Kanton Solothurn

Fallzahlen steigen — Disziplin bei Schutzmassnahmen lässt zu wünschen übrig

Über 28'000 Personen wurden im Kanton Solothurn schon auf Covid-19 getestet, 3,3 Prozent davon positiv.

Über 28'000 Personen wurden im Kanton Solothurn schon auf Covid-19 getestet, 3,3 Prozent davon positiv.

24 neue Coronafälle an einem Tag: Eine so starke Zunahme wurde im Kanton Solothurn schon lange nicht mehr registriert. Der Kanton publiziert neu wöchentlich einen Situationsbericht mit detaillierten Zahlen zum Pandemieverlauf. Daraus geht auch hervor, dass die Beanstandungsquote bei den Betriebskontrollen hoch ist.

Die Zahl der im Kanton Solothurn positiv auf Covid-19 getesteten Personen nähert sich der 1000er-Marke, am Mittwoch lag sie bei 945 Krankheitsfällen. Gegenüber dem Vortag ist das eine Zunahme um 24 Fälle. Ein ähnlich starker Anstieg war seit Ende August nicht mehr zu verzeichnen: Vom 27. auf den 28. August waren 21 neue Fälle registriert worden.

So etwas wie ein Corona-Hotspot ist nicht auszumachen, die 24 am Mittwoch neu gemeldeten positiven Testergebnisse verteilen sich auf Einwohner von 17 Gemeinden. Absolut gesehen zählen naheliegenderweise die bevölkerungsreichsten Gemeinden in der Regel auch die meisten Corona-Opfer.

In Olten sind es seit Ausbruch der Pandemie 75 bestätigte Fälle, in Grenchen 58. Allerdings hat etwa Trimbach bei 6'700 Einwohnern 44 Fälle und damit zwei mehr als Solothurn mit 17'000 Einwohnern, die Ansteckungsrate ist in Trimbach also deutlich höher.

28'000 Tests, 3,3 Prozent waren positiv

Neu veröffentlicht das Gesundheitsamt neben den Fallzahlen in den einzelnen Gemeinden jeweils am Mittwoch auch einen wöchentlichen Situationsbericht, der einen detaillierteren Einblick in den Pandemieverlauf im Kanton gibt. So sagen zum Beispiel die Fallzahlen allein noch nicht allzu viel aus, während die Zahl der neuen Fälle im Verhältnis zu den insgesamt durchgeführten Tests schon mehr Aufschluss darüber gibt, ob die Pandemie wieder schlimmer wird.

Hier sieht die Situation im Kanton so aus: Seit Beginn der Pandemie wurden gut 28'000 Tests durchgeführt, die Positivitätsrate liegt (Stichtag 5. Oktober) bei 3,3 Prozent. In der Kalenderwoche 39 lag sie etwas tiefer, bei 3 Prozent, in der Kalenderwoche 40 ist sie wieder auf 3,7 Prozent gestiegen.

Die für den Kanton Solothurn ausgewiesene Reproduktionszahl liegt bei 1,1, etwas tiefer als in der Vorwoche (1,2). Reproduktionszahl 1,1 heisst: Eine infektiöse Person steckt im Durchschnitt 1,1 Personen an. So lange die Reproduktionszahl über 1 liegt, ist mit einer steigenden Anzahl der täglichen Neuinfektionen zu rechnen, sinkt sie unter 1, geht die Anzahl der Neuansteckungen zurück.

Eine weitere wichtige Kennzahl ist die sogenannte Inzidenz, die Anzahl Coronafälle auf 100'000 Einwohner. Sie lag im Kanton in den letzten 14 Tagen bei 38,3. Zum Vergleich: Die 14-Tage-Inzidenz, die dafür massgeblich ist, ob der Bund ein Land als Risikogebiet einstuft, für das eine Quarantänepflicht bei der Einreise verhängt wird, liegt bei 60.

Derzeit befinden sich im Kanton 280 Personen nach der Rückkehr aus einem Risikoland in Quarantäne. 189 sind nach dem Kontakt mit einer positiv getesteten Person in Quarantäne, in Isolation befinden sich 71 positiv getestete Personen.

Mangelhafte Disziplin bei Schutzmassnahmen

Der Situationsbericht gibt weiter auch Auskunft über die Kontrolltätigkeit von Polizei und Amt für Wirtschaft und Arbeit. In der Kalenderwoche 40 wurde die Einhaltung von Isolation/Quarantäne in vier Fällen kontrolliert und es wurden keine Verstösse festgestellt. Insgesamt gab es seit Mitte Juli 83 Kontrollen und 10 Strafanzeigen. Es hielten sich 42 Leute in Kontakt-Quarantäne und 13 Reiserückkehrer nicht an die Quarantänevorschriften.

Deutlich höher ist die Beanstandungsquote bei den Kontrollen der Schutzmassnahmen in Gastronomie, Verkaufsläden und weiteren Betrieben durch das Amt für Wirtschaft und Arbeit. So war bei 22 in der Woche 40 kontrollierten Gastrobetrieben nur in 9 alles in Ordnung, die Beanstandungsquote lag also bei fast 60 Prozent. Da sieht es in den Einkaufsläden wenigstens etwas besser aus: 33 kontrolliert, 16 in Ordnung, gegen 17 Massnahmen verhängt – macht also eine Beanstandungsquote von «nur» 52 Prozent. Der Situationsbericht macht keine Angaben zur Art der festgestellten Mängel. So lässt sich namentlich nicht sagen, ob gegen die Maskenpflicht in Läden nur heftig protestiert oder auch häufiger verstossen wird.

Total wurden bei den 869 Betriebskontrollen in den Fokusbranchen seit Mitte September gegen 436 Betriebe Massnahmen verhängt, also bei ziemlich genau der Hälfte der Kontrollen.
Schliesslich gibt es im Bericht auch ein Update zur Situation in Sachen Kurzarbeit: Seit Anfang September wurden durch die öffentliche Arbeitslosenkasse 228,4 Millionen Franken Kurzarbeitsentschädigungen abgerechnet.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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