Das heisse Thema Energiezukunft der Schweiz lässt nur wenige kalt: Rund 550 interessierte Frauen und Männer strömten am Mittwochabend ins Landhaus zu Solothurn. An der diesjährigen Veranstaltung «Fokus Energie» des Energieversorgers AEK Onyx AG stand die Energiestrategie 2050 im Zentrum, über die am 21. Mai abgestimmt wird.

Die Positionen sind bezogen: Für Befürworter ist die Energiewende verbunden mit einem Gewinn für die Wirtschaft und Bevölkerung – sprich sichere, saubere und zuverlässige Versorgung aus einheimischer Produktion. Für die Gegner der Vorlage ist vor allem die Versorgungssicherheit gefährdet – sprich Stromlücke und nicht tragbare Mehrkosten.

«Markt wird das regeln»

Entlang dieser Standpunkte entbrannte am Podium eine wortwörtlich energiegeladene Diskussion mit engagierten Teilnehmenden. Die Wirtschaft brauche viel Energie und eine zuverlässige Versorgung für die Produktion sei unerlässlich.

Warum er als Unternehmer trotzdem für die Vorlage sei, fragte Moderator Iwan Rickenbacher zu Beginn den Unternehmer und Präsidenten des Solothurner Industrieverbandes, Josef Maushart. Im Fall seiner Fraisa AG sei der Anteil der Energie an den Gesamtkosten tief. «Verglichen mit den Effekten der Wechselkursschwankungen sind sie sogar vernachlässigbar», sagte Maushart. Im Übrigen habe er keine Angst vor einer Stromlücke. Er ist überzeugt, dass, falls während der Winterzeit tatsächlich das Gut Energie knapp wird und dessen Preis steigt, irgendwo darauf reagiert werde. «Der Markt wird das regeln.»

Daran glaubt Hans Hess, Präsident des Branchenverbandes Swissmem, nicht. Der Ausbau der neuen erneuerbaren Energien wie Wind- und Sonnenkraft sei zwar nicht falsch. Aber die Substitution des AKW-Stromanteils von 38 Prozent sei unrealistisch. Zudem: Die grossen Stromlieferanten Frankreich und Deutschland hätten kürzlich beschlossen, ab 2025 keinen Strom mehr zu exportieren. «Da frage ich mich, woher kommt der Strom dann her?»

SVP-Nationalrat Christian Imark, Gegner der Vorlage, leistete Support. Der Wegfall des Atomstromes könne nicht mit vorab im Sommer produzierter Sonnen- und Windenergie ersetzt werden. «Der Strom muss dann produziert werden, wenn er gebraucht wird, also im Winter.» Für ihn ist klar, dass die Auslandabhängigkeit im Energiebereich weiter steigen wird, weil die Energie vermehrt importiert werden müsse.

SP-Kantonsrätin Franziska Roth widersprach. Bereits sei ein Drittel der Lücke durch saubere Energie gedeckt. Sie plädierte für Investitionen in neue erneuerbare Energien. «Die Wirtschaft wird das schaffen», meinte sie. Für Roth ist klar, dass die Energiewende nicht gratis zu haben sei. Aber die durchschnittlichen Mehrkosten von 52 Franken pro Familie und Jahr seien vertretbar. Dies um so mehr, weil mit dem Umbau der Energiewirtschaft auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze vorab im gewerblichen Bereich verbunden sei.

«Das süsse Gift der Subventionen»

Gerade das geplante Investitionsprogramm ist für Imark störend. Er sprach von 200 Milliarden Franken, die bis 2050 in den Umbau investiert werden sollen. Das sei wenig sinnvoll, weil am Schluss der Mehrwert fehle. «Denn der Ersatz der AKWs mit erneuerbarer Energie ist nicht möglich.» Industrievertreter Hess sprach «vom süssen Gift der Subventionen». Es werde nicht investiert, bis die Subventionen fliessen und der Geldsegen sei, einmal eingeführt, nicht mehr zu stoppen.

Das wiederum liess Roth nicht gelten. Die in der Vorlage vorgesehenen Subventionen seien zeitlich klar begrenzt. «Im Gegensatz dazu ist die Höhe der Geburts- und Begräbniskosten der AKW offen.» Denn die Atomkraftwerke würden seit 40 Jahren subventioniert und die Abfallentsorgung sei noch längst nicht gelöst.

Für Unternehmer Maushart geht in der Diskussion um die Energiestrategie das Thema Nachhaltigkeit etwas verloren. Dabei sei diese gerade für junge Menschen, die letztlich dann mit den heutigen Entscheiden leben müssten, sehr wichtig. «Die Frage ist, wollen wir raus der Atomenergie oder nicht? Die jungen Menschen wollen das.» Und genau das sei mit der jetzigen Strategie möglich: Die Energieeffizienz steigern, den Verbrauch reduzieren und den Anteil der im Inland produzierten Energie erhöhen.