Geschäftsbericht 2019

Erneut rote Zahlen und politischer Gegenwind: Solothurner Spitäler AG in schwieriger Lage

Verwaltungsratspräsidentin Verena Diener, flankiert von CEO Martin Häusermann (links) und Verwaltungsrat Alois Müller.

Verwaltungsratspräsidentin Verena Diener, flankiert von CEO Martin Häusermann (links) und Verwaltungsrat Alois Müller.

Die Solothurner Spitäler AG legt den Geschäftsbericht 2019 vor – und bewegt sich im Jahr des Neubaubezugs in einer schwierigen Lage.

Es war viel von Vertrauen die Rede, als die Verwaltungsratspräsidentin der Solothurner Spitäler AG (soH), Verena Diener, am Dienstagnachmittag den lange erwarteten Geschäftsbericht 2019 vorstellte. Sie sprach vom Vertrauen, das der Regierungsrat in die soH habe, sie sprach aber auch vom Vertrauen der Solothurnerinnen und Solothurner in die Institution. Dies, nachdem der Regierungsrat als Eigentümervertreter den Abschluss gleichentags abgesegnet hatte.

Und das kam nicht von ungefähr. Die soH spürt politischen Gegenwind. Es geht um Fragen der Führung, aber auch um solche der Kommunikation. Und nun kommen noch rote Zahlen hinzu – wenn auch nicht überraschend. Nachdem es schon 2018 eine rote Null abgesetzt hatte, gab es 2019 wieder eine. Die Rechnung des 600-Mio.-Franken Dampfers soH schliesst mit einem Jahresverlust von 5,7 Mio. Franken ab. Und dies trotz guter Auslastung der akutsomatischen Spitäler Solothurn, Olten und Dornach ebenso wie der Psychiatrischen Dienste.

Gründe für das Minus ortete Verwaltungsrat Alois Müller erstens bei den ambulanten Tarifstrukturen mit geringeren Einnahmen für gleiche Leistungen; zweitens beim Wegfall der Abgeltungen, welche die soH vom Kanton nicht mehr bekommt; drittens mit dem gestiegenen betrieblichen Aufwand. Müller sprach mit Blick auf den Abschluss von «keiner Überraschung», vielmehr betonte er die solide Bilanz und die hohe Liquidität des Unternehmens.

Die Aussichten, dass die soH mittelfristig wieder schwarze Zahlen schreibt, sind nicht nur wegen der Coronakrise schlecht (vgl. Kasten), sondern auch auf Grund der Tarifentwicklung. Aus diesem Grund haben Verwaltungsrat und Geschäftsleitung Massnahmen eingeleitet, um die Effizienz weiter zu erhöhen, ohne die Qualität zu mindern.

Bewegung gibt es nicht nur im operativen Betrieb, sondern auch auf der strategischen Ebene. Der Regierungsrat hat Psychiater Kaspar Aebi, Risk Manager Marcel Müller und Spitaldirektorin Orsola Lina Vettori als neue Mitglieder des Verwaltungsrats gewählt. Auf eigenen Wunsch aus dem Gremium ausgeschieden ist nach achtjähriger Tätigkeit Alois Müller, der auch den Verwaltungsratsausschuss Finanzen und Controlling leitete. Nach Aussage von Verwaltungsratspräsidentin Diener handelt es sich bei der Rochade um eine geplante Erweiterung – sowohl personell als auch fachlich. Aebi und Müller treten ihre Funktionen per sofort an, Vettori Anfang Oktober. Diener zeigte sich überzeugt, dass die Neubesetzung des Verwaltungsrats die richtigen Impulse für die wachsende und sich verändernde soH bringen wird.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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