Winzer Hans Schmid-Stingelin aus Nuglar rechnet damit, dass 90 Prozent der Jungtriebe seiner Reben erfroren sind. Vielleicht werden noch einige Nebenaugen austreiben, so oder so wird der Ertragsausfall gross sein. Trotz Nachtaktion mit Frostkerzen konnte er nur ein kleiner Teil der Reben gegen die tiefen Temperaturen von -4 bis -5°C schützen. 

«Eine der Kerzen kostet 15 Franken. 300 Kerzen wären notwendig, um alle Reben zu schützen», sagt der Weinbauer. Gekauft hat er nur 40. Die Frostkerzen erwärmten die Luft bei den ausgewählten Reben um ein bis zwei Grad. «Ob das etwas gebracht hat, kann ich nicht einmal abschätzen.»

Zusätzlich zur Kälte setzen auch Wind und Nässe den Trauben zu. Denn der Niederschlag gefriert auf den Trauben und eine Eisschicht setzt sich an.

Andrang auf Frostkerzen

Das Anbaugebiet gehört mit 0.7 Hektaren flächenmässig zu den kleineren des Kantons, trotzdem ist es unmöglich alle Reben zu schützen. Es wäre viel zu teuer und ein zu grosser Aufwand, der nicht ohne ein Team zu bewältigen wäre. Ausserdem sind die Frostkerzen im Verkauf fast nicht mehr zu finden. Durch den grossen Andrang vor und während des Kälteeinbruchs sind die Kerzen Mangelware.

Obst und Gemüse friert

Erdbeeren, Broccoli und Blumenkohl sind auch kälteempfindlich. Vor allem litten aber die Aprikosen und andere Steinobstarten. Die zarten Blüten vertragen den Frost nicht und durch die Kälte werden die zukünftigen Früchte deformiert.

Die Spargeln des Weierhof in Subingen haben laut Therese Ambühl unter der Kälte gelitten. Denn diese können nicht geschützt werden: Fliese oder Kerzen, wie sie bei Weinreben zum Einsatz kommen, nützen hier nichts. Vor dem Frost konnte jedoch noch ein Teil der Spargeln geerntet werden. 

Der Rest der Spargeln auf den drei Hektaren kann laut Ambühl nicht mehr verkauft werden. Die Spargeln werden durch den Frost weich und matschig. Doch die Pflanzen sind nicht verloren, denn die Spargeln werden schnell wieder wachsen.

Die Tulpen der Ambühls sind weitaus resistenter als die Spargeln. «Die Kälte macht den Tulpen nichts aus. Das Gewicht des Schnees hat aber einen Teil der Pflanzen umgeknickt.» Die Tulpen hätten die Kälte aber ohne weiteren Blessuren überstanden. (naj)

Schon letztes Jahr hatte der Weinbauer aus dem Schwarzbubenland einen Teil der Ernte Ende April wegen Frost verloren. «Vor allem die Weissweinsorte Solaris war von der Kälte betroffen. Der rote Carbernet Jura ist resistenter.» Darum hat Schmid dieses Jahr nur die weissen Trauben geschützt.

Noch kann nicht gesagt werden, wie es um die Solaris-Weinreben steht. Ein Teil davon wird auch verloren sein, dem grösseren Teil scheint es laut Hans Peter Schmid nach erstem Augenschein gut zu gehen. Jedoch ist es gut möglich, dass der Ertrag noch weiter dezimiert wird.

Jetzt hofft Hans Peter Schmid auf die Nebenaustriebe der Rebstöcke. Die Trauben werden zwar nicht so gross und zahlreich sein wie zuvor, dafür kann trotzdem etwas geerntet werden. Zuerst muss aber in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nochmals eine Frostnacht ausgestanden werden.

«Hoffentlich friert es nicht nochmal»

Auch Urs Sigrist vom Rebbergverein Bachtelen in Grenchen hat mit dem Frost zu kämpfen. Bei seinen eigenen 60 Reben konnte er in der Nacht drei Frostschutzkerzen aufstellen. Für das grössere Anbaugebiet des Vereins war die Ausrüstung zu knapp. Die rund 700 Rebstöcke hätten 100 bis 120 Frostkerzen gebraucht. «So viele hatten wir nicht im Bachtelen», meint Sigrist.

Der Preis der Kerzen ist für den Verein kein Problem. Nur war es diesmal zu spät, um die Kerzen zu besorgen und aufzustellen. «Wir sind nicht für den Notfall ausgerüstet, die Kerzen müssten kurzfristig beschaffen werden. Ich war weg und die Kälte kam überraschend.»

Die Weinsorten, die der Verein anbaut, sind laut Sigrist alle etwa gleich betroffen. «Bei Minustemperaturen wie diesen gibt es kaum einen Unterschied, denn alle Reben haben junge, zarte Blätter, die der Kälte nicht trotzen können.» Zudem gibt es am gleichen Stock grosse Unterschiede: «Ein Ast ist gefroren, ein anderer nicht, auch wenn sie nur zehn Zentimeter voneinander entfernt sind.»

Nach erster Einschätzung von Sigrist sind etwa 20 Prozent der eigenen Reben von der Kälte betroffen. Über die Reben des grösseren Areal des Vereins kann er noch keine Angaben machen. Urs Sigrist hofft jetzt, dass es in der Nacht auf Freitag nicht wieder gefriert. So könnten die Knospen sich erholen und vielleicht sogar weiter wachsen. (naj)