Die diesjährige Sommerhonigernte ist im Vergleich zur Frühlingsernte und zu den vorherigen Jahren eher schlecht ausgefallen. Nachfragebedingt könnte es daher nach der Weihnachtszeit zu einem Schweizer Honig-Engpass kommen.

Dieses Jahr konnten schweizweit lediglich 6,2 kg pro Volk Sommerhonig geerntet werden: 1,3 kg weniger als im bisweilen schlechtesten Jahr 2014 und gut 5 kg weniger als im Durchschnitt. Gerade aufgrund der unmittelbaren Wetterabhängigkeit ist die Honigernte starken Schwankungen ausgesetzt.

Wie der Verein Deutschschweizer und Rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB) mittels einer repräsentativen Internetumfrage feststellen konnte, scheint ab 2011 im zweijährigen Abstand jeweils eine schlechte Honigernte ausgefallen zu sein (unterdurchschnittliche Ernten im 2012 und 2014).

Regnerisches Frühlingswetter

Auch dieses Jahr zeichnet sich das Muster weiter: Das regnerische Frühlingswetter hat das Blühen von Wiesen- und Kulturpflanzen stark beeinträchtigt und dazu geführt, dass die Bienen kaum fliegen konnten. Dies wiederum führte zu einer unterdurchschnittlichen Honigproduktion und folglich zu einer mageren Sommerhonigernte. In den Schönwetter-Südkantonen (Graubünden, Tessin, Wallis und Genf) war die Ernte zwar besser, doch in allen anderen Kantonen und in Liechtenstein sah es ähnlich schlecht aus.

Dreimal tiefer als im Vorjahr

Mit einer durchschnittlichen Sommerhonigernte von 5 kg pro Bienenvolk schnitt der Kanton Solothurn zwar im Vergleich zur restlichen Nordwest- und Nordostschweiz nicht ausserordentlich schlecht ab, aber verglichen zum Vorjahr fiel die diesjährige Ernte dreimal tiefer aus. Wie Marcel Strub, erfahrener Imker und Leiter der Fachstelle Bienen der Kantone Solothurn, Basellandschaft und Basel-Stadt am Wallierhof in Riedholz erklärt, haben die Schwankungen in der Honigernte auch einen Einfluss auf die Imker: Die Bienenhaltung wird meistens als Hobby betrieben, ist dennoch aber mit finanziellem und zeitlichem Aufwand verbunden.

Wenn die Imker, wie üblich, den Honigpreis für die Konsumenten stets konstant halten, können sie durchaus ins Defizit fallen. Bei einer schlechten Ernte geht die Aufwand- und Ertragsrechnung nicht auf. Bienen, Imker und Honigkonsumenten können also nur hoffen, dass nächstes Jahr das Wetter wieder besser mitspielt.