Vor der Premiere ist das Foyer bereits gut gefüllt. Erwartungsvolle Kinderaugen blicken dem Ereignis entgegen. Vor der Bühne sind Kissen ausgelegt, damit die kleineren Kinder ganz nah am Geschehen sein können. Eltern oder Grosseltern können weiter hinten auf den Stühlen Platz nehmen. Aus Gesprächsfetzen ist zu entnehmen, dass einige Leute bereits seit Jahren diese Märchen besuchen und die Kinder es jeweils kaum erwarten können, wieder ins Theater zu gehen. Das Geschehen auf der Bühne zieht die Kinder so in den Bann, dass es im Zuschauerraum ganz still bleibt, ausser die Kinder werden von der Bühne etwas gefragt. Dann antwortet jeweils ein ganzer Chor von Stimmen. In der Pause geht es lebhaft zu, Eindrücke werden ausgetauscht, und es wird sehnlich auf das Ende der Pause gewartet, um den Schluss der Geschichte zu vernehmen.

Aber nicht nur die Kinder lassen sich von der Darbietung begeistern, denn die Autorin und Regisseurin Marie-Jeanne Traut versteht es, ihre Märchenadaptionen kindergerecht aufzubereiten, aber nicht kindisch, sodass auch die Erwachsenen mit der Handlung mitfiebern können.

Theater fürs Auge

In der «Schneekönigin» vermögen nicht nur die Story zu begeistern, sondern auch die Kostüme und das Bühnenbild. Theater fürs Auge sind die prächtigen Kostüme, vor allem jene der verschiedenen Königinnen. Verantwortlich dafür zeichnet Mireille Membrez-Rieder. Das Bühnenbild wird durch eine Vielzahl von Requisiten angereichert, aber auch so durchdacht gestaltet, dass mit wenigen Handreichungen ein Birkenwald auf der Bühne steht. Die Musik stammt von Vico Helier und Anne-Catherine Kramis, welche auch die Regieassistenz innehat. Noch ahnt man die Prachtentfaltung nicht, wenn die beiden Fischer Lohi und Hauki auftreten und in der Folge als Erzähler durchs Stück führen.

Die wahre Geschichte

Grosi Matilda erzählt ihren Enkeln im Teenageralter die Sage vom Kobold Pila, der einen Zauberspiegel zerschlug und dessen kleine Splitter Menschen ins Auge dringen können und deren Herz in Eis verwandelt. Aber bald stellt sich heraus, dass die Geschichte wahr ist, und Kai wird während des Schlittelns von so einem Splitter getroffen, worauf er sein Zuhause verlässt und in den von Eisbären gezogenen Schlitten der Schneekönigin steigt.

Gerda, untröstlich über das Verschwinden ihres Bruders, geht auf die Suche nach ihm. Sie trifft auf ihrem Weg die Frühlingskönigin mit ihrem Gemahl Markku und dem snobistischen mit französischem Akzent sprechenden Diener. Bei den drei Sommerköniginnen macht Gerda Station bevor sie zur Herbstkönigin wandert, die mit einem Räuberhauptmann verheiratet ist. Diese überlässt Gerda ihr Rentier, das sie endlich zum Palast der Schneekönigin und zu Kai führt.

Das Ritual zum Abschied

Mit viel Gefühl und einigen lustigen Slapstickeinlagen agieren die Schauspielerinnen und Schauspieler (in der Reihenfolge des Programmheftes) Nico Barth, Lukas Rhiner, Stefanie Meyer, Nils Leuenberger, Silvia Ferrari, Patrick Streit, Zora Drieghe-Helier, Melina Maspero, Johnny Sollberger, Jörg Studer, Samira Oulouda, Sophie Nyfeler, Nadine Krieg und Léonie Schütz zum Teil in Doppelrollen.

Nach der Aufführung, draussen vor dem Theater, von einem Kind aufgeschnappt: «Die Schneekönigin hat mir die Hand gegeben.» Denn die Verabschiedung der Kinder und auch der Erwachsenen durch die Bühnenfiguren gehört zum Ritual.

Weitere Aufführungen Samstag/Sonntag, 16./17. März, Sonntag, 24. März, Sonntag. 31. März, Samstag/Sonntag, 6./7. April, Samstag. 13. April, jeweils 15 Uhr.