Fall William W.

Es geschah, obwohl alle alles richtig machen: Innendirektorin Susanne Schaffner nimmt Stellung

Susanne Schaffner nimmt Stellung.

Susanne Schaffner nimmt Stellung.

Susanne Schaffner gibt in der Wochenzeitschrift «Die Zeit» ein Interview zum Kinderschänder William W.

Das Interview, das die Solothurner Innendirektorin Susanne Schaffner (SP) der Wochenzeitung «Die Zeit» in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe gewährt hat, ist lang. Die drei wichtigsten Antworten sind dafür kurz. Frage eins: «Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?» Antwort: «Nein.» Frage zwei: «Hatte der Fall personelle Konsequenzen?» Antwort: «Nein.» Frage drei: «Ist es möglich, dass in einem Rechtsstaat alle alles richtig machen und ein Kinderschänder trotzdem rückfällig werden kann?» Schaffner: «Wie man an diesem tragischen Fall sieht, ist das möglich.»

Und auch sonst ist die für den Justizvollzug zuständige Regierungsrätin dezidiert. Hätte verhindert werden können, dass Kinderschänder William W. rückfällig wird und der Justiz auf der Nase herumtanzt? Schaffner sagt: «Diese Frage stellten wir uns auch. Darum leitete der Regierungsrat eine Administrativuntersuchung ein. Die Studienautoren kamen im vergangenen Herbst zum Schluss, dass alles Menschenmögliche getan wurde.» Das Obergericht sei aufgrund von Gutachten zum Schluss gekommen, dass William W. nicht therapierbar sei, jedoch keine unmittelbare Gefährdung bestehe.

Aufgrund einer Gesetzeslücke sei dem Gericht nichts anders übrig geblieben, als ihn freizulassen. «Zur Begleitung hat man das engmaschige ambulante Setting eingeleitet. Die Alternative wäre gewesen, ihn ohne Auflagen freizulassen», sagt Schaffner.

Und weshalb schritten die Mitarbeiter des Justizvollzugs nicht ein, als William W. stets von neuem gegen die Auflagen verstiess? Schaffner: «Sie hatten schlicht keine Sanktionierungsmöglichkeit.» Man habe nicht mehr tun können, als jeden Verstoss zu dokumentieren und William W. zu verwarnen. «Zudem sammelten sie Material für ein Gutachten, das sie gleichzeitig in Auftrag gaben. Nur mit einem Gutachten konnten wir zeigen, dass die ambulante Massnahme nicht den Erfolg bringt, den sich das Gericht erhofft hatte. Das Gutachten wiederum war nötig, um eine Sicherheitshaft zu beantragen», betont Schaffner. Aufschlussreich dabei: Kurz bevor das Gesuch gestellt wurde, sei «das angebliche neue Delikt» bekannt geworden. William W. kam danach in Untersuchungshaft.

Wobei Schaffner gleichzeitig ausführt, es sei durchaus nicht so gewesen, dass es nie Anzeichen dafür gegeben habe, William W. könnte sich bewähren. Schaffner sagt wörtlich: «Es lief nicht so schlecht.» So habe es Ende 2017 vom behandelnden Psychiater eine positive Rückmeldung gegeben, der Klient mache Fortschritte. Allerdings habe man ebenfalls aus Gutachten gewusst, «dass die Gefahr grösser ist, dass William W. rückfällig wird, wenn er sich in Konfliktsituationen befindet». Deshalb habe man versucht, «ein Umfeld zu schaffen, in dem er nicht in solche Situationen gerät».

Wenig erfolgreich, wie sich zeigen sollte. Schaffner versteht denn auch, dass viele nicht nachvollziehen können, weshalb William W. wieder freikam. «Ich war ja selbst lange Anwältin, bin selbst Mutter. Man muss aber auch sehen, dass nicht alles in unserer Gesellschaft geregelt und abgedeckt werden kann. Und es ist richtig, dass jeder, der seine Strafe abgesessen hat, ein Recht auf eine zweite Chance hat. Dem gegenüber steht der Wunsch der Bevölkerung nach absoluter Sicherheit. Diese streben wir immer wieder an, erreichen werden wir sie vermutlich aber nie», führt sie aus.

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