Coronavirus

Gab es für Oberstufenschüler durch den Fernunterricht Lernlücken?

Die Oberstufenschülerinnen und -schüler hatten länger als die Primarstufe Fernunterricht. (Symbolaufnahme)

Die Oberstufenschülerinnen und -schüler hatten länger als die Primarstufe Fernunterricht. (Symbolaufnahme)

Wie viel haben die Schüler und Schülerinnen während des Fernunterrichts gelernt? Das kann noch nicht abgeschätzt werden. Die Schulen im Kanton Solothurn sind noch dabei, Wissenslücken zu entdecken.

Seit dem 8. Juni ist auch die Oberstufe wieder zurück im Präsenzunterricht. Nebst der Einhaltung der Massnahmen beschäftigt Lehrer und Eltern eine Frage: Gibt es bei den Schülern und Schülerinnen Lernlücken? Eine Umfrage bei den Schulleitungen der Sekundarstufe in Solothurn, Olten und Grenchen sowie den beiden Kantonsschulen zeigt jedoch: Momentan kann noch nicht gesagt werden, auf welchem Stand die Jugendlichen sich befinden.

«Es ist aktuell schwierig zu sagen, welche Lernlücken es durch den Fernunterricht gegeben hat», sagt Samuel Batzli, der Rektor der Kantonsschule Olten. «Es versteht sich von selbst, dass die Schüler und Schülerinnen durch den fehlenden Präsenzunterricht aktuell nicht auf dem gleichen Stand wie in den früheren Jahren sein können». Es könne erst im Verlauf des neuen Semesters gesagt werden, wie viel Stoff genau nachzuholen sei. Dasselbe sagt die Schulleitung der Sekundarstufe Olten. Erst wenn genauere Un- tersuchungen dazu abgeschlossen seien, könne Auskunft gegeben werden.

Schulen mit verschiedenen Erfahrungen

Gemäss Dieter Müller, Konrektor der Kantonsschule Solothurn (KSSO), ist es während des Fernunterrichts schwierig gewesen, das Lernverhalten der Jugendlichen zu kontrollieren. «Wir mussten darauf vertrauen, dass sie ihre Aufgaben pflichtbewusst erledigen», sagt Müller. «Auffallend war jedoch, dass sich das Lernverhalten von denjenigen, die schon vor dem Onlineunterricht überfordert waren, ins Negative entwickelt hat», so Dr. Reto Stampfli, Konrektor der Fachmittelschule Solothurn.
Im Gegensatz dazu meint Rolf Glaus, der Schulleiter der Sekundarstufe Grenchen: «Es gab Jugendliche, die hervorragend gearbeitet haben. Sogar solche, die sonst etwas Mühe hatten, sind aufgeblüht». Dasselbe bestätigt die Schuldirektorin Solothurns, Irène Schori. Die Rücksprache mit den Leitungs- und Lehrpersonen zeige, dass einige sogar teilweise bessere Resultate erzielten. «Sie erledigten ihre Aufgaben verlässlicher und selbstbestimmter, als ihnen dies in der engeren Schulstruktur möglich war», erklärt Schori.

Eine wichtige Rolle spielte auch die psychische Verfassung der Jugendlichen. Gemäss Lea Triller, Schulsozialarbeiterin in Grenchen, ist auffallend, dass gerade bei den Jugendlichen teilweise negative Auswirkung auf die psychische Verfassung festgestellt werden konnten. Solche Fälle seien möglichst rasch mit dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst vernetzt worden.

«Aufgrund der Coronakrise waren jegliche Anlaufstellen und Fachstellen gezwungen, ihr Angebot anzupassen oder auf online umzustellen», meint Triller. Während der Schulschliessung konnten deshalb nicht alle Beziehungen gleich intensiv aufrechterhalten werden. «Einige Beratungen sind auch eingebrochen», so Triller zur Lage an der Sekundarstufe Grenchen. Nach der Schulöffnung sei insbesondere die Zunahme von Jugendlichen mit depressiven Verhaltenszügen und sogar diagnostizierten Depressionen markant gewesen. Das habe sich auf das Lernverhalten der betroffenen Jugendlichen negativ ausgewirkt.

Pläne für nach den Ferien sind noch nicht konkret

Nach den Sommerferien gehe die Schulleitung der KSSO vom Präsenzunterricht für alle Klassen aus. «Auch von Seiten des Kantons ist ein normales Schuljahr vorgesehen», so Vögeli.

Die Umfrage zeigt zudem: Wenn es um das Nachholen von Schulstoff geht, setzen die Schulleitungen auf die Lehrer. «Nach den Sommerferien werden die Lehrer individuell festlegen, welcher Schulstoff nachgeholt werden muss», meint Müller zum Vorgang an der KSSO. Dasselbe gilt für die
Sekundarstufe Solothurn. «Der Unterricht findet lückenlos statt. Betreffend Schulstoff wird dort weitergefahren, wo die einzelnen Schüler stehen», so Schori.

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