Gastautor
Die Osteria Altanum

Beat Frey
Beat Frey
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Im italienischen Restaurant gabs Steinpilze. (Symbolbild)

Im italienischen Restaurant gabs Steinpilze. (Symbolbild)

Keystone

Die Osteria Altanum ist das Restaurant, in welchem wir vor drei Monaten einen unvergesslichen Abend verbrachten. Zum Abschluss unseres Besuches von Freunden in Süditalien genossen wir vergangenen Oktober dort zu acht einige schöne Stunden mit liebenswürdigen Menschen und einem vorzüglichen Essen.

Ein Bekannter des Hauses brachte eine grosse Anzahl frisch gesammelter Steinpilze, die Salvatore im Rahmen der vielfältigen Antipasti frittiert und auch roh, in fein geschnittenen Scheibchen mit Olivenöl, servierte. Dass ich mich beim Primo sodann für Tagliatelle ai funghi entschied, war nach diesem Start in den Abend nur folgerichtig. Der vom Dorfpfarrer empfohlene Rotwein rundete das Ganze optimal ab.

Der Abend in der Osteria Altanum war der letzte Besuch dieser Art. Nachdem die Anzahl der Gäste, die zusammen essen durften, in der Schweiz auf vier beschränkt wurde, sind die Restaurants nun ganz geschlossen. Und so wie es aussieht, dürfte dies noch einige Zeit so bleiben. Es ist deshalb nur allzu verständlich, dass die Wirte mit all ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln auf die prekäre Situation aufmerksam machen und dabei unter anderem auch finanzielle Unterstützung fordern. Die zweite Zwangsschliessung innerhalb eines Jahres geht auch an Betrieben, die vor Co-
rona überaus solide aufgestellt waren, nicht spurlos vorbei.

Restaurants sind – jedenfalls auf den ersten Blick – nicht systemrelevant. Essen und Trinken kann man ja auch zu Hause. Die Schweiz wird auch ohne Wirtschaften nicht verhungern und verdursten. Den Stammtisch wird man – Twitter, Facebook und Instagram sei’s geklagt – bald nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen. Auch diese Funktion haben die Beizen weitgehend verloren. Sind die Forderungen von Gastro Suisse deshalb aus staats- und wirtschaftspolitischer Sicht aber wirklich auch unbegründet?

Der Staat hat – vereinfacht ausgedrückt – die Aufgabe, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass sich alle Menschen wohl und geborgen fühlen können. Restaurants, Bars und wie die Betriebe auch alle heissen, tragen in nicht unwesentlichem Mass zu unserem Wohlbefinden und Seelenheil bei. Unser Gesundheitswesen kümmert sich je länger je mehr nicht nur um physisch, sondern auch um psychisch kranke Menschen. Umso mehr darf uns auch das Schicksal der Gastronomiebetriebe nicht egal sein.

Was wir an Freiheit und Gesundheit haben, merken wir erst dann, wenn wir sie verlieren: Auf diese Binsenwahrheit wurde in letzter Zeit wieder vermehrt hingewiesen. Man kann den Spruch auch auf die Restaurants übertragen: Was sie für uns bedeuten, merken wir erst, wenn sie nicht mehr da sind. Der Staat sollte darum in der aktuellen Pandemie solchen Betrieben nicht nur deshalb unter die Arme greifen, weil er sie selber geschlossen hat, sondern sie auch unterstützen, weil es sich dabei um ein Kulturgut handelt, das für das Wohlbefinden von uns Bürgerinnen und Bürgern von grosser Bedeutung ist.

Ohne Lokale wie die Osteria Altanum – von denen es auch in der Schweiz viele gibt – wäre die Menschheit ärmer.

Beat Frey, Oberrichter, Wangen bei Olten