Theater Orchester Biel Solothurn

«Ein absoluter Aufsteller» für Kapuzinerbrüder: Tobs-Musiker geben Minikonzert im Garten

Wegen des Coronavirus mussten alle Veranstaltungen des Theater Orchester Biel Solothurn abgesagt werden. Musikerinnen und Musiker sind aber derzeit unterwegs und spielen in Gärten und Innenhöfen – auch im Kanton Solothurn.

Normalerweise finden durchs Jahr hindurch im Kapuzinerkloster Olten viele Konzerte statt. Doch ein solches haben die Brüder noch nie erlebt. Am Dienstagabend spielten drei Mitglieder des Sinfonie Orchesters Biel Solothurn nur für sie. Zehn Brüder durften auf dem Platz mit dem von Geranien umsäumten Brunnen Platz nehmen und zuhören. Zwei Männer und eine Frau spielten auf Kontrabass, Klarinette und Harfe. «Es war wunderschön und ein absoluter Aufsteller», schwärmt Guardian Joseph Bründler von der «Top-Musik». Die Nachbarn hätten von ihren Balkonen zugehört. Im Anschluss an das Konzert habe man mit den Musikern noch einen Apéro genossen und sich ausgetauscht. 

Als er Anfang Mai die Anfrage erhielt, ob ein Konzert im Garten möglich wäre, habe er zuerst ans ganze Sinfonieorchester gedacht und sich gewundert. Doch man habe ihn dann aufgeklärt. Ein Konzert nur für einen kleinen Kreis, das sei ein toller Gedanke, meint Bruder Joseph. «Es hat absolut Geschenk-Charakter.»

Konzert dreier Musiker vom Sinfonie Orchester Biel Solothurn im Oltner Klostergarten

Konzert dreier Musiker vom Sinfonie Orchester Biel Solothurn im Oltner Klostergarten

   

Einige Orte – wie das Kapuzinerkloster in Olten – werden über das Orchesterbüro angefragt. Andere kommen durch Musikerinnen und Musiker auf den Tourplan. In einigen Fällen haben auch die Institutionen aus der Region das Büro wegen Konzerten kontaktiert. Seit dem 10. Mai fanden 36 solche Mini-Konzerte statt – sechs davon im Kanton Solothurn. Konkret: Viermal wurde in Olten und zweimal in Lohn-Ammannsegg gespielt. «Es ist noch ein weiterer konkreter Termin in Lohn-Ammannsegg vorgesehen, weitere Konzerte sind bisher bis und mit 8. Juni in Planung», heisst es beim Theater Orchester Biel Solothurn (Tobs) auf Anfrage.

Kleine Konzerte für starke Emotionen

Chefdirigent Kaspar Zehnder sei «sehr» zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. «Als subventioniertes Orchester soll man ein Zeichen setzen», erklärt er gegenüber dem «Regionaljournal Aargau-Solothurn» seine Idee. Die 10-minütigen Konzerte seien eine Beschäftigung für die Musiker. «Die Musiker sind vom Staat, von der Stadt angestellt und sollten etwas arbeiten.»

Das ist die eine Seite der Mini-Konzerte. Die andere: Publikum und Orchester sollen wieder zusammenfinden. «Es geht stark um Emotionen, Energie und auch um Spiritualität. Ein Video kann das nicht ersetzen.» Deshalb war für Kaspar Zehnder klar, das Live-Konzert möglichst rasch wiederzubeleben. Dabei sei die Grösse des Publikums nicht wichtig. Im Extremfall handle es sich um einen Musiker und einen Zuhörer und darum um eine starke Emotion. 

In «normalen Zeiten» seien 10 bis 15 Leute im Publikum als sehr wenig eingeschätzt worden. «Musiker hatten das Gefühl, dass das Konzert es nicht wert war», so Zehnder. Jetzt könne ein Konzert mit sehr wenigen Zuhörern plötzlich eine ganz andere Energie freisetzen. Das habe er auch festgestellt, als er an Ostern seinen 88-jährigen Eltern ein Stück vorspielte. «Die Emotionen waren nicht nur auf Seite der Zuhörer, sondern auch bei mir. So bin ich eigentlich auf die Idee gekommen.»

Es wird nur bei Privaten gespielt

Kommen denn die Konzerte nicht in Konflikt mit der aktuell geltenden Fünfpersonen-Regel des Bundesamts für Gesundheit? Nein, denn das Versammlungsverbot wird umgangen, indem nicht auf öffentlichen Plätzen sondern nur bei Privaten und auch nur in Absprache mit beispielsweise einer Heimleitung musiziert wird. Die Abstands- und Hygienemassnahmen werden in allen Fällen eingehalten.

In welchen Gruppen aufgetreten wird, entscheiden die Musiker selbst. So sind denn auch vom Solo-Auftritt bis zum Quintett viele verschiedene Formationen unterwegs. Die Musiker würden sich sehr freuen, wieder live für ihr Publikum zu spielen, heisst es von seiten Tobs. Die Situation sei von Ort zu Ort neu und teilweise auch ungewohnt. Dies beispielsweise, wenn hinter einem Zaun gespielt werden muss. «Die schöne Rückmeldung, die sie vom Publikum erfahren dürfen, entschädigt für vieles.»

Bald schon soll wieder das ganze Orchester auftreten. Am 17. Juni soll im Kongresshaus Biel das Sinfoniekonzert «Verklärte Nacht» aufgeführt werden. Geprobt wird dafür in kleinen Gruppen. Ob Publikum dabei sein darf, ist noch nicht klar. Es wird aber so oder so stattfinden, von TeleBielingue aufgezeichnet und als Live-Stream und später auch im TV übertragen. 

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