Olten

Ernst Zingg wird gefeiert - «mängisch bisch e chli e Schnori»

Der frischgewählte Kantonsratspräsident Ernst Zingg wurde am Mittwochabend im Oltner Stadttheater gefeiert. 200 Gäste waren anwesend.

Dass ein Politiker auch nach einer langen Laufbahn noch neue Facetten von sich offenbaren kann, zeigte am Mittwochwbend die Kantonsratspräsidentenfeier für Ernst Zingg im Stadttheater Olten: Sicher nicht allen der rund 200 Gäste aus Stadt und Kanton war bekannt, dass der 63-Jährige, der Olten 16 Jahre als Stadtpräsident geführt hatte, ein halber Rätoromane ist, mit Bündner Mutter, und sich auch Romanisch ausdrücken kann. Als Ausweis trägt er am Revers die clavina rumantscha, den «romanischen Schlüssel», angesteckt vom Präsidenten der Lia Rumantscha an der Standespräsidentenfeier des Kantons Graubünden 2008 in Oltens Partnergemeinde Stierva.

Das und noch mehr erfuhren die Gäste beim Auftritt von Zinggs Freund Flurin Caviezel. Der Bündner Kabarettist zeigte sich gut informiert über Oltnereien: «Eure Kabarett-Tage habt ihr ja dieses Jahr im Dezember gemacht», meinte er, auf die Provinzposse um den ausgebliebenen finanziellen Beitrag der Stadt für die Feier anspielend. Oder: An der nächsten Kantonsratspräsidentenfeier für Albert Studer (SVP) in Hägendorf «wird dann der Sommer auch anwesend sein». Im Gegensatz zu (Rolf) Sommer wäre Stadtrat Peter Schafer gerne gekommen, aber er habe leider den Anmeldetermin verpasst …
Wider den tierischen Oltner Ernst

Caviezels Beitrag war ein Knaller. Aber auch sonst war das Publikum an Zinggs Feier ganz zum Lachen, Singen und Fröhlichsein aufgelegt, wie wenn es die miesepetrigen Oltner Misstöne im Vorfeld in den Senkel stellen wollte. Viel zur guten Stimmung trugen die Oltner Stadtmusik und das Frösche-Quartett der Oltner Fröscheweid-Zunft mit rasanten und witzigen Klängen bei.

Den Brückenschlag von Olten zur Kantonshauptstadt verkörperte die Solothurner Radioredaktorin Andrea Affolter, die als Moderatorin durchs Programm führte. Den Reigen der Redner eröffnete Zinggs Nachfolger im Stadtpräsidium, Martin Wey: Er brachte einen «fliegenden Teppich» mit, den Zingg in seinem ehemaligen Stadtpräsidentenbüro vergessen habe. Er habe vergeblich versucht, das Stück als Gebetsteppich zu benützen …

Charmant, Schnöri, Gentleman

Der abtretende Kantonsratspräsident 2014, der Grenchner CVP-Mann Peter Brotschi, brachte als erster ein wiederkehrendes Motiv zur Sprache: «Ernst Zingg ist ein eloquenter Redner, um ihn wirds nie langweilig», meinte er. Die grüne Fraktionspräsidentin Barbara Wyss drückte es unverblümt aus: «Mängisch bisch e chli e Schnöri» …

Andere Charakterisierungen zielten auf Zinggs Talent, die Dinge in rosafarbenem Licht darzustellen: «Dein Charme überstrahlt alles», meinte Landammann Peter Gomm, «du wirst den Kanton nur im besten Licht erscheinen lassen, so dass wir die Diskussion um eine Imagekampagne um ein Jahr verschieben können.» Ein «politischer Gentleman» sei Zingg, rühmte FDP-Fraktionspräsident Peter Hodel, und er werde sein Präsidentenjahr als «hervorragender Repräsentant» absolvieren. Unter den Reden der fünf Fraktionschefs stach die als langes, gereimtes Gedicht formulierte von Christian Imark (SVP) heraus, der damit ein Stück weit in die Fussstapfen des unerreichten Kantonsratspräsidentenfeierredners und -dichters Roland Heim, des heutigen Finanzdirektors, trat.

Die Feier war ein unbeschwerter Farbtupfer im grauen, von Finanzproblemen geprägten Politalltag in Stadt und Kanton – und damit vielleicht ein Spiegel von Ernst Zinggs Frohnatur.

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