerecht und zuverlässig funktioniert.

Erdgasabsatzvolumen sank um 2,4 Prozent

An der Generalversammlung wurde für das Geschäftsjahr 2018/2019 ein Mengenabsatz von 10203 GWh präsentiert. Verglichen mit den Vorjahresmengen sank der Erdgasverbrauch erneut um 2,4 Prozent. Trotz Steigerung der Durchleitung für Dritte um 6,7 Prozent auf 350 GWh, reduzierte sich das gesamte Absatzvolumen im GVM-Versorgungsgebiet um 2,1 Prozent auf 10553 GWh gegenüber letztem Jahr.
Im gesamtschweizerischen Energieverbrauch hält Erdgas mit rund 38,2 TWh rund 13,5 Prozent Marktanteil. Die GVM ihrerseits hält rund 28 Prozent des nationalen Marktes.

Die Absatzabflachung ist auf den mild ausgefallen Winter 18/19 mit einem frühen Frühlingseinbruch zurückzuführen. Den milden Witterungsverhältnissen weltweit folgten Überangebote und sinkende Preise für Industrie und Kunden.

Im Rahmen der Generalversammlung fand ein energiepolitischer Rundblick statt. Mit der Stilllegung des Atomkraftwerks Mühleberg (380 MW) sowie des in der Nähe von Karlsruhe befindlichen KKW Philippsburg (1468 MW) hätten sich Ende letzten Jahres die Kraftwerkskapazitäten weiter reduziert. Indem in nächster Zeit weitere Atomkraftwerke in Deutschland und Frankreich abgeschaltet, würden schon bald wichtige ausländische Lieferanten für Winterstrom wegfallen. In der Folge werde der Winterstrom für die Schweiz knapper. Komme dazu, dass beim Strom aus Süddeutschland der reale CO2-Gehalt auf Grund des veränderten Produktionsmix etwa doppelt so hoch ist, wie aus einem Gaskraftwerk in der Schweiz.

Vor diesem Hintergrund mache es Sinn, dass Gaskraftwerke in der Schweiz ernsthaft in Erwägung gezogen würden. Aus den gleichen Überlegungen sei auch die Wärme-Kraft-Kopplung (WKK) voranzutreiben. Solarstrom im Sommerhalbjahr und WKK im Winterhalbjahr dienten sowohl der CO2-Reduktion als auch der Strom-Versorgungssicherheit im Winter. Biogas und Power-to-Gas machen das ganze ökologisch noch besser.

Voraussetzung dazu sei aber, so betont die Brache, «dass die Gasnetze in der Schweiz nicht rückgebaut werden.» Gas sei Teil der Lösung «sowohl für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiestrategie 2050 als auch für die Sicherstellung der Versorgungssicherheit im Winter», wird betont. (mgt)

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