Was ist der Sommer für Sie? Zeit der Musse oder des Müssens?

Zu mir passt am besten: Zeit der Muse. Ich halte Ausschau nach Kultur und lasse mich von Kultur – im weiten Sinn des Wortes–- inspirieren.

Gönnen Sie sich in diesen Wochen bewusste Nachlässigkeit?

Bewusst tue ich das eigentlich nicht. Und unbewusst gönne ich mir solche das ganze Jahr über.

Was geht trotz etwas lockerer Sitten gar nicht?

Fluchen, lästern und pöbeln, seine Vorurteile über «die da unten» aufwärmen.

Für die einen ist der Sommer Traumzeit, für die andere Übergangszeit zwischen Frühling und Herbst. Für Sie?

Für mich ist der Sommer eigenständig. Da braucht es keine zusätzlichen Attribute.

Bleiben Sie überzeugt daheim? Oder gehen Sie unverdrossen in den Süden?

Ich gehe in den Norden beziehungsweise bin zurzeit dort.

Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb sich die Affenhitze im Ausland besser aushalten lässt als zu Hause?

Das stimmt dann, wenn jederzeit als Wahlmöglichkeit diese Option besteht: Ins Wasser oder unter die hohen Bäume.

Wohin führt Sie der Sommer?

Zuerst in die Nähe der Ostsee, dann in die Fortsetzung des Wahlkampfs.

Und Ihr Sommersehnsuchtsort?

Es gibt keinen bestimmten. Ich will Abwechslung.

Und wohin wollten Sie schon immer einmal?

Auf den Harder Kulm. Das ist der Hausberg von Interlaken. Er ist zwar nicht besonders hoch. Aber eine schöne Aussicht soll sich bieten!

Wenn Sie wählen können: Eistee oder Cüpli? Oder etwas ganz anderes?

Etwas ganz anderes. Mir ist alles Feine und sorgfältig Zubereitete oder Hergestellte lieb.

Und für zwischen die Zähne? Vitello tonnato, T-Bone-Steak oder Couscous-Salat?

Wenn sich die Auswahl darin erschöpft, dann wähle ich den Couscous-Salat. Im Übrigen gilt das Gleiche wie bei den Getränken.

Sind Sie der Sonnen- oder der Schattentyp?

Am Vormittag und am Abend bin ich gerne der Sonnentyp.

Auch im übertragenen Sinn?

Ja.

Und wie ist es mit dem Wasser? Lieber drinnen oder draussen?

Ich sage es so: Mehrheitlich draussen. Und das Wasser aus dem Glas in mir drinnen.

Sind Sie der Pool- oder der Wildwassertyp?

Icb bin weder das eine noch das andere. Am liebsten bade ich ruhig im See.

«An einem Sommermorgen, da nimm den Wanderstab, es fallen deine Sorgen wie Nebel von dir ab», schrieb Theodor Fontane. Ein gutes Motto?

Ja, das finde ich durchaus. Fontane lebte schliesslich nicht allzu weit von meiner aktuellen Feriengegend in Norddeutschland entfernt. Übrigens hatte auch Thomas Mann hier, in der Kurischen Nehrung, seine Sommerresidenz.

Was ist Ihr Sommermotto?

Ich will Neues kennen lernen. Ich will staunen können. Und ich will mich verzaubern lassen.

Apropos Lektüre: Haben Sie Thriller, Sommerschnulze oder ernsthafte Gegenwartsliteratur in der Badetasche?

Ich habe vor allem keine Badetasche dabei. Deshalb erübrigt sich auch die Frage nach der Lektüre, oder?

Wenn Sie wählen müssten: «Der Fall Deltschev» von Eric Ambler, «Das kleine Inselhotel» von Sandra Lüpkes oder «Der Stotterer» von Charles Lewinsky?

Letzteren finde ich immer wieder gut. Er schreibt geistreich, oft schelmisch, und dies auf einem klaren Wertefundament.

Was lesen Sie gerade?

