Dünnern

Eine halbe Milliarde Schaden bei Jahrhundert-Hochwasser - zwei gibt Möglichkeiten, dies zu verhindern

Die Dünnern im Gäu. Es gab schon lange kein grosses Hochwasser mehr im Gäu, aber wenn , dann wäre mit enormen Schäden zu rechnen.

Die Dünnern im Gäu. Es gab schon lange kein grosses Hochwasser mehr im Gäu, aber wenn , dann wäre mit enormen Schäden zu rechnen.

Käme es zu einem Jahrhundert-Hochwasser, wäre entlang der Dünnern zwischen Oensingen und Olten mit Schäden von einer halben Milliarde zu rechnen. Das Projekt Hochwasserschutz geht nun in die nächste Phase.

Nach einer neuerlichen Vernehmlassung zu den favorisierten Varianten für den Hochwasserschutz entlang der Dünnern zwischen Oensingen und Olten sieht sich das Baudepartement bestätigt: Die Empfehlung, die beiden Varianten «Durchleiten» und «Rückhalt Dünnerngrube» auf Vorprojektstufe zu vertiefen, wurde grossmehrheitlich begrüsst. Das heisst allerdings nicht, dass aus Landwirtschaftskreisen nicht nach wie vor generell grosse Vorbehalte zum Vorhaben wegen dem Kulturlandverlust gäbe. Vor einem definitiven Entscheid gibt der Kanton nun Vorprojekte für die beiden Lösungen in Auftrag. Eine sieht mehr Platz für die Dünnern auf der ganzen Strecke von Oensingen bis Olten vor, die andere kommt dank einem Rückhaltebecken im Raum Oensingen mit weniger Schutzmassnahmen entlang der Fliessstrecke aus.

Voraussichtlich Ende 2021 soll basierend auf der Gegenüberstellung der beiden Vorprojekte eine «breit akzeptierte Bestvariante» vorliegen, heisst es in einer Mitteilung der Staatskanzlei. Erst dann folgen das für das Vorhaben notwendige Richtplanverfahren, die Erarbeitung von Bau- und Auflageprojekten und das Bewilligungsverfahren. Mit einem Baustart ist damit nicht vor 2025 zu rechnen.

Gewaltiges Schadenspotenzial

Grosse Überschwemmungen hat es im Gäu zwar schon lange nicht mehr gegeben, das liess das Bewusstsein für die von der Dünnern ausgehende Hochwassergefahr etwas schwinden. Aber das Risiko ist nicht zu unterschätzen, gerade auch im Hinblick auf die klimatischen Veränderungen. Und das Schadenspotenzial ist gewaltig: Das Ausmass der Schäden an Gebäuden, Bahnlinien, Strassen und Kulturland bei einem Jahrhundert-Hochwasser wird auf über eine halbe Milliarde Franken geschätzt.

Darum startete 2016 das Projekt «Hochwasserschutz und Revitalisierung der Dünnern». Zunächst mit einer Vorstudie, die sich auf den Raum Oensingen/Oberbuchsiten konzentrierte, später wurde dann die Situation bis Olten vertieft betrachtet. Geprüft wurden verschiedene Möglichkeiten, unter anderem auch Schutzmassnahmen am Oberlauf der Dünnern im Thal und oberhalb von Balsthal. Es zeigte sich aber, dass damit nicht der nötige Schutz für die Gemeinden ab Oensingen erreicht werden könnte. Eine weitere Variante wäre, das Hochwasser über einen mehrere Kilometer langen unterirdischen Stollen direkt in die Aare zu leiten. Die Kostenschätzungen für ein solches Vorhaben lagen allerdings je nach Stollenführung bei weit über 200 Millionen Franken, während sie für die nun favorisierten Varianten bei unter 100 bis 125 Millionen liegen.

Bei der Variante «Durchleiten» würde die Abflusskapazität mit Gewässerverbreiterungen und Ufererhöhungen auf der ganzen Strecke zwischen Oensingen und Olten so erhöht, dass die Dünnern einem Jahrhundert-Hochwaser standhalten würde. Dazu sind auf der ganzen Strecke Eingriffe an der Uferverbauung, an Brücken und an Durchlässen erforderlich. Auf einer Gesamtlänge von rund 13 Kilometern muss das Flussbett verbreitert werden. Bei der Variante «Rückhalten» würde ein Teil des Hochwassers bei Oensingen aus der Dünnern ausgeleitet und in einem Rückhaltebecken zwischengespeichert.

Genaue Grösse und Lage des Rückhaltebeckens stehen noch nicht fest, auf jeden Fall würde bei einem Hochwasser eine Fläche von mehreren 100 000 Quadratmetern gezielt überflutet. Bei dieser Variante gelangt das Wasser nach dem Hochwasser unter der Autobahn hindurch wieder zurück in die Dünnern. Je nach Volumen des Rückhaltebeckens wären dann auf der Strecke zwischen Oensingen und Olten nur noch lokale Ufererhöhungen und Anpassungen an wenigen Brücken erforderlich.

In der Vernehmlassung bei Gemeinden, Bauernverband, Umwelt- und Wasser-Zweckverbänden stiess die Variante mit Rückhaltebecken auf mehr Akzeptanz. Die Variante «Durchleiten» wird auf Grund des grösseren Landverbrauchs kritischer beurteilt. Landwirtschaftskreise lehnen sie deswegen sogar klar ab, von Seiten der Wasserversorger gibt es Vorbehalte wegen möglicher Infiltration von Dünnernwasser ins Grundwasser.

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Autor

Urs Moser

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