Kinder- und Jugendpsychiatrie

Die vier Ambulatorien bleiben und eine Tagesklinik kommt

Der Kanton Solothurn soll eine Tagesklinik erhalten. (Symbolbild)

Der Kanton Solothurn soll eine Tagesklinik erhalten. (Symbolbild)

Die Solothurner Spitäler AG (soH) will den ambulanten Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie in den nächsten Monaten ausbauen. Die neue Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste der Solothurner Spitäler äussert sich zum geplanten Umbau.

Anne-Catherine von Orelli hat einen anstrengenden Sommer vor sich. Sie hat ihre Stelle als Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie der psychiatrischen Dienste der Solothurner Spitäler AG (soH) am 1. Mai angetreten, und vor ihr steht eine grosse Aufgabe: Bis Ende Jahr soll sie, gemeinsam mit verschiedenen Stellen aus der kantonalen Verwaltung und weiteren Partnern, die Zukunft der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kanton aufgleisen.

Ab nächstem Jahr kommt es in diesem Bereich zu einem Wechsel: Die stationären Plätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie werden in die universitären Kliniken in Basel und Bern ausgelagert, dafür soll der ambulante Bereich ausgebaut werden. In diesem Zusammenhang hat die soH auch den stationären Leistungsauftrag Kinder- und Jugendpsychiatrie an den Kanton zurückgegeben. Die soH ist aber weiterhin für die Grund- und die Notfallversorgung zuständig.

Den Umbau als Bereicherung sehen

Die Schliessung der stationären Abteilung der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik hat für Unruhe gesorgt: Politiker forderten in einer Interpellation im Kantonsrat Antworten von der Regierung, niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater und -Psychologen äusserten sich in einem offenen Brief besorgt. Sie alle teilen eine Sorge: Sie fürchten, dass die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Problemen im Kanton schlechter wird.

Anne-Catherine von Orelli kann diese Sorgen verstehen. Das sagt sie in einem Gespräch in ihrem Büro in Solothurn. Aber, betont sie immer wieder, die Versorgung werde nicht leiden. Im Gegenteil: «Die ambulanten Angebote werden ausgebaut. Wir planen tagesklinische Plätze und mehr aufsuchende Angebote. So können wir flexibel und lebensnah mit den betroffenen Familien zusammenarbeiten.» Im Idealfall könne so in einigen Fällen sogar verhindert werden, dass ein Kind einen stationären Aufenthalt benötigt. Oder der stationäre Aufenthalt könnte verkürzt werden, weil im Kanton ein umfassendes ambulantes Angebot besteht.

Die Auslagerung der stationären Plätze sieht von Orelli ebenfalls als Bereicherung: «Die beiden Kantone Baselland und Basel-Stadt arbeiten schon lange zusammen. In diesen beiden Kantonen und im Kanton Bern gibt es differenzierte und spezialisierte Behandlungsmöglichkeiten. Das führt dazu, dass die Kinder und Jugendlichen aus dem Kanton Solothurn von einem massgeschneiderten Behandlungsangebot profitieren können».

Auch die Sorge, dass sich Kinder und Jugendliche weniger gerne stationär behandeln lassen wollen, weil sie dann von ihren Freunden und ihren Familien getrennt sind, kann von Orelli nachvollziehen. Aber: «Das ist häufig auch dann der Fall, wenn Kinder innerhalb des Kantons stationär behandelt werden müssen.»

Die Ambulatorien bleiben, die Tagesklinik kommt

Wie das ambulante Angebot im Kanton im Detail aussehen soll, ist aber noch nicht bekannt. Momentan sei man mit verschiedenen Beteiligten im Gespräch, erklärt von Orelli. Klar sei bisher, dass die vier Ambulatorien in Olten, Balsthal, Grenchen und Solothurn offen bleiben und dass mindestens eine Tagesklinik entstehen soll. Die Tagesklinik soll vorübergehend in einem bereits bestehenden Gebäude untergebracht werden, ein möglicher Standort wäre etwa die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik in Solothurn.

Wie viele Plätze in der Tagesklinik entstehen, ist ebenfalls noch offen. «Wichtig bei diesem neuen Angebot ist es, dass wir mit einer Abteilung anfangen und dann stetig beobachten, wie der Bedarf sich entwickelt», erklärt von Orelli. Momentan sei sie gemeinsam mit ihrem Team dabei, sich mit Kliniken aus anderen Kantonen auszutauschen und anhand deren Erfahrungen ein Konzept für die Klinik in Solothurn zu erstellen.

Vollstationäres Modell wäre Vorteil

Ein Problem für den Betrieb von Tageskliniken für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen ist jeweils die Finanzierung. Tageskliniken gehören zum ambulanten Bereich, ein Aufenthalt in einer Tagesklinik wird also lediglich von der Grundversicherung finanziert. Eine Tagesklinik kostendeckend zu führen, ist deshalb schwierig, vor allem dann, wenn Kinder und Jugendliche behandelt werden müssen. Sie brauchen eine enge Betreuung, was hohe Kosten verursacht.

Ein Vorteil wäre es deshalb, wenn die neue Tagesklinik nach vollstationärem Modell finanziert werden könnte. Das forderten in den letzten Wochen verschiedene Fachpersonen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dann würde der Kanton 55 Prozent der Kosten für einen Aufenthalt übernehmen, die Grundversicherung würde die restlichen 45 Prozent bezahlen.

Auch von Orelli würde es begrüssen, wenn der Kanton die Tagesklinik finanziell unterstützen würde. «Ich spüre  ein grosses Interesse, die teilstationäre Versorgung zu ermöglichen. Das stimmt mich zuversichtlich», sagt sie. Wie viel Geld der Kanton für die Kinder- und Jugendpsychiatrie ausgeben kann, wird schliesslich im Kantonsrat im Rahmen des Globalbudgets Gesundheitsversorgung 2021–23 entschieden.

Autor

Rebekka Balzarini

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