Erstens lese ich Saure-Gurken-Nachrichten, weil diese gerade Saison haben, zweitens «Der Zug ist voll», eine Essay-Sammlung von Thomas Haemmerli aus dem Verlag Kein & Aber.

Sommer – Zeit des Glücks. Des eigenen? Oder jenes der andern? Die meisten Ehen werden nach den Sommerferien geschieden.

Jeder neue Sommer hat es verdient, dass wir ihn von pauschalen Wertungen verschonen. Ich verweise auf die Antwort auf die Frage, was der Sommer für mich ist: Eigenständig. Das soll er bleiben.

Umgekehrt: Was braucht es für Sie, damit die Sommerfrische nicht ein Phantom bleibt, das in der schwülen Nacht verdampft?

Derart poetisch formulierte Fragen möchte ich mit meiner Nüchternheit nicht zerstäuben.

Apropos Illusion am Sommernachthimmel: Möchten Sie im Open-Air-Kino «Wolkenbruch» sehen oder doch lieber wieder einmal «Pretty Woman»?

Das ist ein klarer Fall: «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse».

Hand aufs Herz: Ist die Vorfreude auf den Sommer nicht regelmässig grösser als die Befriedigung darüber, was er am Ende gebracht hat?

Das erlebe ich nicht so. Und ich bin froh darüber.

Vielen geht es so: Sie kommen anscheinend erfrischt aus den Ferien. Sie wollen so viel wie möglich in den Alltag retten. Und eine Woche später erinnern Sie sich kaum daran, wo sie gewesen sind?

Wenn ich in die Ferien reise, bereite ich mich jeweils ziemlich gut vor. Unterwegs habe ich Kartenmaterial dabei. Das bewirkt, dass ich auch nachher weiss, wo ich war.

Können Sie in den Sommerferien abschalten von der Arbeit? Oder bleibt es beim Vorsatz?

Ich kann die Arbeit vom ersten Tag an ruhen lassen. Das Arbeitsmail und Arbeitstelefon rühre ich nicht an. Ich glaube, es erhält mich gesund. Bei den 33 Fragen an die Ständeratskandidaten habe ich eine Ausnahme gemacht. Die Anfrage lief aber über mein privates Mail!

Beunruhigt Sie die Abwesenheit der Arbeit, des Alltags manchmal?

Nein, überhaupt nicht. Ich fühle mich sehr wohl damit und kann aber nach meinen Ferien auch gut wieder in den Alltag und in die Arbeit einsteigen.

Und was ist mit der Politik und dem Wahlkampf?

Heuer ist der Gedanke an Politik und Wahlkampf recht oft präsent. Und diesmal darf es auch so sein. Aber es werden mit Sicherheit wieder andere Zeiten kommen.

Besorgt Sie der Klimawandel in den Ferien mehr als im Alltag?

Es fällt mir auf, dass Klimawandel und CO2-Reduktion auch in andern Ländern Thema Nummer. 1 sind, dass andere aber mutigere Massnahmen ergreifen als die Schweiz. Zum Beispiel keine Erlaubnis mehr für Ölheizungen in Neubauten, höhere Abgas-Grenzwerte, grossflächige verkehrsfreie Zonen oder CO2-Taxen auf Flugbilletten.»

Verschicken Sie noch Postkarten? Oder haben Sie einen Ferienchat?

Einzelne auserwählte Postkarten ziehe ich vor.

Frank und frei: Was schreiben Sie Donald Trump auf die Postkarte, die Sie nie abschicken werden?

Viel lieber schreibe ich die Karte an Dalia Grybauskaité, die Präsidentin von Litauen. Ich würde sie fragen, wie ihr Land es schafft, an Eigenständigkeit und zugleich an internationaler Vernetzung derart beeindruckend zuzulegen.

An welches Sommerferienerlebnis erinnern Sie sich besonders gern?

An Freilicht-Theateraufführungen im Harz und am Neusiedlersee.

Und an welches mit Schaudern?

An einen Fehlstart, als der Bus auf der Fahrt zum Bahnhof – der Nachtzug war reserviert – stecken blieb.