Rund 390 Millionen

Durststrecke überbrücken: Über 3100 Solothurner KMU haben Covid-19-Kredite erhalten

Wegen der Coronakrise wurden unbürokratisch Kredite verteilt. (Symbolbild)

Wegen der Coronakrise wurden unbürokratisch Kredite verteilt. (Symbolbild)

Eine Umfrage bei diversen Banken zeigt: Über 3100 Solothurner Klein- und Mittelbetriebe haben Covid-19-Kredite erhalten. Insgesamt wurden rund 390 Millionen Franken bewilligt. Neben der Gastronomie stammen die Kreditanträge häufig aus dem Detailhandel.

Keine Frage: Die Folgen der Coronakrise treffen die Solothurner Wirtschaft schwer. Nicht nur die im Kanton stark vertretene Zuliefer- und Exportindustrie ist massiv tangiert worden. Vielmehr führte der Zwangsstillstand in praktisch allen Branchen zu Liquiditätsengpässen – ja gar zu existenziellen Notlagen. Da erweis sich die am 26. März vom Bund mit den Covid-19-Krediten in Windeseile geschaffene Möglichkeit der finanziellen Überbrückungshilfen für viele Firmen – von der Imbissbude bis zum international tätigen Grosskonzern – als quasi letzte Rettung in der Not.

In den ersten Tagen und Wochen nach der Lancierung der Covid-19-Kredite ergoss sich eine riesige Welle über die Banken. Zwar hat sich der Ansturm von Gesuchstellern inzwischen nach und nach wieder beruhigt. Doch zeigt eine neue Umfrage – nach einer ersten Ende April - bei einer Auswahl im Kanton tätiger Bankinstitute, dass auch in den Monaten Mai und Juni noch etliche weitere Gesuche eingingen. Hatten diese Banken Ende April bereits rund 2760 Gesuche gezählt, waren es Ende Juni nun mehr als 3100. In der gleichen Zeit stieg die Summe der von den angefragten Banken bewilligten Covid-19-Kredite noch einmal von rund 315 Mio. auf total gut 390 Mio. Franken an. Dazu kommen selbstverständlich auch noch die von anderen Banken im Kanton vergebenen Covid-Kredite.

Gastronomiebranche ist massiv betroffen

«Querbeet», lautet auch in der zweiten Umfragerunde die Antwort der meisten Bankensprecher zur Frage, aus welchen Branchen die Unterstützungsgesuche eingegangen sind. Besonders bei den regionaler ausgerichteten Instituten ist allerdings ein «Spitzenreiter» offensichtlich: «Die Gastronomiebranche, die ihre Lokale von einem Tag auf den andern schliessen musste, war sehr stark von den Auswirkungen der Pandemie betroffen», bringt es Regiobank Solothurn-Sprecherin Jennifer Schneider auf den Punkt.

«Der Gastrobereich sticht klar aus allen übrigen Branchen heraus», bilanziert auch Thomas Vogt, Chef der Spar- und Leihkasse Bucheggberg. Und gemäss Kommunikationschef Simon Bickel rangieren auch bei der Valiant-Bank Restaurants, Imbissbuden und Caféterias vor den Branchen Auto, Bau, Reisebüros und Architektur. «Detailhandel und Restaurants», lautet die Antwort von Christine Honegger, Kommunikationschefin der Aargauer Kantonalbank.

Bei der Baloise Bank SoBa, stammen die Gesuche laut Medienchef Roberto Brunazzi – neben der Gastronomie – primär aus dem Detail- und Grosshandel sowie aus dem Baugewerbe. Praktisch identische Feststellungen machen für die Berner Kantonalbank auch Mediensprecher Joël Grandchamp und für die Credit Suisse Mediensprecherin Cécile Rietschi. Sie definiert die Spannweite der von der CS bewilligten Kredite von bescheidenen 350 Franken bis zu einer stolzen Summe von 19,5 Mio. Franken.

Die durchschnittliche Höhe der von den befragten Banken bewilligten Einzelsummen liegt in der Grössenordnung von 120'000 Franken.

Covid-Plus-Kredite schlagen schwer zu Buche

Die grosse Mehrzahl der genannten Gesuche betraf die vom Bund garantierten Covid-19-Kredite, mit einer Obergrenze von 0,5 Mio. Franken. Doch auch mehrere darüber hinaus gehende Summen bis zum Limit von 20 Mio. Franken wurden im Rahmen der Covid-Plus-Kredite vergeben. Bei diesen hat auch die beteiligte Bank einen Teil des Risikos mitzutragen. Entsprechend kommen «für diese Kredite in der Regel primär die Hausbanken zum Zuge», wie Thomas Sommerhalder, Regionaldirektor Aargau-Solothurn der UBS, die Bedeutung eines gewachsenen Vertrauensverhältnisses auch schon unterstrichen hat.

Die von der Credit Suisse für den Kanton Solothurn genannten Zahlen machen die Dimensionen deutlich: So schlagen hier die 6 Covid-Plus-Kredite mit einer Summe von 45,6 Mio. Franken fast gleich stark zu Buche, wie die Gesamtsumme von 47,5 Mio. Franken für die 340 «normalen» Covid-Kredite. «Hier stammen die Gesuche hauptsächlich aus dem Grosshandel, dem Detailhandel und dem Handel mit Motorfahrzeugen», erklärt Cécil Rietschi.

Die Regiobank Solothurn vergab drei Covid-Plus-Kredite an Firmen des Maschinenbaus und der Gastronomie. Von den Raiffeisenbanken im Kanton ist in einem Fall ein Betrag von 1,5 Mio. Franken an ein Handelsunternehmen freigegeben worden. Die Berner Kantonalbankverzeichnete im Marktgebiet Nord (Solothurn-Seeland-Berner Jura) gemäss Sprecher Martin Grossmann 2 Gesuche aus dem Industriesektor.

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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