Landwirtschaft

Drohne kann Rehkitze vor dem Tod retten – doch noch sind nicht alle Bauern genügend sensibilisiert

Seit die Repla Espace Solothurn 2016 mit dem Projekt «Rehkitzrettung mit Drohnen» startete, werden immer häufiger Drohnen eingesetzt, um die Wildtiere vor dem Tod durch den Mäher zu retten. Die Drohne kommt aber noch längst nicht überall zum Einsatz.

Es ist noch frühmorgens, als sich die kleine Gruppe von Jägern und Drohnenpiloten am Waldrand in Kyburg-Buchegg einfindet. Heute sollen im Revier Aetingen drei Heumatten mit einer Drohne abgesucht werden, bevor sie von den Bauern gemäht werden. Auf diese Weise sollen beispielsweise Rehkitze oder Füchse davor bewahrt werden, «vermäht» zu werden und einen grauenvollen Tod zu sterben.

Bereits am Abend zuvor wurden von einigen Mitgliedern des Jagdvereins entlang der Felder Stöcke aufgestellt, auf die weisse Säcke gestülpt wurden. Die sogenannte Verblendung soll die Tiere in der Zwischenzeit von der Wiese fernhalten. Möglichst früh am Morgen werden nun die abgesteckten Felder mit einer Drohne abgesucht. Die Drohne wird vom lizenzierten und geübten Drohnenpiloten Jürg Schöni geflogen. Er erklärt, wie die Suche genau funktioniert. Die Drohne ist mit zwei Kamerasystemen ausgestattet, einer Fotokamera und einer Wärmebildkamera. So werden wärmere Flächen in der Umgebung ausgemacht, die als rote Punkte auf der Aufnahme sichtbar werden.

Aus diesem Grund sei es auch wichtig, dass möglichst früh, aber vor allem wenn es noch kühl ist, geflogen wird. Denn so habe sich der Boden noch nicht aufwärmen können und aufgrund der Temperaturdifferenz sei es leichter, ein Kitz im hohen Gras ausmachen zu können, führt Schöni aus.

Nachdem im Computer die Flugplanung eingegeben wurde, setzt die Drohne zum Start an. Rund 50 Meter steigt sie in die Höhe, um dann diagonal die Fläche gemäss der eingegebenen Route abzusuchen. Auf dem Bildschirm kann simultan mitverfolgt werden, was die Drohne aufnimmt. Regelmässig flimmern kleine rote Punkte über den sonst grauen Bildschirm, doch von einem Rehkitz oder anderen Wildtieren ist nichts zu sehen.

Kosten und Ertrag stehen in keinem Verhältnis

Die beiden Jäger, die an diesem Morgen bei der Drohnensuche dabei sind, Ulrich Haas und Ruedi von Fischer, erzählen derweil, dass im Revier seit einigen Jahren Drohnen zum Einsatz kommen. Dies infolge eines Projektes der Repla Espace Solothurn, welche auch die Kosten in Höhe von mehreren hundert Franken für einen Einsatz übernehme. Zum Vergleich: Der Wert eines Rehkitzes beläuft sich auf rund einhundert Franken. «Die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Ertrag. Aber schlussendlich machen wir das auch aus ethischen Gründen und aus Liebe zum Tier», erklärt Haas.

Erst vor zehn Tagen konnte dadurch ein Fuchs vor dem sicheren Tod gerettet werden. Doch am gleichen Tag seien im Nachbarrevier zwei Kitze unter den Mäher geraten. «Wir sind darauf angewiesen, dass uns die Bauern vorher anrufen. Hier herrscht eindeutig noch Bedarf. Die Bauern müssen noch mehr sensibilisiert werden», so Haas. Nach gut eineinhalb Stunden, rund 7,5 abgeflogenen Hektaren und zwei Fehlalarmen kann Entwarnung gegeben werden: Die Matten können unbeschwert gemäht werden.

Am gleichen Tag fand eine solche Rehkitzrettung mit der Drohne auch in Balm bei Günsberg statt. Hier entdeckte die Wärmebildkamera im hohen Gras ein Rehkitz, dessen Mutter gerade noch davonspringt. In einem solchen Fall wird das Kitz entweder mit einer Kiste zugedeckt und darum herum gemäht oder in der Kiste an den Waldrand gelegt, damit die Geiss ihr Jungtier wieder findet.

Rehkitzrettung mit Drohne

Rehkitzrettung mit der Drohne

Dank des Drohneneinsatzes wurde dieses Rehkitz entdeckt, bevor die Wiese gemäht wurde. Nach den ersten paar Sekunden geht links aussen die Rehgeiss weg, das Muttertier. Balm bei Günsberg, Revier 8 Waldegg. Zu sehen sind Jäger Urs Sieber mit zwei Kollegen vom Nachbarrevier 9 Günsberg: Philipp Spillmann und Matthias Neuhaus, Jungjäger und Tierfotograf. 

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