Es gibt die richtigen Worte nicht am Tag nach dem verheerenden Brand im Westen der Solothurner Altstadt, bei dem sechs Menschen ihr Leben verloren haben. Still Anteil nehmen, verbunden sein in der Trauer – das ist alles, was wir leisten können in diesem Moment. Und doch ist es gut, wenn über das Schreckliche gesprochen wird. Eben gerade deshalb, weil es so schwierig zu verstehen und zu begreifen ist.

«Glück und Unglück sind Namen für Dinge, deren äusserste Grenzen wir nicht kennen», hat der englische Arzt und Vordenker der Aufklärung John Locke gesagt. Recht hatte er. Es gilt für die Angehörigen, die ihre Liebsten verloren haben. Es gilt aber auch für die Einsatzkräfte, die Schlimmes gesehen haben.

Es bedeutet auch, dass wir die Betroffenen bei dem, was sie erlebt haben, nicht allein lassen dürfen. Gut, dass wir in einem Land leben, wo die professionelle Betreuung nicht nur die Verwandten von Opfern erfasst, sondern auch die Profis, die in ihrer Arbeit einen Umgang mit dem Erlebten finden müssen.

Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass wieder einmal der Ausspruch «kleine Ursache, grosse Wirkung» zutrifft – in der grösstmöglichen Ausdehnung des Vorstellbaren. Und im traurigen Bewusstsein, dass Kinder ihr Leben verloren haben, weil ein Mitbewohner beim Rauchen die nötige Sorgfalt vermissen liess.

Solothurn ist seit gestern Nacht nicht mehr ganz die gleiche Stadt wie zuvor. Weil Menschen nicht mehr da sind, die zu ihr gehörten. Das ist stark spürbar in der Stadt. Es ist ein gutes Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bei aller Trauer über das Unfassbare.

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