Wenn die beiden Kinder im Jahr 2015 ihre Grossmutter besuchten, dann gingen sie jeweils auch kurz in die Stube, um deren Freund Georg M.* zu begrüssen. Irgendwann begann der damals neunjährige Knabe von den beiden Geschwistern seiner Mutter zu berichten, dass der Freund der Grossmutter dann jeweils auf dem Sofa gesessen habe und «an seinem Schnäbi herumspielte».

Die Mutter zeigte den heute 59-jährigen Schweizer, welcher bereits vor einigen Jahren wegen sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt worden war, bei der Polizei an. Das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verurteilte in der Folge Georg M. im November 2017 wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten. Doch Georg M. zog das Urteil vor das Obergericht weiter. Er sei unschuldig und die Geschichte nur eine Erfindung der Kinder.

«Kann man einem früher Verurteilten glauben?»

Staatsanwältin Petra Grogg hielt an der Verhandlung vor Obergericht ein sehr kurzes Plädoyer, in welchem sie sich auf die «ausgezeichnete» Urteilsbegründung der Vorinstanz bezog. Sie forderte eine Bestätigung des Schuldspruchs. Sie habe damals eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten gefordert. Die 13 Monate der Vorinstanz seien angemessen und gut begründet.

Rechtsanwältin Stephanie Selig baute ihr Plädoyer auf verschiedenen Widersprüchen in den Aussagen der Kinder auf, die damals sieben und neun Jahre alt waren. «Kann man einem Mann glauben, der sich gegen den Vorwurf der sexuellen Handlungen mit Kindern verteidigt, wenn dieser vor gut 15 Jahren bereits einmal für dasselbe Delikt verurteilt wurde?» Diese rhetorische Frage beantwortete die Verteidigerin mit «Ja». «Bei seiner Vorstrafe hatte mein Mandant damals sofort alle Vorwürfe akzeptiert, und er war geständig. Diesmal bestreitet er die Tat.» Dies sei ein deutliches Indiz für die Unschuld.

«Gewisses Suggestionspotenzial»

Das Obergericht folgte nur teilweise der Argumentation der Verteidigung. Denn: «Das Gericht ist bei der Prüfung der Aussagen des damals neunjährigen Knaben auf kein Suggestionspotenzial gestossen», sagte Gerichtspräsident Daniel Kiefer in der Urteilsbegründung. «Der Junge hat aus eigenem Antrieb das Tatgeschehen glaubwürdig geschildert. Die Kinder haben an die Tür geklopft, der Angeklagte hat ‹Herein› gerufen, und als sie die Stube betraten, ist er auf dem Sofa gesessen und hat am Schnäbi herumgespielt.»

Beim damals erst siebenjährigen Mädchen habe das Gericht dagegen ein gewisses Suggestionspotenzial gefunden. «Wenn man ihre Aussagen genau betrachtet, gibt es Zweifel daran, dass diese tatsächlich auf einen reellen Hintergrund basieren», sagte der Obergerichtspräsident. Es könne auch sein, dass das Mädchen die Schilderungen des Bruders wie ein eigenes Erlebnis erzählt.

Georg M. soll eine Therapie machen

Weil sich so die für das Gericht erwiesene Zahl der sexuellen Handlungen mit einem Kind auf vier Vorfälle reduzierte und weil es zu keinen Berührungen der Kinder gekommen war, resultierte eine mildere Strafe.

Georg M. wurde vom Obergericht zu einer auf Bewährung ausgesetzten Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 50 Franken verurteilt. Da es bereits früher zu einer Verurteilung gekommen war, erteilte das Gericht dem Mann zusätzlich die Weisung, sich einer Therapie zu unterziehen. Den beiden Opfern wurde eine Genugtuung von je 600 Franken zugesprochen.

* Name von der Redaktion geändert.