Kanton Solothurn

Feministischer Verein will weiterkämpfen: «Mit uns muss man rechnen»

Laura Gantenbein, Vorstandsmitglied von femso und Präsidentin der Grünen Kanton Solothurn.

Laura Gantenbein, Vorstandsmitglied von femso und Präsidentin der Grünen Kanton Solothurn.

Laura Gantenbein ist Vorstandsmitglied des feministischen Vereins femso, der die Frauenstreikbewegung und den Kampf für Gleichberechtigung auch nach dem 14. Juni 2019 weiterführen will. Ein Gespräch anlässlich des Frauenkampftags vom 8. März - und darüber hinaus.

«Frauenkampftag: Abgesagt». Das ist auf der Webseite von femso – dem feministischen Verein des Kantons Solothurn – zu lesen. Der Frauenkampftag findet weltweit am 8. März statt. Auch in Solothurn war etwas geplant; Diskussionen über Care-Arbeit – die, bezahlt und unbezahlt, meist von Frauen übernommen wird – und über das Thema Sex. Aufgrund der Auflagen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus findet der Anlass nicht statt. Die Referate sollen nachgeholt oder online als Podcast ausgestrahlt werden.

Zudem gilt für diesen Sonntag: «Haushalte sollen Farbe bekennen und sich so mit den feministischen Bewegungen auf der Welt solidarisieren», so Laura Gantenbein, Vorstandsmitglied von femso. Das heisst: Fahnen oder BHs in lila oder pink hinaushängen.

Wieder Bewegung im Kanton – die nicht abflachen soll

Gantenbein erwähnt im Gespräch mehrmals das Thema «Sichtbarkeit». Es sei wichtig, als Verein, als Frauen im Kanton sichtbar zu sein – über Lohnungleichheit und Gewalt an Frauen zu diskutieren. Der 8. März wäre eine Gelegenheit dafür gewesen. Seit zwei Jahren wird dieser Tag auch in Solothurn wieder gefeiert. Damals hat Gantenbein, die auch Solothurner Gemeinderätin und Präsidentin der Grünen Kantonalpartei ist, den Frauentag mit einer weiteren Jungpolitikerin wieder ins Leben gerufen.

Überhaupt ist in den letzten Monaten einiges passiert: 2019 fand der Frauenstreik statt, auch im Kanton mit über Tausend Teilnehmenden. Im Herbst wurde die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» zum ersten Mal im Kanton durchgeführt. Und anlässlich der Wahlen gab es Empfehlungen von femso. Ist das Thema Gleichstellung wieder vermehrt auf dem Tapet? «Das würde ich bestätigen», sagt Gantenbein. Die heute 31-Jährige erinnert sich beispielsweise an ihre Kantizeit, als der 8. März jeweils ein richtiges Fest war. Einige Jahre lang fand dann gar nichts mehr statt – bis wie erwähnt 2018. «Es waren wohl einfach genug engagierte Frauen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort», so Gantenbein. «Wahrscheinlich sind viele auch genug frustriert – weil in Sachen Gleichstellung jahrelang nichts mehr gegangen ist.»

Seit dem Frauenstreik sei die Bewegung aber auch im Kanton wieder etwas abgeflacht, räumt die Solothurnerin ein. Der Verein femso zählt 40 Mitglieder – laut Gantenbein dürften es mehr sein. Zudem: Die Sichtbarkeit von Themen wie Elternzeit ist das eine – laut der Lehrerin braucht es aber auch ganz konkrete Veränderungen. So haben die Streikenden vergangenes Jahr in Solothurn und Olten bei den Regierungen Forderungen eingereicht.

In Solothurn will der Regierungsrat noch im März die Petition behandeln. Gefordert wird etwa, dass der Kanton Aufträge nur an Firmen vergibt, in denen nachweislich Lohngleichheit herrscht. In Olten werden derzeit zwei Forderungen aktiv verfolgt, wie Rita Lanz im Namen des Oltner Streikkomitees erklärt. Einerseits soll die Forderung nach je einer Tagesschule auf jeder Stadtseite bis 2024 umgesetzt werden. Andererseits sei man derzeit mit der Stadtverwaltung im Gespräch darüber, mehr Strassen und Plätze in Olten nach bekannten Frauen zu benennen.

Auf kantonaler Ebene müssen Gesetzesanpassungen aber immer auch durch den Kantonsrat, der derzeit klar Männer-dominiert ist. «Wir sind darauf vorbereitet, dass wir nichts geschenkt kriegen», erklärt Gantenbein. «Wir werden wieder und wieder nachfassen, wenn die Forderungen nicht erfüllt werden.» Zwar drehten die «Mühlen der Politik» auch im Kanton sehr langsam. Aber: «Wenn man nichts tut, bringt das auch nichts.» Als Verein könne man ein Netzwerk pflegen, Diskussionen anstossen, Positionen beziehen und so politische Prozesse kritisch begleiten. «Mit uns muss man rechnen.»

Konkret: Nächstes Jahr sind Wahlen. «Für die Grünen ist selbstverständlich, dass wir wie seit jeher auf ausgeglichene Listen bezüglich Geschlechter achten. Die anderen Parteien haben jetzt wiederum die Gelegenheit, das auch zu tun.» Am 14. Juni, einem Sonntag, wird zudem mit grösster Wahrscheinlichkeit wieder gestreikt. «Auch dann können Frauen streiken. Und die – vielfach unbezahlte – Care-Arbeit niederlegen.»

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