Amtsgericht

Frau an Fasnacht verletzt: Schläger wird zu 38 Monaten Haft und Landesverweis verurteilt

Zum Angriff kam es vor der Billard Bar. (Archiv)

Zum Angriff kam es vor der Billard Bar. (Archiv)

Nach dem Fasnachtsumzug 2019 ist in Solothurn war eine Frau brutal attackiert worden; jetzt hat das Amtsgericht Solothurn-Lebern den Täter verurteilt.

In der Nacht nach dem sonntäglichen Fasnachtsumzug 2019 in Solothurn ereignete sich vor der ehemaligen Billard-Bar am Stalden Nr. 1 eine hässliche Szene. Eine 37-jährige, zierliche Frau wurde von einem Fremden durch Fäuste und Fusstritte verletzt, auch als sie schon am Boden lag. Er flüchtete.

Der später von der Polizei auf dem Amthausplatz angehaltener, sechs Jahre jüngerer, mehrfach vorbestrafte Italiener G. Ricci* wurde nun vom Amtsgericht Solothurn-Lebern wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu 38 Monaten Haft und 5 Jahren Landesverweis verurteilt. Er muss dem Opfer eine Genugtuung von 3000 Franken bezahlen und wurde in Sicherheitshaft genommen.

Mit Faustschlägen und Fusstritten traktiert

Der schmächtige, gepflegt auftretende Ricci machte keine Aussagen. Dafür sprachen das Opfer C. Klein* und ihre damalige Partnerin – eine Security-Angestellte, welche versucht hatte, den Angreifer zu stoppen. Sie seien mit anderen fröhlich auf dem Nachhauseweg gewesen, als sie Ricci begegneten. Der habe einen Velohelm gegen sie geworfen, der Klein am Bein getroffen habe. Es gab eine verbale Auseinandersetzung, bei der sowohl Ricci als auch Kleins Partnerin geschrien hätten. Ricci habe Klein mehrmals mit der Faust am Oberkörper zu schlagen versucht und streifte sie am Arm.

Er habe sich dann auf sie gestürzt, worauf sie bäuchlings zu Fall kam und mit dem Kopf auf der Strasse aufschlug. Ricci habe sich auf sie gesetzt und sie mit mehreren Faustschlägen im Gesicht attackiert. Als Kleins Partnerin Ricci mit Hilfe einer Drittperson habe wegziehen wollen, habe dieser mehrmals mit dem Fuss wuchtig auf Kleins Kopf getreten. Sie trug ein Schädelhirntrauma ersten Grades davon, eine Schwellung oberhalb der Augenbraue, Schürfungen und Quetschungen.

Merkmale stimmten nicht überein

Klein, ihre Partnerin sowie eine weitere Bekannte identifizierten nach der Tat den von der Polizei herbeigeführten Ricci. Zuvor hatten sie sein Signalement angegeben. Eine Woche später jedoch konnten bei einer Fotopräsentation keine der drei Riccis Foto eindeutig dem Täter zuweisen. Die Partnerin konnte es immerhin zu 90 Prozent. Nebst Riccis Foto war offenbar ein anderes dem Täter sehr ähnlich. Manche Merkmale, mit denen der Täter beschrieben worden war, stimmten mit Ricci teilweise überein.

Schwarze Jacke mit einem Flügel-Symbol, weisse oder helle Turnschuhe, südländischer Typ, niedrige Statur. Aber Ricci trug neongelbe Turnschuhe ohne Markenbezeichnung, nicht, wie manche sagten, weisse Markenturnschuhe. Er trug auch keine Schirmmütze, wie von der Opfergruppe ausgesagt.

Verhalten war «weinerlich-lethargisch»

Staatsanwältin Melanie Wasem: «Aus 1000 Mosaiksteinen entsteht ein Bild.» Sie listete zahlreiche andere Untersuchungsergebnisse auf. Beispielsweise stimmen Verletzungsspuren beim Opfer und bei Ricci mit den Abläufen überein. Der aufgegriffene Ricci hatte Schürfungen an Knie und Händen. Klein hatte einen Turnschuh-Abdruck im Gesicht. Verteidiger Marcel Haltiner wies darauf hin, dass an diesem Grossanlass Tausende Leute unterwegs waren, und äusserte erhebliche Zweifel.

Er strich abweichende Aussagen der Opfer-Gruppe heraus. Es seien keine DNA-Spuren seines Mandanten am Velohelm gefunden worden. Auch Riccis Verhalten bei dessen Aufgreifen sei weinerlich-lethargisch, nicht aggressiv gewesen. Er wies darauf hin, dass seine Alkoholisierung gemäss Arztbericht über der Grenze zur verminderten Schuldfähigkeit hätte gelegen haben können. Auch Spuren von Drogenkonsum seien festgestellt worden. Die Tritte könnten dadurch erfolgt sein, dass der Täter Halt gesucht habe.

Privatklägerin Stephanie Selig betonte wie Wasem, dass Ricci trotzdem habe wissen müssen, dass er seinem Opfer schwere Verletzungen hätte zuführen können. Nur Zufall habe bleibende schwere Folgen verhindert. Sie wies auf gleichwohl bleibende Schäden hin, auch psychische. Klein hat seither alleine in der Dunkelheit Angst, es müsse sie immer jemand begleiten. Wasem hatte 35 Monate unbedingte Haft für versuchte schwere Körperverletzung sowie 8 Jahre Landesverweis gefordert. Selig zudem Schadensersatz und 4000 Franken Genugtuung.

*Namen geändert

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