Dass ein Preisträger gleich auch die Plattform bietet, über die man sich für seine Auszeichnungsfeier Plätze ergattern kann, passte als mutmassliche Premiere bestens zur Vergabe des diesjährigen InnoPrix SoBa im Stadttheater Olten. Unter den 95 aktuellen Events auf der Website des Oltner Onlineportals Ticketfrog figurierte nämlich an erster Stelle ein auf 40 Gratis-Plätze beschränktes Kontingent an der Preisverleihung.

Die Pointe an der ganzen Sache: Ticketfrog schaltete die Veranstaltung im Rahmen der diese Woche laufenden Innovationstage online, bevor das Start-up-Unternehmen erfuhr, dass es im Final die Mitbewerber ausgestochen hatte.

Eine Marktnische für Kleine

Den zusätzlichen Kanal hätte es für das gut gefüllte Stadttheater in diesem Fall gar nicht gebraucht. Viele Turnvereine, Musikgesellschaften und andere kleinere Veranstalter haben aber die neue Vertriebsmöglichkeit seit ihrer Lancierung im Juli dieses Jahres schon schätzen gelernt.

Das aus der Firma MySign in einem zweijährigen Entwicklungsprozess entwachsene Jungunternehmen versucht im Markt eine Nische zu besetzen, indem es Billette gebührenfrei vom Veranstalter zum Käufer vermittelt. Werbekunden, die ihre Produkte zielgruppengerecht auf den Tickets anpreisen, sollen das Geschäft auch finanziell zum Laufen bringen.

Den ersten Schritt, die Veranstalter für den neuen Weg zu begeistern, haben die Promotoren bereits erreicht. «Die Herausforderung liegt darin, eine kritische Masse zu erreichen, um genügend Werbekunden zu gewinnen», gibt Urs Koller vom Gründertrio unumwunden zu.

Doodle der Veranstalter werden

«Die geniale, einfache Idee und die topprofessionelle Umsetzung haben uns überzeugt», begründete Jürg Liechti als Präsident der Stiftung der Baloise Bank SoBa zur Förderung der solothurnischen Wirtschaft, wieso Ticketfrog unter anfänglich rund 30 Bewerbern das Rennen machte.

Mitgründer Mike Müller wies darauf hin, dass Innovation bereits in der Mutterfirma MySign zur Essenz gehöre und gab als ehrgeiziges Ziel vor, Ticketfrog dereinst als Veranstalter-Doodle zu etablieren. In einem Markt, der sich von der Papier-Eintrittskarte verabschiedet und zum Ticket auf dem Handy bewegt, möchten die Oltner selber eine Umwälzung bewirken.

Die eigentliche Konkurrenz für Ticketfrog sind wohl nicht die klassischen Marktdominatoren. «Ticketcorner und Starticket fusionieren aus Angst vor uns», witzelte Reto Baumgartner als Dritter im Bunde über das unruhige Umfeld. Vielmehr könnte es ein anderer Player sein, der das verwendete Rezept schnell kopiert.

Solange die Jungspunde in der Branche belächelt werden, möchten sie deshalb schnell wachsen. Aus aktuell sieben sollen bis in einem halben Jahr 14 Mitarbeitende werden. Das Preisgeld von 25 000 Franken könnte laut Baumgartner dazu dienen, einen Mitbewerber zu übernehmen.

Innovationen brauchen Freiraum

Stiftungsratspräsident Jürg Liechti pochte in seinem Referat darauf, die Rahmenbedingungen für die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft nicht zu verschlechtern. Viele Menschen empfänden mit der einen Hirnhälfte Neuerungen als positiv, doch in der anderen dominierten Sicherheitsdenken, Überregulierung und Angst vor Veränderungen. «Und die beiden Hälften kommunizieren oft nicht miteinander.»

Als SoBa-CEO und InnoPrix-Geschäftsführer unterstrich Jürg Ritz in den Zeiten von Währungsdruck und Digitalisierung die Bedeutung eines steten Innovationsprozesses in allen Unternehmen: «Wer nicht permanent dran bleibt, bekommt ein Problem.» Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler würdigte die in der heutigen Wirtschaftsbeilage dieser Zeitung porträtierte Preisträgerin als Musterbeispiel, das beweise, wie gerade kleine Unternehmen Innovationen schnell voranbringen könnten.

«Vergesst das Menschliche nicht», setzte Gastreferent Dany Gehrig am Abend auch einen Kontrapunkt. Der CEO der Globetrotter Travel Service AG zeigte auf, wie ein von vielen als verstaubt verschrienes Reisebüro dieses Jahr weniger wegen technischer Innovationen, sondern dank persönlicher Beratung schon seinen 40. Geburtstag feiern konnte.