Dass der Kantonal-Solothurnische Gewerbeverband (kgv) ein neues Präsidium braucht, ist seit der Ankündigung von Marianne Meister klar, sie stehe für die Wiederwahl an der Spitze des Verbands nicht zur Verfügung. Das war Anfang Jahr. Und der Beginn von Meisters Abschied in Raten von der politischen Bühne. Kurze Zeit später wurde auch ihre Demission aus dem Kantonsrat bekannt. Sie zieht sich nach langen Jahren aus der Politik zurück. Sie, die freisinnige Gewerbepolitikerin und KMU-Frau, hat das Präsidium des kgv seit 2013 inne und ist die erste Frau an der Spitze des rund des organisierten Solothurner Gewerbes.

Die Frage, die viele umtreibt: Wer folgt auf sie an der Delegiertenversammlung des kgv am 3. Juli? Das Rennen ist völlig offen. Denn es stehen sich nach der Evaluation der Findungskommission und der Befassung des Zentralvorstands mit dem Wahlgeschäft zwei Kandidaten gegenüber. «Unterschiedlicher könnte die Ausgangslage nicht sein», sagt Geschäftsführer Andreas Gasche dazu. Wobei er sich ausdrücklich nicht zu den einzelnen Kandidaten, sondern ausschliesslich zum verbandsinternen Prozedere äussert.

Auf der einen Seite stellt sich der parteilose Unternehmer André Seiler aus Solothurn zur Wahl. Seiler ist seit 2017 Inhaber, Verwaltungsratspräsident und CEO der Firma Stebler Blech AG in Nunningen, die unter anderem die Solothurner Nummernschilder herstellt. Seine Vita liest sich so: Nach einer Mechanikerlehre in der ETA arbeitete er in verschiedenen Betrieben im In- und Ausland, bevor er 2014 als Delegierter des Verwaltungsrats und CEO in die Firma Stebler Blech AG in Nunningen eintrat. Vor zwei Jahren hat Seiler die Firma erworben. Diese ist laut Gewerbeverband auch Mitglied der ASTAG Sektion Solothurn.

Auf der anderen Seite kandidiert der in einer Kanzleigemeinschaft als Einzelunternehmer tätige Rechtsanwalt, Notar und Politiker Christian Werner. Er gehört bereits seit 2009 dem Kantonsrat an und präsidiert die SVP-Fraktion. Er trimmte die Deputation im Parlament auf Ja-Kurs bei der Vorlage zur Umsetzung der Steuerreform. Werner ist Präsident der parlamentarischen Gruppe Wirtschaft und Gewerbe, Vizepräsident der Justizkommission, Vorsitzender des Gerichtsausschusses sowie Mitglied der Ratsleitung. Werner politisiert zudem im Oltner Stadtparlament. Er ist weiter im Verein «Gwärb Niederamt» aktiv. 2015 wurde er in den Zentralvorstand des kgv gewählt. Er ist im Gewerbeverband Ressortchef Politik und verantwortlich für das Gebiet «Netzwerk Ost» (Niederamt).

Wie Geschäftsführer Gasche ausführt, sind sowohl die für die Meister-Nachfolge eingesetzte Findungskommission als auch der 12-köpfige Zentralvorstand zum Schluss gekommen, «dass sowohl Seiler als auch Werner valable Kandidaten für das anspruchsvolle Präsidentenamt sind». Aus diesem Grund gelangt der Zentralvorstand nicht mit einem Einervorschlag an die Präsidentenkonferenz, sondern gibt beiden Kandidaten die Gelegenheit, sich dem nächsten Gremium vorzustellen. Allerdings hat der Zentralvorstand die Erwartung – und beantragt dies auch entsprechend –, sich zuhanden der Delegiertenversammlung für einen Kandidaten zu entscheiden. Gebunden ist die Präsidentenkonferenz an diesen Antrag jedoch nicht. Vor diesem Hintergrund ist nicht auszuschliessen, dass es Anfang Juli in Olten zu einer Kampfwahl kommen wird.