Von A wie Agrarpraktiker bis Z wie Zeichnerin Fachrichtungen Architektur und Ingenierbau präsentieren sich dieser Tage in der Oltner Stadthalle insgesamt 62 Aussteller lehrstellensuchenden Schülerinnen und Schülern. «Zudem erwarten wir 7000 Besucher in diesen drei Tagen», erklärt Nadine Walther von der Wirtschaftsförderung Region Olten. «Und zwar aus dem Oberaargau, dem ganzen Kanton Solothurn wie beispielsweise Grenchen und aus Teilen des Kantons Aargau.»

Zwei dieser Besucherinnen sind Telma Gerber und Emily Ziörjen, sie sind beide 13 Jahre alt. Zusammen mit ihren Klassenkameraden und ihrem Lehrer Marco Barone besuchen sie die Berufsinfo-Messe (BIM). Nach einem kurzen «Briefing» im Infozelt, geht der Rundgang los. Die beiden Schülerinnen irren nicht planlos durch die Stände und versuchen, möglichst viele Süssigkeiten oder Kugelschreiber abzusahnen.

Telma und Emily haben klare Aufträge: Zum einen müssen sie ein Interview mit einer Berufsperson durchführen und zum anderen müssen sie Infos zu zwei weiteren Berufen sammeln und anhand dieser einen Steckbrief ausfüllen.

Plastiktaschen und Glacés

Mit diesen Aufgaben sind die beiden Schülerinnen, die im aargauischen Brittnau die 2. Sekundarschule besuchen, im Kanton Solothurn entspricht dies der zweiten Sek E, längst nicht alleine. Viele Schülerinnen und Schüler quetschen sich mit mindestens einem Blatt beschriftetem Papier durch die dicht gedrängten Wege zwischen den Ständen. Manche tragen farbige Plastiktaschen mit sich herum. Wieder andere schlecken halt doch morgens um halb zehn die erste Glacé.

Das aufgetragene Interview führen die beiden Mädchen am Stand der Solothurner Spitäler AG, sie interessieren sich für den Beruf der Fachfrau Gesundheit (FaGe). Anschliessend geht es weiter zu jenem der Bäcker-Confiseure der Kantone Bern und Solothurn. Dort füllen sie zusammen mit Markus Bähler, dem Ausbildungsbeauftragten des Verbandes der Bäcker-Confiseure Bern-Solothurn den Steckbrief aus.

Interessiert stellen sie Fragen zum Unterschied von Konditor und Confiseur, wollen wissen, ob Asthma den Berufsalltag erschweren könnte und welche Weiterbildungsmöglichkeiten vorhanden sind. Bähler gibt ihnen gekonnt Antwort und berichtet später, dass das Interesse der Schülerinnen und Schüler unterschiedlich sei: «Es kommt stark darauf an, wie sie von den Lehrern vorbereitet werden, ob sie den Rundgang seriös machen oder ob sie einfach nur hier sind, weil sie ihre Hausaufgaben erledigen müssen.»

«Zu wenig Frauenberufe »

Weiter geht es mit Emily und Telma in den Eingangsbereich der Stadthalle, dort befindet sich der Stand der Coiffeure Suisse und davor eine grosse Schlange. Alle wollen sie sich über den Beruf informieren und alle sind sie Mädchen.

Allgemein ist Telma Gerber der Meinung, dass zu wenig «Frauenberufe» ausgestellt sind: «Das, was ich gerne lernen möchte, Kosmetikerin, ist zum Beispiel nicht dabei.» Auch Emily Ziörjens Wunschberuf, Innendekorateurin, wird nicht präsentiert.

Mit welchen Zielen sind sie denn hierher gekommen, wenn ihre Wunsch-Lehrstellen ja doch nicht vorgestellt werden: «Ich wollte unbedingt den Bäcker-Stand anschauen, weil ich mir auch diesen Beruf als Lehrstelle vorstellen könnte», weiss Emily. Als Vorbereitung auf die Messe hat sie sich auf der Homepage der BIM darüber informiert.

Nach zwei Stunden voller neuen Infos macht sich die Klasse auf den Heimweg. Was bleibt den Mädchen von ihrem Rundgang durch die Berufsinfo-Messe? «Ich habe gelernt, offen auf die Leute zuzugehen und ihnen gezielte Fragen zu stellen.» Ausserdem wissen sie nun, was sie als Nächstes machen möchten: «Als FaGe oder Coiffeuse schnuppern gehen», sagt Telma. «Oder als Innendekorateurin», ergänzt Emily.