Patrik Hegelbach

Dieser Grenchner war der einzige Schweizer am Spitzbergen-Marathon

Patrik Hegelbach beim Zieleinlauf. Er war 2018 einziger Schweizer Teilnehmer.

Patrik Hegelbach beim Zieleinlauf. Er war 2018 einziger Schweizer Teilnehmer.

Der 47-jährige Grenchner Patrik Hegelbach nahm als einziger Schweizer am Spitzbergen-Marathon teil. Er absolvierte die Strecke bei 2 Grad Celsius in 3 Stunden 11 Minuten und 20 Sekunden.

Patrik Hegelbach ist zufrieden mit seiner Leistung und präsentiert die Medaille, die er letztes Wochenende vom hohen Norden nach Hause brachte. Sie bildet sinnigerweise einen Eisbären ab. Hegelbach hat sie für den dritten Rang in seiner Alterskategorie und den fünften Gesamtrang am Spitzbergen-Marathon vom vergangenen 2. Juni erhalten. Der nördlichste Marathon der Welt wurde zum 24. Mal in der kleinen Ortschaft Longyearbyen durchgeführt. Sie liegt auf dem 78. Breitengrad, zum Nordpol sind es noch 1200 km.

«Die Durchschnittstemperatur im Juni beträgt 1 Grad Celsius, letzten Samstag hatten wir 2 Grad. Immerhin regnete oder schneite es nicht», berichtet Hegelbach zu den vergleichsweise guten Wetterbedingungen des Laufs. Die Sonne macht sich auf Spitzbergen rar – nicht nur in der Polarnacht. Zurzeit geht sie nie unter, sofern sie nicht hinter den Wolken ist.

Auf und ab und viel Wind

Hegelbach hat das Rennen in 3 Stunden 11 Minuten und 20 Sekunden absolviert. Die ersten elf Kilometer durch die karge Polarlandschaft sei er in einer Vierer-Spitzengruppe mitgelaufen, berichtet er weiter, danach musste er den topografischen Verhältnissen und dem Wetter etwas Tribut zollen. «Die Strecke mit zwei Runden Halbmarathon in der Umgebung von Longyearbyen totalisiert immerhin 500 Höhenmeter und es gab während des ganzen Rennens viel Wind.» Er sei mit dem Ziel eines Podestplatzes in seiner Alterskategorie angereist und hat diesen auch erringen können. In seiner Kategorie gab es 37 Finisher, 150 Läuferinnen und Läufer nahmen am Marathon teil, 400 an allen Laufveranstaltungen des Wochenendes.

Nur London und Chicago fehlen

Hegelbach hat schon an den grossen Marathonläufen in New York, Boston, Berlin und Tokio teilgenommen, zu seinem persönlichen Ziel, sämtliche Läufe der Marathon World Majors-Serie zu absolvieren, fehlen ihm jetzt noch London und Chicago. Doch das hat noch Zeit. «Wenn möglich, verbinden wir die Teilnahme an den Marathons jeweils mit Ferien». Seine Familie soll auch etwas davon haben.

Wie kam der 47-jährige, ein Spross der Grenchner Garagistenfamilie dazu, Marathons zu laufen? «Es begann im Jahr 2001, als ich 120 kg auf die Waage brachte und dringend meine Pfunde reduzieren musste», erinnert sich Hegelbach lachend. Das hiess unter anderem auch mehr und regelmässig Sport treiben. «Beim Jogging hat es bei mir gestimmt», erinnert er sich. 2008 lief er seinen ersten Marathon in Luzern.

Heute trainiert der Inhaber eines Masterdiploms in Energiewirtschaft und Mitarbeiter einer Informatikfirma etwa 3000 bis 3500 km im Jahr – bei jeder Witterung, wie er betont. Weshalb ihm jene auf Spitzbergen auch nicht viel ausmachte.

Für nächstes Jahr hat er sich den Transalpin-Run vorgenommen. Im Zweierteam werden dabei innerhalb einer Woche eine Strecke von 250 km und über 16 000 Höhenmeter zurückgelegt.

Für Hegelbach ist Laufen zur Leidenschaft geworden, die er gerne mit anderen teilt. Am Grenchenberglauf wird er die blinde Berner Top-Läuferin Chantal Cavin als Guide auf den Berg führen. Sein Haus im Bachtelenquartier wird am Wochenende vom 24. Juni zudem zur Basis von rund 20 Lauffreunden aus Deutschland, die mit ihm am Grenchenberglauf teilnehmen – nachdem man Tags zuvor noch rasch auf den Weissenstein und von dort auf den Untergrenchenberg gelaufen ist.

Eisbärenparadies

Nochmals zurück nach Spitzbergen: Da war doch noch was. Ach ja, das Bild in der Zeitung vom Montag mit dem in flagranti entdeckten Eisbären in der Speisekammer eines Hotels. Den habe er knapp verpasst, erklärt Hegelbach. Und er wäre ihm auch nicht unbedingt gerne begegnet.

Die Chance dazu wäre intakt gewesen. Denn auf Spitzbergen hat es mehr Eisbären als Menschen. 3000 nämlich, im Vergleich zu den 2200 Einwohnern von Longyearbyen. Das Verlassen des Dorfes ist ohne Schusswaffe verboten. «Nicht um auf die Bären zu schiessen, aber um sie zu vertreiben», erklärt Hegelbach. Ist der Spitzbergen-Marathon also eigentlich ein Waffenlauf? Hegelbach lacht: «Nein, natürlich nicht, aber die Streckenposten hatten schon ein Gewehr dabei.»

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