Solothurn

Einem Lebenswerk auf der Spur: Sie bereiten eine Roman Candio-Monografie vor

Sie bereiten eine Candio-Monografie vor: (v.l.) Initiant Bruno Frangi, Roman Candio, Heinrich Breiter und Roswitha Schild.

Sie bereiten eine Candio-Monografie vor: (v.l.) Initiant Bruno Frangi, Roman Candio, Heinrich Breiter und Roswitha Schild.

Die erste umfassende Monografie zum Schaffen von Maler Roman Candio (85) aus Solothurn ist am Entstehen. Eine Projektgruppe reist derzeit den Werken nach. Ende 2021 soll die Monografie erscheinen.

Drei Kunstliebhaber reisen gegenwärtig mit Roman Candio durch die Deutschschweiz, besuchen Kirchen, Schulen, Amtshäuser, spüren den öffentlichen Kunstwerken des bekannten Solothurner Künstlers nach. Die Gruppe staunt ob der Fülle an Kunst am Bau: Glasfenster, Fresken, Malereien, Tücher. Sakrale Themen vereinen sich mit der für Candio typischen Sinnlichkeit. Heinrich Breiter fotografiert die Werke, Kunsthistorikerin und Autorin Roswitha Schild geht auf den künstlerischen Kontext ein, Bruno Frangi koordiniert und plant.

Roman Candio musste 85 Jahre alt werden, bis sich eine Projektgruppe aufmachte, eine Monografie zu seinem Lebenswerk zu erarbeiten. Es gehört ja zu den Aufgaben der Generation, die den Künstler persönlich kennt und mit seinem Schaffen verbunden ist, seine Werke einer Gesamtschau zu unterziehen.

Eine Lücke soll geschlossen werden

Initiant Frangi, seit langem mit Roman Candio befreundet, realisierte vor rund zwei Jahren, wie viel der Künstler für den öffentlichen Raum geschaffen hat. Einen entsprechend breiten Raum wird Candios Kunst am Bau in der Monografie einnehmen. Zumal bis heute keine umfassende Darstellung und Würdigung vorliegt. Ausser dem 2011 von Roswitha Schild und Annemarie Monteil verfassten Buch «Franz Gloor/Roman Candio: Fotograf/Maler» sind der 1988 vom Kunstmuseum Solothurn lancierte Werkkatalog und Peter Killers «Mini-Akt» von 2005 sowie Ausstellungskataloge greifbar.

Dies gab Publizist Bruno Frangi, der bereits ein Buch über den Bildhauer und Maler Jakob Weder veröffentlichte (ein Lehrer Candios) und den Kunstweg «L’Art» in Langenthal mitinitiierte, den Ausschlag, sich noch intensiver mit Candios Werk im öffentlichen Raum zu befassen und ein Projektteam zu bilden. Er meint: «Gemeinsam wollen wir eine Lücke schliessen.»

«Candios Werk ist reduziert, nie altbacken, Farbe, Form und Komposition sind zeitungebunden. Für ihn ist die architektonische Komponente eines Raumes wichtig. Er lässt sich völlig auf den Raum ein, arbeitet mit geometrischen und abstrakten Formen. Modeströmungen und Zeittypisches fehlen, dies macht seine Kunst so besonders», analysiert Kunsthistorikerin Roswitha Schild. Eigenschaften, von denen sich die Candio-Bewunderer immer wieder begeistern lassen.

Roman Candio selbst beurteilt Vergangenes differenziert. Offenbart, dass er heute eventuell einiges anders machen würde. Jedoch stimme es für die Zeit, in der die Werke entstanden seien, resümiert er zufrieden. Er schaut in die Runde und meint: «Es ist so spannend, mit euch alles nochmals ansehen und diskutieren zu können. Ich bin glücklich.»

Er habe wohl wenig aufgeschrieben, doch das Projektteam bestätigt sein exaktes Erinnerungsvermögen, welches beim Aufspüren der Werke hilft. Trotzdem sind wohl noch etliche Frühwerke im Umlauf, die noch nie katalogisiert wurden.

Roman Candio in der Galerie Abbühl

Ausstellung von Roman Candio in der Galerie Abbühl (Oktober 2019)

Roman Candio in der Galerie Abbühl

Roman Candio ist beim Wiedersehen erstaunt

Wie bekannt der Solothurner und wie geschätzt seine Kunst allerorts ist, verdeutlichen Reaktionen beim Besichtigen der Werke. «In Adorf begrüsste uns der Pfarrherr, der eigens auf uns wartete, um begeistert von den Erlebnissen aus der Zeit als junger Seelsorger zu berichten, als Candio den Innenraum ‹seiner› Kirche gestaltete», so Frangi.

1983 bekam Candio den Auftrag, das Personalrestaurant der Kambly SA in Trubschachen künstlerisch zu schmücken. «Die Kunst und der Raum verbinden sich ideal», lobt Roswitha Schild. Beim Wiederentdecken wurde die Besuchergruppe vom Firmenpatriarch persönlich willkommen geheissen. Selbst Roman Candio staunte: «Ich bin immer noch stolz auf das Geschaffene. Nichts von verstaubt. Es könnte von gestern sein.»

Die Entdeckungsreise zu bekannten und weniger beachteten Schätzen in öffentlichen Räumen geht weiter. Auch in der Region Solothurn, wo Kirchen in Grenchen, Lohn und Zuchwil mit den unverwechselbaren Kompositionen und Lichtgestalten aus Roman Candios Farbkosmos punkten. Die Ausstrahlung und künstlerische Qualität dieser Kunst am Bau – und all seiner Werke – zeigt die Notwendigkeit, Roman Candios Schaffen zu dokumentieren und für nachfolgende Generationen zugänglich zu machen», ist das Projektteam überzeugt.

Ende 2021 soll die Monografie erscheinen. Geplant ist auch eine limitierte Spezialedition mit beigelegtem Originalaquarell. «Ich muss anfangen, zu malen, damit ich bei der Publikation mit genügend Aquarellen gerüstet bin», lächelt Roman Candio und man spürt, wie viel ihm die Monografie, dieses Altersgeschenk, bedeutet.

Wer Gemälde oder Skizzen von Roman Candio besitzt, kann sich unter info@romancandio.ch melden.

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