Kanton Solothurn
«Es war eine schwierige Zeit»: Wie die Feiertage in den Altersheimen abgelaufen sind

Sollte im Heim Weihnachten gefeiert werden oder zu Hause? Diese Frage stellten sich die Alters- und Pflegeheime sowie Angehörige vor den Feiertagen. Wie sind die Weihnachten nun abgelaufen und wie ist die aktuelle Lage in den einzelnen Heimen? Sind viele Coronafälle zu verzeichnen?

Laura Hofmann
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Die Bewohner und Bewohnerinnen beim festlichen Mittagessen im Alters- und Pflegeheim Bad-Ammannsegg.

Die Bewohner und Bewohnerinnen beim festlichen Mittagessen im Alters- und Pflegeheim Bad-Ammannsegg.

zvg

Weil auch von den Grosseltern selbst ein nicht zu unterschätzendes Risiko ausgeht, wurde die Weihnachtsplanung im alten Jahr erschwert. Man musste sich gut überlegen, ob man die Grosseltern nach Hause holt oder sie im Heim besuchen geht. Viele Alters- und Pflegeheime im Kanton Solothurn haben den Angehörigen und Bewohnern jedoch die Entscheidung abgenommen, da ein Ausgangsverbot verhängt wurde.

Im Altersheim Wenigstein in Solothurn konnten die Bewohner in einer sogenannten «Telefonkabine» ihre Liebsten sehen und auch mit ihnen kommunizieren. Persönlicher Kontakt war jedoch nicht möglich.

«Es war eine schwierige Zeit», so der Heimleiter des Wengistein Hansruedi Moor. «Wir haben alles Erdenkliche getan, um die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage so angenehm wie möglich zu machen». Für Heiligabend und Silvester wurden Säle geöffnet, damit in der Gemeinschaft - wie gewohnt auf Abstand - gefeiert werden konnte. «Was auch gut funktioniert hat», so Moor.

Unüberbrückbare Probleme seien über die Feiertage nicht aufgetreten. «Dass die Angehörigen fehlen und es keinen persönlichen Kontakt gab, war die einzige Schwierigkeit», so Moor weiter.

«Kontakt war künstlich und befremdend»

Ähnlich wurde die Situation über die Feiertage im Alters- und Pflegeheim Bad-Ammannsegg geregelt. «Die Angehörigen konnten die Bewohner in einer Besucherzone treffen», wie der Heimleiter Daniel Sommer mitteilt. Ein physischer Kontakt war jedoch nicht möglich, da eine Glasscheibe die Bewohner von den Angehörigen trennte. «Es hat alles gut funktioniert, aber der Kontakt war natürlich trotzdem sehr künstlich und befremdend».

Damit im Heim trotzdem ein bisschen Feststimmung aufkam, wurde am 24. Dezember ein festliches Mittagessen mit Musik und Geschichten sowie ein Abendessen mit grosser Auswahlmöglichkeit organisiert.

Auch im Alterszentrum Baumgarten in Bettlach haben Feiern in den einzelnen Abteilungen für weihnachtliche Stimmung gesorgt. Denn wie in vielen anderen Heimen konnten auch hier die Bewohner nicht nach Hause. Es gab jedoch Besucherboxen und die Angehörigen konnten sich für einen Spaziergang mit den Bewohnern anmelden.

Wie die Geschäftsführerin Monika Eichelberger auf Anfrage mitteilt, habe alles so funktioniert, wie es aufgegleist wurde. «Überraschenderweise wurden jedoch die Besucherboxen über die Feiertage weniger genutzt als sonst, dafür die Spaziergänge mehr».

Das Atrium des Alterszentrums Baumgarten war weihnachtlich dekoriert.

Das Atrium des Alterszentrums Baumgarten war weihnachtlich dekoriert.

zvg

Keine Anfragen sind eingetroffen

Im Alters- und Pflegeheim Ruttigen in Olten haben die Bewohner und Bewohnerinnen die Möglichkeit gehabt, über die Festtage nach Hause zu gehen. Dafür musste bei der Rückkehr jedoch eine 10-tägige Quarantäne in Kauf genommen werden.

Laut Heimleiter Matthias Christ hätten keine Bewohner das Heim verlassen. «Wir haben keine einzige Anfrage von Angehörigen erhalten». Die Bewohner wurden über die Festtage jedoch von ihren Liebsten besucht. «Es hat alles super funktioniert. Alle haben gut mitgemacht und die Regeln toleriert».

Besucherboxen, Weihnachtsfeiern im Heim: Die einzelnen Alters- und Pflegeheime im Kanton haben versucht die Feiertage so angenehm wie möglich für ihre Bewohner und Bewohnerinnen zu machen. Doch wie ist nun die Lage nach Weihnachten und Silvester? Sind mehr Coronafälle zu verzeichnen?

Keine bis wenige Coronafälle

«Wir haben heute ein coronafreies Haus», wie der Heimleiter des Alterszentrum Wengistein am Telefon erwähnt. Der Betrieb werde nun intern wieder raufgefahren. Auch das Alters- und Pflegeheim Ruttigen ist Stand Dienstag coronafrei. Zusätzlich bezeichnet Heimleiter Matthias Christ die Stimmung unterhalb der Bewohner als recht gut, da die Bewohner und Bewohnerinnen wieder Besuch erhalten und nach draussen gehen könnten.

Das Alterszentrum Baumgarten hat leider nicht so viel Glück. Nach Neujahr wurde ein Bewohner positiv auf das Virus getestet. Wie die Geschäftsführerin erwähnt, haben sich am Dienstag nun daher auch alle anderen Bewohner testen lassen. Die Testergebnisse liegen Stand Mittwochnachmittag jedoch noch nicht vor.

Ein Grossteil lässt sich impfen

Kurz nach den Feiertagen haben nun auch in vielen Alters- und Pflegeheimen im Kanton die Coronaimpfungen begonnen. «Bei uns wollen sich rund 80% der Bewohner impfen lassen», so der Heimleiter des Alterszentrums Wengistein. Die erste Impfaktion am Montag habe dank guter Zusammenarbeit mit dem Kanton auch hervorragend funktioniert. «Die Impfung ist ein Segen für uns», wie der Heimleiter am Schluss hinzufügt.

Wie der Heimleiter des Alters- und Pflegeheims Ruttigen mitteilt, lassen sich auch dort rund 90% impfen. Im Alterszentrum Baumgarten sieht es ähnlich aus. «Wir sind froh, dass es eine Impfung gibt», wie Geschäftsführerin Monika Eichelberger hinzufügt. «Es ist die einzige Möglichkeit, um in der Pandemie vorwärts zu kommen».