Trockenphase
Dürre Pflanzen, fehlendes Futter: Die Solothurner Landwirtschaft leidet

Auch auf Feldern im Kanton herrscht eine Art Stillstand – verursacht durch die Trockenphase. Derzeit kann nicht wachsen, was normalerweise im April fleissig aus dem Boden spriesst: Erbsen und Getreide etwa. Gleichzeitig trocknet Gras aus – und fehlt später im Stall als Tierfutter.

Noëlle Karpf
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Seit rund einem Monat hat es nicht - oder kaum - geregnet im Kanton Solothurn.

Seit rund einem Monat hat es nicht - oder kaum - geregnet im Kanton Solothurn.

Hanspeter Bärtschi

Trocken ist es im Kanton: Auf Feldern und in Wälder – dort herrscht derzeit gar grosse Brandgefahr. Seit Tagen hat es nicht geregnet. Wenn man sich die Gesamtmenge an Regen anschaut, die dieses Jahr schon im Kanton gefallen ist, unterscheidet sich das Jahr 2020 bis anhin nicht von den Vorjahren. Aber: Als «sehr untypisch» bezeichnet Gabriela Friedl vom Solothurner Amt für Umwelt die Situation, wenn man nur den Monat April anschaut.

Denn: Dem Durchschnitt entsprechen würden 80 Millimeter Regen im April. Die Menge, die Friedl nun dem Messsystem entnimmt, kommen nie und nimmer an diesen Wert heran. Je nach Region gab es diesen Monat keinen – 0,0 Millimeter – oder kaum – rund 2 Millimeter –Niederschlag im Kanton. Das macht auch der Natur zu schaffen – und damit der Landwirtschaft.

Der Regen fehlt: «Die Kulturen haben Hunger»

Barbara Graf ist Landwirtschaftslehrerin und -beraterin am kantonalen Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz. Sie kann erklären, wo genau der fehlende Regen der Natur zu schaffen macht. Einerseits: «Im April geht normalerweise viel – der Boden erwärmt sich, viele Pflanzen beginnen zu wachsen.» Auch Kulturen, die man im März oder April frisch angesät hat. Sonnenblumen, Zuckerrüben, Erbsen oder Mais etwa. Im Moment herrscht laut Graf aber Stillstand.

Das Problem: «Das Saatgut konnten noch keine Wurzeln schlagen.» Kriegen die Samen oberflächlich kein Wasser, können sie nicht keimen – bereits vorhandene Keime können nicht oder nur teilweise wachsen. Das was wächst, fällt dann zudem eher Schädlingen zum Opfer. Zudem picken auch Vögel an frischen Pflänzli oder Saatgut, weil sie im Boden derzeit keine Würmer zum Fressen finden.

Nicht nur junge Pflanzen, sondern auch Kulturen, die schon im Herbst gesät worden sind, haben es im trockenen Frühling schwer. Dazu zählen laut Graf etwa Getreide oder Gras. «Diesen Kulturen fehlen nun wichtige Nährstoffe, um richtig wachsen zu können; einfach gesagt haben sie Hunger.» Wer organisch – mit Gülle – düngt, kann dem Boden die nötige Feuchtigkeit und Nährstoffe verabreichen. Wer aber mineralisch düngt, kann seine Pflanzen kaum zum Wachsen bringen. Denn der gestreute Dünger kann sich nicht mit Wasser vermischen; und ist damit eigentlich wirkungslos.

Graf kann keine genauen Prognosen für den ganzen Kanton abgeben. Es gebe sicher kargere Felder, aber auch solche, auf denen die Kulturen der Trockenheit trotzten, weil etwa die Böden besser Wasser speichern können, oder der Betrieb eben mit Gülle düngen kann. Dazu kommt: «Für die diesjährige Ernte sind auch die Folgemonate entscheidend. Die Situation kann sich immer noch in beide Richtungen ändern – je nachdem, wie viel und wann es Niederschläge gibt.» Sicher ist aber: Die Trockenheit bedeutet für so manchen Betrieb im Kanton Einbussen.

Bewässern ist nicht für alle Betriebe eine Option

«Die Folgen sind schwierig abzuschätzen», sagt Martin Flury am Telefon. «Die aktuelle Trockenheit kann zu Ausfällen 500 bis 10 000 Franken führen.» Flury ist Landwirt in Deitingen. Er besitzt Felder, auf denen genau das wächst, was laut Infos vom Bildungszentrum Wallierhof unter dem fehlenden Regen leidet: Sonnenblumen und Zuckerrüben, aber auch Gras und Getreide.

Martin Flury Der Deitinger Landwirt in seinem Sonnenblumenfeld

Martin Flury Der Deitinger Landwirt in seinem Sonnenblumenfeld

Hansjörg Sahli

Als vielschichtig beschreibt Flury die Sorgen, welche die Landwirtschaft derzeit umtreiben. Auch im Bereich Futterproduktion. Wenn das Gras nicht wächst, hat ein Landwirt bereits Schäden aufgrund der eingekauften Samen, die keinen Ertrag bringen. Er muss nochmals Saatgut besorgen und sähen – und hat derweil kein Tierfutter, weil er kein Gras zu Heu verarbeiten konnte. So muss der Landwirt zusätzliches Futter einkaufen; und das wird wiederum teuer, wenn die Nachfrage steigt.

Laut Flury dürften die Betriebe im Kanton derzeit nämlich alle ähnliche Probleme haben. Zum fehlenden Regen kommt ausserdem: «Die aktuelle Bise hilft, die Böden zusätzlich auszutrocknen.» Auch Flury hofft deshalb auf Niederschlag in den nächsten Tagen.

Bewässerungsanlagen könnten zwar Abhilfe schaffen. Nur: «Dafür braucht man eine Bewilligung und nur wenige Betriebe sind mit einer Anlage ausgerüstet», erklärt Flury. Dazu zählen etwa Gemüsebetriebe, die eher kleinere Flächen bewirtschaften und ihre Ernte –jedes Jahr – auf einen bestimmten Termin abliefern müssen und deshalb auf die Bewässerung angewiesen sind. Diese machen laut Flury aber nur einen kleinen Teil in der Solothurner Landwirtschaft aus.

Immerhin: Keine Sorge um Gewässer im Kanton

Während die Situation in der Landwirtschaft kritisch ist, wirkt sich der fehlende Niederschlag kaum auf die Gewässer im Kanton aus. «Noch an keinem Ort wurden Mindestmengen unterschritten, so dass wir hätten reagieren müssen», erklärt Christoph Dietschi, Abteilungsleiter Wasserbauprojekte beim Kanton. So gilt etwa kein Wasserentnahmeverbot, wie man es in trockenen Sommern schon erlassen musste. Prognosen für diesen Sommer abzugeben, sei schwierig, so Dietschi weiter. «Wenn es in nächster Zeit wieder viel regnet ist statistisch gesehen die Trockenheit des letzten Monats schon wieder vergessen.»

Und in Sachen Grundwasser braucht es noch einiges mehr, bis sich ein regenarmer Monat auf die Bestände auswirkt. «Im Bereich Wasser sorgt die aktuelle Situation also noch für gar keine Probleme»; fasst Dietschi zusammen. Im Gegensatz zu anderen Bereichen – wie eben der Landwirtschaft.