Auf der Kantons-Homepage sind Sie als «Kopflausfachperson der Stadt Olten» aufgeführt. Welche Aufgaben übernehmen Sie?

Rosetta Niederer: Als Kopflausfachperson der Stadt Olten befasse ich mich mit dem Kopflausbefall an Kindergärten und Schulen bis zum neunten Schuljahr und stehe den teils privaten Kindertagesstätten und -horten ebenfalls zur Verfügung. Ich informiere über Vorgehensweisen und Anwendung von handelsüblichen Kopflausprodukten. Als Kopflausfachperson (KFP) nehme ich jährlich an der Expertentagung in Basel teil, welche auf den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen der europäischen und internationalen Kopflaus-Kongresse gestützt ist.

Sind Sie auch als Vermittlerin für Schulen zuständig?

Nein, ich vermittle keine Kopflausfachpersonen. Bei Anfragen durch Schulen und Kindergärten der umliegenden Gemeinden informiere ich über das in Olten übliche Kopflauskonzept und gebe Empfehlungen basierend auf den neusten Erkenntnissen ab. Bei Interesse verweise ich auf die Kantonswebsite und stehe für Fragen, Informationsveranstaltungen und Schulung einer Kopflausfachperson zur Verfügung.

Wie wird man zu einer Kopflausfachperson?

Häufig entwickelt sich das aus Initiative einer Schulleitung, weil ein lästiger und immer wiederkehrender Befall an einer Schule oder einem Kindergarten vorherrscht. Und es tut sich was: Immer öfter ist es erwünscht, dass sich eine Person der Thematik annimmt. Dies sind beispielsweise Frauen oder Mütter, welche praktische Erfahrung haben und sich für das Thema interessieren. Oder Spitex-Angestellte, welche von den Gemeinden angefragt und eingesetzt werden. Für interessierte Personen gibt es Kurs- und Schulungsangebote. Ich selbst wurde Kopflausfachperson auf Anfrage der Oltner Schulen, welche mit wiederkehrendem Kopflausbefall zu kämpfen hatten. Als ehemalige Krankenschwester Höfa I habe ich mich in das Thema eingearbeitet und das Oltner Kopflauskonzept erarbeitet.

Wie oft sollten Kontrollen durchgeführt werden? Gibt es Vorschriften oder Empfehlungen?

Hierzu gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Die einen führen grossflächige Kontrollen jeweils nach den grossen Ferien im Frühling, Sommer und Herbst durch. Andere machen Untersuchungen auf gemeldeten Befall oder Anfrage hin. Das ist je nach Gemeinde und Kanton unterschiedlich. Grundsätzlich gilt: Ist ein Befall in der Schule oder im Kindergarten bekannt, wird umgehend kontrolliert und informiert. Dann wird während mindestens 14 Tagen das Kopfhaar auf lebende Kopfläuse untersucht und das familiäre und direkte soziale Umfeld benachrichtigt.

Vor einigen Jahren wurden Stofftiere und Kissenbezüge gewaschen, wenn ein Kind Kopfläuse hatte. Macht man das immer noch?

Heute zeigen diverse Studien, dass Kopfläuse fast ausschliesslich über direkten Kopf-zu-Kopf-Kontakt übertragen werden. Die Kopfläuse können weder springen, hüpfen noch fliegen! Eine Übertragung durch Mützen oder Haarbänder ist so sehr unwahrscheinlich. Fakt ist, die Kopflaus braucht zum Überleben eine optimale Umgebungstemperatur, eine Luftfeuchtigkeit von zirka 70 Prozent und regelmässige Blutmahlzeiten. Das bedeutet, ausserhalb der Kopfbehaarung trocknet sie schnell aus. Ausserdem kann sich die Kopflaus aufgrund ihrer Bein- und Fussbeschaffenheit nur sehr schlecht ausserhalb des Haares fortbewegen. Es ist empfehlenswert, sich vorwiegend auf die Köpfe zu konzentrieren. Auf zeitaufwendige Reinigungsarbeiten von Stofftieren und Polstermöbeln kann getrost verzichtet werden.

Tipps zur Läusebekämpfung

Haben sich die Kontrollen im Vergleich zu früher verändert?

Das kann ich so nicht sagen. Ich denke, dass früher dem damaligen Wissen entsprechend gehandelt wurde. Die Kontrollen heute tragen dazu bei, dass das Bewusstsein um Vorkommen und Behandlung der Kopfläuse Sicherheit schafft. Die Kopflauskämme werden zunehmend ein Bestandteil in der Haarpflege. In Olten jedenfalls ist durch die Kontrollen in den letzten acht Jahren ein reduzierter Kopflausbefall zu verzeichnen.

Wurden früher mehr oder weniger Kontrollen durchgeführt?

Das ist schwierig zu sagen, zumal früher öffentlich anders damit umgegangen wurde. Bis vor einigen Jahren war der Kopflausbefall noch stark tabuisiert! Das offene, effiziente und wertungsfreie Informieren über Kopfläuse und deren Behandlung führt zu einem guten Wissensstand in der Bevölkerung und nicht zuletzt zu Sicherheit im Umgang mit Kopfläusen.

Weshalb gibt es diese Kontrolle heute noch?

Solange es Menschen gibt, gibt es Kopfläuse! Sie ernähren sich ausschliesslich von menschlichem Blut und sind so auf den Menschen «angewiesen». Kopfläuse treten lokal konzentriert auf. Die Kontrollen sind eine effiziente Massnahme, um massgeblich eine Ausbreitung einzudämmen. Ohne diese, würde ich sagen, hätten wir immer wieder grössere und kleinere lästige « Herden» von Kopflausbefall. Das Ziel ist somit: Kopflausbefall tief halten.